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Kommentar: Berliner Zahlenspiele

  • Andreas Mayer
  • Montag | 15. Juni 2020  |  19:09 Uhr
Wie viel sind drei Prozent von 59 Euro? 1,77 Euro. Und drei Prozent von 29 Euro? 87 Cent! Bei 159 Euro, da könnte es vielleicht tatsächlich spannend werden: Hier sind drei Prozent immerhin schon 4,77 Euro ... ein Kommentar zum neuesten Geschenk unserer lieben Bundesregierung, der Mehrwertsteuersenkung!
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Für sechs Monate lang sind im Verkauf nur noch 16 statt 19 Prozent Mehrwertsteuer fällig. Das soll helfen, die Umsätze nach der Corona-Katastrophe wieder anzukurbeln. Wer aber kauft sich einen neuen Wanderstiefel, nur weil er vier oder fünf Euro billiger ist?

Die einzigen Profiteure der Mehrwertsteuersenkung sind Steuerberater, Dienstleister rund um die Kassen-Programmierung, der Lebensmitteleinzelhandel (der ja ohnehin von Corona profitiert hat) und vielleicht die Luxusgüterbranche. Für alle anderen gilt: Linke Tasche, rechte Tasche. Und unter‘m Strich bleibt die Maßnahme ein Bürokratiemonster. Die drei Kunden, die ohne Mehrwertsteuersenkung nicht gekommen wären, bezahlen allerhöchstens den administrativen Mehraufwand der Maßnahme ...

Unser Super-Franzose Décathlon hat natürlich schon am Tag nach der offiziellen Entscheidung in Berlin werbewirksam angekündigt, „die steuerlichen Vorteile transparent an seine Kunden weiterzugeben“ und „die Preise für alle Produkte im aktuellen Sortiment anzupassen“. Mit dem Rotstift an einen Rotstiftpreis? Na, da kommt Freude auf!

Inwieweit so etwas die eigene Kalkulation erlaubt, muss jeder selbst entscheiden. Der Druck dazu wird allerdings da sein: Spitzfindige Kunden werden auch bei Ihnen diskutieren, ob denn die drei Prozent nun abgezogen sind oder nicht. Das einfachste wird wohl sein: Ein eigener, sechsmonatiger „Sommerschlussverkauf“ mit einem Pauschalrabatt, der an der Kasse gegeben wird. Doch damit geschieht genau das, was weder der Handel noch die gesamte Branche in der Nach-Corona-Zeit gebrauchen kann: überall Rotstifpreise, Rabatte, Ramsch-Atmosphäre ...

Die Wertigkeit des Fachhandels, die Qualität der Produkte, der Beratung und des zusätzlichen Services sollten im Vordergrund stehen, nicht der Preis. Und die Erfahrungen in den ersten Wochen nach Beendigung des Shutdowns zeigen übrigens, dass die Konsumenten dies auch genauso akzeptieren!

Andreas Mayer

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Autor: Andreas Mayer

Chefredakteur

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