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Ochsner ist da und der Preis ist heiß

  • Andreas Mayer
  • Freitag | 04. März 2016  |  11:50 Uhr
Die Schweizer Deichmann-Tochter Ochsner Sport kauft sich in Süddeutschland ein. Damit mischt in der Bundesrepublik ein weiterer ausländischer Filialist (nach Eybl aus Österreich) den Markt auf und sticht seinen ärgsten Konkurrenten Migros (SportXX) aus. Das wird nicht ohne Folgen bleiben. Österreich steht ebenfalls auf dem Plan.

Text: Nicolas Kellner

Die Nachricht schlug ein: Ochsner Sport aus der Schweiz (99 Filialen) übernimmt den bayerischen Sport- und Bikefilialisten Sport Sperk (13 Filialen). Damit gelingt dem eidgenössischen Sport-Discounter jedoch nicht nur ein fulminanter Coup bei den Nachbarn, sondern er ist dem größten Widersacher im eigenen Land, SportXX, auch noch einen großen Schritt voraus. Denn die sportliche Tochter des schweizerischen Einzelhandelsgiganten Migros schielt seit längerem auch auf den lukrativen deutschen Markt. Bislang jedoch verbrannte sich der Migros-Konzern die Finger sowohl auf dem deutschen Markt (2013: Aus für vier Filialen in Süddeutschland) als auch in Österreich (1995: Mit der gescheiterten Übernahme von Kosum).

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Ochsner-Sport-Filiale in der Schweiz: Sieht Sport Sperk nicht unähnlich.
© Ochsner

Ochnser prescht vor

Ochsner Sport prescht nun vor und die Entwicklung war vorauszusehen. Vor drei Jahren bereits hatte Konzernlenker Heinrich Deichmann angekündigt, „wir wollen mit Ochsner-Sport auch nach Deutschland und Österreich“. Es gäbe dort viele Gemeinsamkeiten und keine freien Flecken mehr in der Schweiz. Wie dem Mitbewerber Migros ist es dem Schuh- und Sport-Konglomerat Dosenbach-Ochsner (gehört Deichmann) mit knapp eine Mrd. Schweizer Franken Umsatz, unter dessen Ägide Ochsner-Sport (442 Mrd Franken) geführt wird, viel zu klein geworden im Heimmarkt. Der Grund ist plausibel: Eine zu hohe Dichte an Sportgeschäften, zu wenig Wachstum im eigenen Land sowie der immer stärkere Einkaufstourismus. Folgerichtig sucht Ochsner Sport jenseits des Rheins nach neuen Kunden und Umsatzchancen mit deutschen und schweizerischen Kunden, die im Euro-Raum einkaufen. Eher leise und unauffällig wurden im vergangenen Frühjahr schon zwei kleinere Sportgeschäfte im Raum Stuttgart eröffnet. Der Testballon machte Lust auf mehr, mit dem Kauf von Sport Sperk, 1970 von Anton Sperk in Ottobrunn bei München gegründet, stellt sich Ochsner auf einen Schlag gleich als Filialist dar – mit einer klaren Botschaft: Der Preis ist heiß! In der Schweiz präsentiert sich der Sporthändler seit Bestehen als preisaggressivster Mitspieler im Handel sowohl im stationären Business als auch online. Das Prinzip wird auch auf den deutschen Markt angewendet werden. Schließlich ist die Bundesrepublik nicht nur Vorreiter bei Discountern, sondern zeigt sich hierzulande auch mit einer gnadenlosen Schnäppchenpreis-Mentalität. Ochsner trifft also auf fruchtbaren Boden, zumal schon Sport Sperk seit Jahren ebenfalls gerne mit einer Bestpreis-Garantie um Endverbracher buhlte. Ochsner wird wohl kein Interesse haben, an diesem Konzept (vorerst) etwas zu ändern. Und konkret? Wie zu vernehmen ist, sollen die Standorte in München und Umgebung inklusive der Bike-Ladens von Sport Sperk erhalten bleiben. An Warenbestand und Mitarbeitern soll sich ebenfalls nichts ändern. Allerdings will Ochsner nach eigener Aussage „schrittweise alle möglichen Synergien nutzen“. Zu verlockend dürfte dem Schweizer Filialisten daher sein, Sperk früher oder später seinen Discount-Stempel samt eigenen Logo bundesweit aufzudrücken alleine schon aus Wiedererkennungs- und weiteren Expansionsgründen. Nun bleibt abzuwarten, ob Migros es wagt, doch noch einmal auf dem deutschen Markt nachzuziehen. Das Migros-eigene Fitnessstudio-Konzept Elements jedenfalls, mit dem der orange Riese in der Bundesrepublik bereits fünffach vertreten ist, könnte zumindest Wegbereiter werden.

Mayer

Autor: Andreas Mayer

Chefredakteur sportFACHHANDEL / Wanderlust / SkiMAGAZIN

Dieser Artikel ist aus der Ausgabe: sport-FACHHANDEL Nr. 13 / 2015