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Marktreport Schweiz: Der Druck wächst

  • Nicolas Kellner
  • Sonntag | 05. Februar 2017  |  10:06 Uhr
Der Schweizer Sporthandel muss sich auf ein weiteres Negativjahr einstellen. Der Druck wächst: Experten rechnen mit fünf Prozent Minus auf das Gesamtjahr gerechnet. Allerdings können sich Spezialisten halten: Outdoor- und Tourenhändler hoffen auf ein glimpfliches Ende bis April.

Text: Nicolas Kellner

So wenig Schnee wie im Dezember 2016 gab es in der Schweiz am Jahresende noch nie. Auch im November, dem (früher) eigentlichen Saisonstart gab es gerade einmal einen weißen Tag. In den ersten Januarwochen dann der Trendwechsel: Eisige Kälte und Schneeeinbruch in den Alpen brachte den Stimmungsumschwung. „Genau darauf haben wir gewartet“, meint ein Verkäufer bei Och-Sport in Zürich. „Der Schnee ist da, worauf warten Sie“, schrieb Bächli Sport an seine Kunden. Der Wintersport- und Bergsport-Spezialist verfügt über zehn Filialen in der Schweiz und verknüpft das Business geschickt mit dem Internet. Bei Bächli stehen in diesem Winter Skitouren, Schneeschuhe sowie Eisklettern im Vordergrund. Der Händler setzt erfolgreich auf Beratung und Service in seinen Geschäften und führt das auch im nahtlos WWW fort. So können Kunden Beratung von Spezialisten persönlich, online und auch klassisch telefonisch erhalten. Umtauschgarantie und Mietangebote runden das Angebot ab.

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Discounter wie Ochsner Sport oder hier SportXX nutzen die Gelegenheit, seit Weihnachten bereits massiv Wintersportartikel bis zu 50 Prozent hinunterzureißen
© nbk

Das Beispiel zeigt, wie sehr Schweizer Händler bemüht sind, ihre Kunden gezielt anzusprechen, aber auch längerfristig zu binden und dabei alle Kanäle bestmöglich auszunutzen. Denn die Situation bleibt prekär: Discounter wie SportXX und Ochsner Sport nutzen die Gelegenheit, seit Weihnachten bereits massiv Wintersportartikel bis zu 50 Prozent hinunterzureißen. Das Preisdumping ist nun nicht mehr aufzuhalten. Dabei läuft die Wintersaison in der Schweiz traditionellerweise durchaus noch bis mindestens März. Die Sport-Ableger von Migros, Deichmann und natürlich auch Manor kennen da seit Jahren kein Erbarmen: So haut auch Athleticum Snowboard-Bindungen mit 50 Prozent Rabatt (z.B. von Burton und Nitro) heraus, kaum dass die Saison überhaupt begonnen hat.

Die Rabattschlacht wird vom Fachhandel in der Schweiz als umso ärgerlicher empfunden, da sich dieses Jahr erste Anzeichen der Erholung im gebeutelten Snowboardsektor abzeichnen. Nicht umsonst erhielt Reto Gurtner, der Gründer des Graubündener Snowboard- und Ski-Mekkas Weisse Arena 2016 den renommierten GfM-Marketingpreis der Schweizerischen Gesellschaft für Marketing. Zur Weissen-Arena-Gruppe gehören Bergbahnen, Ski- und Snowboardschulen und Sportgeschäfte sowie Hotellerie und Gastronomie. Im Geschäftsfjahr 2015/2016 war der Nettoumsatz der Konzerngruppe um 1,6 Mio. Franken gestiegen. Demnächst sollen verstärkt asiatische Gäste und Wintersport-Fans angesprochen werden, erklärt Branchenpionier Gurtner.

Davon sollte auch der eidgenössische Sporthandel profitieren können. Denn dieser leidet immer noch unter dem Einkaufstourismus der inländischen Kunden, wie Kurt Meister, Einzelhandelexperte bei der Schweizer GfK-Tochter in Hergiswil im Gespräch mit sportFACHHANDEL bestätigt. „Ich gehe von einem Minus von 3 bis 5 Prozent übers Jahr gesehen aus.“ Die Gründe dafür lägen in der Preisreduktion (Anpassung an Europreise) und Auslandeinkäufen, sagt Meister. Dazu würden auch Online-Auslandseinkäufe zählen, die eben nicht über inländische Anbieter mit einer „.ch“-Domain liefen.

Der Schweizer Sporthandel hat innerhalb von knapp sechs Jahren fast 20 Prozent seines Umsatzes verloren. Der Druck auf den Sporthandel – zumal in Grenznähe zum Euroraum – wächst also weiter und führte schon zu manchen Aufgaben wie etwa Kost-Sport in Basel, einst Intersport-Mitbegründer in der Schweiz. Handel ist aber immer auch Wandel, insofern könnte die angespannte Situation auch neue Chancen für manchen Player bieten, glauben Branchenkenner. Dafür könnte beispielsweise ein neuer Trend wie „Snowbiking“ stehen. Das sind Trails und Runs mit so genannten Fatbikes, also spezialisierten Rädern mit besonders breiten und präparierten Räder, mit denen über Schnee gepowdert wird. Die Premiere des ersten Snow-Bike-Festivals in diesem Monat in Gstaad war jedenfalls vielversprechend.

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Autor: Nicolas Kellner

Dieser Artikel ist aus der Ausgabe: sport-FACHHANDEL Nr. 02 / 2017