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Lieber Qualität teilen als Billigware besitzen

  • Hildegard Suntinger
  • Dienstag | 21. Februar 2017  |  10:03 Uhr
Die in Wien lebende Kanadierin Wendy Ertl-Williams ist leidenschaftliche Skifahrerin. In der Skination Österreich vermisste sie einen Mietservice für Skibekleidung. Bis sie im Mai 2016 selbst die Initiative ergriff und Ski Suit Rental gründete. Ihr Credo: Wenn sich das Verhalten der Skifahrer ändert, muss sich auch die Industrie ändern.

Text: Hildegard Suntinger

Vorbilder für ihr Start-Up fand Ertl-Williams in Japan und USA, wo der Verleih von Skibekleidung bereits etabliert ist. Auch die europäischen Skifahrer werden Services dieser Art in Zukunft suchen, daran zweifelt sie nicht. Argumente dafür hat sie viele – die meisten davon sind aus dem Skiverleih vertraut. Ihr zentraler Gedanke ist allerdings jener der ‚Sharing Community’. Die promovierte Volkswirtin geht davon aus, dass trotz stagnierender Einkommen niemand gern auf Qualität verzichtet und lieber Qualitätsware teilt als Billigware besitzt und nach kurzer Zeit entsorgt. Zitat: „Vor zwanzig Jahren war es üblich, mehrere Wochen im Jahr Ski zu fahren. Das hat sich geändert. Weniger als vier Prozent der Österreicher fahren mehr als eine Woche Ski pro Jahr.“ Gleichzeitig ist die Popularität des Skisports ungebrochen. Laut Statistik Austria wurde in der Wintersaison 2015/16 ein neuer Höchstrekord an Gästen aus Inland- und Ausland verzeichnet. Die Zahl der Nächtigungen in den wintertouristisch geprägten Bundesländern legte um 3,7 bis 6,2 Prozent zu.

Auf Ertl-Williams’ Ski Suit Rental-Website findet die Sharing Community die gewünschte Qualität und kann die passende Skibekleidung für die ganze Familie online buchen und in die Urlaubs­unterkunft oder nach Hause liefern lassen. Die Sendung erfolgt vom Lager in Wien. Die Rücksendung erfolgt per Post oder über die Hotelrezeption. Die Auswahl umfasst Skibekleidung, Handschuhe und Skibrillen von Markenanbietern wie Schöffel, Columbia, Hestra und Alpina. Allen Teilen gemeinsam sind wind- und wasserabweisende sowie klimaregulierende Eigenschaften. Für Ertl-Williams die Voraussetzung für einen gelungenen Tag auf der Skipiste. Gefragt sei sowohl Kleidung für Erwachsene als auch für Kinder. Wobei die Relation bei 50:50 liege. Zu Hose und Jacke werden auch meist Handschuhe und Skibrille geliehen, so Ertl-Williams. Selbst Mutter einer siebenjährigen Tochter, hat Kinderbekleidung für Ertl-Williams hohe Priorität. Das zeigt sich nicht zuletzt in der Kooperation mit dem Kinderclub von Googie Gundolf in Lech, die vor Ort ein zweites Lager führt und die Teile direkt verfügbar macht. Darüberhinaus kooperiert Ertl-Williams im Rahmen des Projekts ‚WISPOWO-Card’ mit der Servicestelle Wintersportwochen, die zur Förderung schulischer Wintersportaktivitäten beiträgt.

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Immer up to date mit dem neuesten Ski-Outfit, die Vision von Ski Suit Rental
© Wojciech Gajda

„Kein Kind soll aufgrund fehlender Ausrüstung zuhause bleiben müssen“, betont Ertl-Williams und bietet die Leihkleidung für die Wintersportwoche deshalb zu besonders günstigen Preisen an. Regulär liegen die Preise bei Kinderbekleidung zwischen 60 und 72 Euro pro Woche. Erwachsene bekommen ihr Leihoutfit um 130 bis 150 Euro pro Woche. Um einen persönlichen Dialog mit der Zielgruppe aufzubauen, betreibt Ertl-Williams seit Januar einen Pop-Up-Store im Karmeliterviertel in Wien, der noch bis März geöffnet sein wird. Die ersten Erfahrungen waren sehr gut, wie sie berichtet. Zitat: „Es gibt auch internationale Kunden in Wien. Heute war eine Familie aus Israel da und war wirklich dankbar, die Kleidung leihen zu können. Dazu kommen Wiener Familien, die mit der Leih-Skikleidung für ihre Kinder Geld und Platz im Schrank sparen.“

Ski Suit Rental ist Ertl-Williams erster Auftritt im Skibereich. Vor Gründung im Mai 2016 arbeitete sie mit Start-Ups. Ihr Doktorat in Volkswirtschaft verfasste sie zum Thema Nachhaltigkeitskonsum.

Autor: Hildegard Suntinger

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Dieser Artikel ist aus der Ausgabe: sport-FACHHANDEL Nr. 04 / 2017