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Metro kassiert, Signa saniert

  • Markus Huber
  • Freitag | 04. März 2016  |  12:31 Uhr
Ganz so elend scheint es um Deutschlands große Warenhäuser nicht zu stehen. Beim Verkauf von Galeria Kaufhof (mit Sportarena) zog die Metro Group offenbar mehr Geld ein als angedacht. Und: Mitbewerber Karstadt steht mit Abschluss des letzten Geschäftsjahres besser da, als sich Experten das vorstellen konnten.

Text: Markus Huber

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Hier klotzt künftig der kanadische Konzern Hudson’s Bay. Der ließ sich den Konsumtempel am Berliner Alex und alle anderen Kaufhof-Häuser 2,8 Mrd. Euro kosten.

Seit dem 1. Oktober ist der Verkauf von Galeria Kaufhof mit samt den Sportarena-Filialen formal perfekt. Die Metro reicht den Warenhaus-Konzern an Hudson’s Bay weiter. Für die kanadische Handelsgruppe ist offenbar der Anteil der Internet-Geschäfte von Kaufhof zu wenig. Laut Wirtschaftswoche beläuft sich der Beitrag der Online-Erlöse auf 2 Prozent des Gesamtumsatzes. Wie es heißt, werden nur etwas mehr als ein Drittel der etwa 600.000 Artikel, die in den stationären Häusern käuflich sind, auch über das Netz feilgeboten. In Nordamerika, wo Hudson‘s ebenfalls Warenhäuser betreibt, ist der Anteil im niedrigen zweistelligen Bereich angesiedelt. Gleichzeitig soll es eine Sortimentsanpassung geben. Besonderen Wert legen die neuen Eigentümer demnach auf Schuhe, Kosmetik und modische Accessoires. Zudem wolle man Kaufhof auch dafür nutzen, die textilen Eigenmarken des kanadischen Konzerns in Europa an den Start zu bringen. Dabei geht es um die Fashion-Marke Saks Fifth Avenue sowie das preisgünstige Pendant Saks Off 5th.

Metro stemmt sich gegen das globale Wirtschaftsklima.

Inzwischen veröffentlichte Metro erste Zahlen zum Geschäftsjahr 2014/15 per 30. September, also bis zu dem Zeitpunkt, an dem der Konzern seine Warenhäuser nach Kanada abgab. Die vorläufige Bilanz weist einen um 1,2 Prozent leicht rückläufigen Erlös aus, der bei 59,2 Mrd. Euro landete. Im traditionell starken russischen Markt musste Metro Federn lassen, da hier die Schwäche des Rubels bei der Umrechnung in die Berichtswährung Euro zu Buche schlug. Auf flächenbereinigter Basis gab es allerdings einen weltweiten Umsatz-Zuwachs von 1,5 Prozent. Im Vorab-Bericht wird der Geschäftsverlauf von Kaufhof nicht mehr eigens erwähnt. Der Gewinn vor Zinsen und Steuern hielt sich konstant und erreichte einen Wert von 1,53 Mrd. Euro.

Kaufhof bringt mehr Geld als angepeilt in die Kasse.

Nach Abzug von Verbindlichkeiten freut sich die Metro-Führung darüber, dass der Verkauf der Waren- und Sporthäuser unterm Strich 1,75 Mrd. Euro gebracht hat. Der offizielle Kaufpreis für Hudson’s Bay war zwar mit 2,8 Mrd. Euro um einiges höher, doch ging die Differenz für Schulden und technische Kosten drauf.

Signa kämpfte wohl bis zur letzten Sekunde.

In der Presse wurde kolportiert, dass Signa Holding, das österreichische Unternehmen, das Karstadt kontrolliert, bis zur zwölften Stunde – also noch Ende September – versuchte, Metro von der kanadischen Option abzubringen. So soll in der Woche vor der offiziellen Übergabe an Hudson’s Bay noch ein Brief von Signa an die Metro herausgegangen sein, der für einen Zusammenschluss der beiden „K-Häuser“ werben wollte. Wie es aussieht, sind Signas Anstrengungen, den alten Kahn Karstadt wieder flott zu bekommen, nicht fruchtlos geblieben. Nach Medienberichten, die allerdings bis dato unbestätigt sind, darf sich Karstadt im abgelaufenen Geschäftsjahr (30. September) über deutlich weniger Schulden freuen als noch vor Jahresfrist. So soll der Fehlbetrag netto für das Fiskaljahr 2014/15 bei 70 bis 80 Mio. Euro liegen. Im Jahr davor stand hier noch eine dicke rote Ziffer von 190 Mio. Euro in den Büchern. Der Umsatz war mit -2,7 Prozent leicht rückläufig und erreichte einen Wert von 2,15 Mrd. Euro.

Das verbesserte Ergebnis ist auf die teilweise harschen Eingriffe der neuen Eigentümer zurückzuführen, zu denen auch die Schließung von Filialen und die Entlassung von Mitarbeitern gehörten. Auch die Zahl der Lieferanten wurde deutlich reduziert.

Autor: Markus Huber

Dieser Artikel ist aus der Ausgabe: sport-FACHHANDEL Nr. 13 / 2015