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Laufart: "Wir punkten über die Beratung..."

  • Astrid Schlüchter
  • Sonntag | 18. Juni 2017  |  11:26 Uhr
Runningspezialistin Laureen Dähnrich hat sich in den vergangenen 15 Jahren in Berlin mit Laufart einen hervorragenden Ruf aufgebaut. Ausdauer und Topberatung bringen ihr Kundenempfehlungen, stetige Umsätze im Bereich Walking und Trail. Beim Thema Outdoor ergeben sich interessante Überschneidungen. sportFACHHANDEL besuchte die engagierte Händlerin und erfuhr, dass es bei allem Spaß und Erfolg auch saftige Wünsche an die Hersteller gibt.

Interview: Nicolas Kellner

sportFACHHANDEL: Frau Dähnrich, das Thema Running hat viele Facetten, worin liegt Ihr Schwerpunkt?

Laureen Dähnrich: Unser Hauptaugenmerk haben wir auf leichte und dynamische Laufschuhe gerichtet, wobei wir auch bemüht sind, eine gute Auswahl an Barfußlaufschuhen anzubieten. Hier wird die Luft bei den Herstellern aber sehr dünn.

Laufart

© Laufart

sportFACHHANDEL: Welche Zielgruppen sprechen Sie insbesondere an? Gibt es dort Veränderungen?

Laureen Dähnrich: Wir sprechen eher die jüngere bis mittlere Altersgruppe mit unserem Schuh- und Bekleidungssortiment an. Bei den älteren Läufern liegt der Fokus doch eher auf viel Dämpfung. Verschiebungen bei meinen Läufern kann ich nicht beobachten, auch das Thema Cross Fit bzw. Hindernislauf hat sich zum Vorjahr nicht groß verstärkt.

sportFACHHANDEL: Wie wichtig sind Mode und Lifestyle?

Laureen Dähnrich: Das Thema Mode und Lifestyle spielt schon eine Rolle im Laufsport, eher aber bei der Bekleidung. Textilien punkten bei Läufern noch besser, wenn sie eine technische Optik haben, durch Kontrastnähte und verschieden kombinierten Stoffarten. Bei den Schuhen sind die Aussagen der Kunden oft „zu bunt“ und sie könnten etwas schlichter gehalten sein. Die Laufschuhe mit Sneakeroptik spielen eher bei den Fitnesskunden eine größere Rolle, zudem sie keine schwarzen Sohlen haben. Die Masse meiner Kunden hat aber die Passform und den Komfort im Auge.

sportFACHHANDEL: Der Runningmarkt lebt auch von unterschiedlichen Ansprüchen. In welche Richtung geht es, wo liegen die größten Chancen? Laureen Dähnrich: Eine neue starke Richtung beim Laufsport lässt sich nicht sehen, ich denke, man muss bei seinen Präferenzen bleiben, ohne das große Ganze aus dem Blick zu verlieren. Die Laufanalyse selbst könnte noch professioneller aufgebaut werden und zudem kostenpflichtig sein, wenn es hier um mehr als die Statik für den passenden Laufschuh gehen soll. Wir selbst arbeiten mit dem mobilen Achillex-System, wo ein Sensor am Fuß die Bewegungen misst. Hier kann der Kunde entspannt auf der Straße laufen und muss sich nicht mit dem ungewohnten Laufband plagen. Zudem werden das Fußgewölbe und die Beinachse vorab geprüft.

sportFACHHANDEL: Wie verteilen sich bei Ihnen die Umsätze über das Jahr gesehen, im Verlauf Winter/Sommer?

Laureen Dähnrich: Das Hauptgeschäft findet bei uns von März bis Juni statt und dann wieder von August bis Oktober. Wobei das erste Halbjahr hier das stärkere ist, außer wir haben einen langen Winter oder außergewöhnlich schlechtes Wetter.

sportFACHHANDEL: Welche Bedeutung hat der Bereich Walking?

Laureen Dähnrich: Walking ist natürlich mit dem Rückgang in den Medien auch bei uns im Geschäft ruhiger geworden. Dennoch verkaufen wir weiterhing Walking- und Leichtwanderschuhe für den sportlichen und auch täglichen Einsatz als Bequemschuh. Viele unserer Kunden aus diesem Segment sind 50+ und möchten doch eher gedeckte Farben und Wetterschutz haben, was sich mit einem normalen Laufschuh nur selten in Einklang bringen lässt. Auf der anderen Seite nehmen die sportlichen/dynamischen Walker lieber einen leichten und flexiblen Laufschuh, statt der kompakten und eher steifen Walkingschuhe.

sportFACHHANDEL: Wie sehen Sie die Chancen und Risiken im Bereich Trailrunning?

Laureen Dähnrich: Da unser Geschäft am Rand von Berlin liegt, haben wir auch Läufer, die es in unsere Wälder zieht. Jedoch ist dieser Bereich den Asphaltlaufschuhen unterlegen, da hier oft eine 50/50 Kombination gelaufen wird. Die Auswahl ist mit zwölf Modellen für uns recht groß, aber dadurch vielseitig. Durch die vermehrten Wettkampfläufe mit Hindernissen werden die üblichen Straßenläufer für „Just for Fun“ auch mal ins Gelände gezogen und besorgen sich dafür schon mal einen Zweitschuh.

sportFACHHANDEL: Als Spezialist müssen auch Sie gegen die großen Wettbewerber und Filialisten bestehen. Wie wirkt sich das im täglichen Business aus? Wie halten Sie Kunden, wie gewinnen Sie neue Kunden hinzu?

Laufart
Barfuß-Laufen bleibt in der Laufart-Zielgruppe angesagt.
© Laufart

Laureen Dähnrich: Unsere Stammkunden bekommen einen gewissen Rabatt und neue Kunden versuchen wir hauptsächlich durch das Internet anzuwerben. Aber die beste Werbung für uns ist die Weiterempfehlung unserer Kunden an andere und die bekommt man kostenlos, dafür muss man nur guten Service durch Kompetenz, Zeit und Spaß an der Arbeit leisten. Wir grenzen uns außerdem durch unser individuelles Schuhsortiment ab, welches bei den Ketten nicht wirklich variiert.

sportFACHHANDEL: Wichtig für jeden Händler sind ja immer auch verlässliche Lieferanten. Nach welchen Kriterien ordern Sie? Welche Besonderheiten gibt es bei Ihnen bei der Markenzusammenstellung?

Laureen Dähnrich: Wir haben unser Augenmerk ja auf einen bestimmten Schuhaufbau gerichtet und je nach Hersteller, der das anbietet, ordern wir. Qualitativ gibt es keine Unterschiede mehr zwischen den Anbietern, aber der Service unterscheidet sich schon in Sachen Passformgarantie oder Reklamationsabwicklung. Auch lässt sich eine schlechte Nachlieferbarkeit schon kurz nach Saisonbeginn bei den großen Firmen beobachten, was natürlich wehtut. Also ergibt sich je nach Modellauswahl bei uns die Markenzusammenstellung.

sportFACHHANDEL: Wie gehen Sie mit den immer schneller werdenden Orderzyklen um?

Laureen Dähnrich: Wir ordern nur 2x im Jahr zum Frühjahr und Herbst. Schneller dreht sich bei uns die Ware nicht raus und wir wollen uns selbst auch keinen Druck machen. Viele Modelle werden bei uns im Jahresrhythmus geordert, damit wir sie nicht unnötig reduzieren müssen. Wir punkten bei unseren Kunden über die gute Beratung und nicht über den Preis oder die Farbe.

sportFACHHANDEL: Welche Wünsche gibt es an die Hersteller?

Laureen Dähnrich: Traumhaft wären: Keine Mindestordermenge, einfache Online-Reklamationen, ein übersichtliches Sortiment (große Marken), umweltbewusstere Produkte wie vielleicht ein „Ökoschuh“ oder weniger „Beipackkram“ und deren Plastikbänder in den Schuhkartons selbst, öfters wiederverwendbare Werbemittel, die sich mehr auf die Firma und deren Features beziehen, statt auf ein bestimmtes Produkt.

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Autor: Astrid Schlüchter

Redaktion Süd sportFACHHANDEL

Dieser Artikel ist aus der Ausgabe: sport-FACHHANDEL Nr. 08 / 2017