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Knud Hansen: „Führungslos war die Intersport zu keinem Zeitpunkt!“

  • Marcel Rotzoll
  • Freitag | 31. August 2018  |  10:15 Uhr
Das Wort „Krise“ mag er nicht. Herausfordernd seien die Zeiten aber allemal. Im Gespräch mit sportFACHHANDEL bezieht Intersport Aufsichtsrat-Chef Knud Hansen Stellung zu den aktuellen Herausforderungen der Verbundgruppe.

sportFACHHANDEL: Herr Hansen, haben Sie in all dem Trubel, der derzeit durch die Geschehnisse bei der Intersport entstanden ist, überhaupt noch genug Zeit für Ihr eigenes Unternehmen?

Knud Hansen: Das ist derzeit tatsächlich herausfordernd. Andererseits kann man einen Posten wie im Aufsichtsrat der Intersport ohnehin nur dann übernehmen, wenn das eigene Unternehmen entsprechend gut aufgestellt ist. Das ist bei Intersport Knudsen der Fall. Aber ehrlicherweise muss man schon sagen, dass diese Doppelbelastung in den vergangenen Wochen eine echte Herausforderung gewesen ist. Denn auch das eigene Unternehmen steht vor den gleichen Herausforderungen wie der gesamte Markt, die Veränderungen sind rasant. Und wir müssen uns nicht nur bei der Intersport in Heilbronn und Wels neu aufstellen, sondern natürlich auch im eigenen Unternehmen.

sportFACHHANDEL: Zur Zeit ist Ihre Aufgabe als Aufsichtsratsvorsitzender der Intersport also ein Fulltime-Job?

Knud Hansen: In der Tat ist in Zeiten gravierender Veränderungen – wie wir sie derzeit haben – die Aufgabe des Aufsichtsratsvorsitzenden nahezu ein Fulltime-Job. Aber auch der Spagat zwischen dem Posten des Aufsichtsratsvorsitzenden und als Inhaber eines mittelständischen Sportfachhandelsunternehmens ist letztlich eine sportliche Disziplin, die ich gerne ausfülle. Zumal es ein großer Vorteil der Intersport ist, dass der Aufsichtsrat mit Händlern besetzt ist, die nah am tagesaktuellen Geschehen sind. Von den neun Aufsichtsräten sind sieben Geschäftsinhaber, so können wir in allen nötigen Belangen die nötige Expertise mit Marktnähe verbinden.

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Fulltime-Job: Derzeit ist der frischgebackene fünffache Vater Knud Hansen nahezu vollständig mit dem Aufsichtsratsvorsitz bei der Intersport ausgelastet.
© Intersport

sportFACHHANDEL: Von außen erscheint es derzeit, als ob die Intersport soeben die schwerste Krise der vergangenen Jahre zu meistern hätte. Würden Sie zustimmen?

Knud Hansen: Ich bin kein Freund des Wortes „Krise“. Ich gebe Ihnen aber vollkommen recht, dass wir speziell im stationären Handel vor den größten Herausforderungen der vergangenen Jahrzehnte stehen. Die durch die Digitalisierung ausgelösten rasanten Marktveränderungen, wie Onlineshopping, der Wettbewerb durch Online-Plattformen, Verfügbarkeiten oder strategische Allianzen sind gewaltig. Das ist ein teils brutaler Veränderungsprozess, der nicht nur die Intersport betrifft, sondern alle Marktteilnehmer. Darauf müssen wir als Genossenschaft reagieren – und das ist an der ein oder anderen Stelle auch schmerzhaft.

sportFACHHANDEL: Die Frage bezog sich auch auf die selbstgemachten Probleme der Intersport. Lassen Sie uns auf einige Punkte eingehen, die aus Mitgliederkreisen immer wieder zu hören sind ... So sei der Abgang von Kim Roether als Vorstandsvorsitzender wenig professionell gewesen. Gerüchte besagen, er hätte wütend hingeworfen ...

Knud Hansen: Fakt ist: Es hat zu keinem Zeitpunkt einen enttäuschten oder wutentbrannten Kim Roether gegeben. Es gab vier oder fünf sehr klare, sehr persönliche Gespräche zwischen mir und Herrn Roether, in denen er darum gebeten hat, das Amt des Vorstandsvorsitzenden aus persönlichen Gründen niederzulegen. Ich habe diese Bitte respektiert und bin der Meinung, dass persönliche Gründe auch genau da bleiben sollen, im persönlichen Bereich. In diesen Gesprächen haben wir auch überlegt, wie sein Weg aus der Intersport heraus vernünftig gestaltet werden kann. Da mögen einige sagen, dieses Vorgehen sei wenig professionell, zustimmen würde ich dieser Einschätzung aber nicht, ganz im Gegenteil. Eine andere Begründung gibt es einfach nicht. Da muss ich alle enttäuschen, die etwas anderes hören wollen.

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sportFACHHANDEL: Nichtsdestotrotz wirkte die Intersport nach außen, als ob sie von heute auf morgen ohne Führung dasteht ...

Knud Hansen: Ein Unternehmen mit über 600 Mitarbeitern in Heilbronn und Wels besteht doch nicht nur aus einer Führungspersönlichkeit. Kim Roether hat es in den Jahren zuvor zudem verstanden, ein Führungsteam unter ihm aufzubauen. Natürlich gibt es eine gewisse Verunsicherung, wenn ein Vorstandsvorsitzender ein Unternehmen verlässt. Aber führungslos war die Intersport zu keinem Zeitpunkt. Und der Aufsichtsrat kommt nun seiner Verpflichtung nach, den Vorstand neu zu besetzen. Aktuell gibt es hier ja eine neue Vorstandsstruktur, die im Übrigen von Kim Roether aktiv mitgestaltet und getragen wurde. Zwei der Posten sind mit Hannes Rumer und Mathias Boenke sehr gut besetzt. Die anderen beiden Posten werden wir ebenso gut besetzen. Da geht es nicht um Geschwindigkeit, sondern darum, die Positionen sehr gewissenhaft zu besetzen und jeweils die oder den Richtigen zu finden.

sportFACHHANDEL: Wird es beim Vorstandsvorsitz eine brancheninterne oder -externe Lösung geben?

Knud Hansen: Diese Frage kann ich Ihnen noch nicht beantworten. Ich kann und will hier auch keine Namen nennen. Das Anforderungsprofil ist aber, egal ob der Kandidat aus der Branche kommt oder nicht, klar: ein CEO muss über eine hohe strategische Kompetenz verfügen, um das Unternehmen Intersport erfolgreich in die Zukunft zu führen. Das ist auch ein Grund dafür, dass wir nun die Position von zwei Bereichsvorstände für die Intersport-gebrandeten sowie für die nicht-gebrandeten Mitglieder geschaffen haben. Damit wollen wir sicherstellen, dass diese beiden Vorstände deutlich marktnäher agieren und arbeiten können, während der CEO die strategische Gesamtausrichtung im Auge hat.

sportFACHHANDEL: Wann ist damit zu rechnen, dass die beiden vakanten Posten besetzt sein werden?

Knud Hansen: Wir führen aktuell sehr intensive Gespräche. Ich gehe fest davon aus, dass beide Positionen spätestens bis Jahresende besetzt sein werden.

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sportFACHHANDEL: Sie hatten es gerade schon angedeutet: Die Intersport steckt in einem gewaltigen Transformationsprozess, der bereits längst Fahrt aufgenommen hat. Ist da nicht der CEO-Posten, bei dem es nun darum geht, die Vorstellungen anderer umzusetzen, ein Schleudersitz?

Knud Hansen: Nein. Ein guter CEO zeichnet sich nicht nur dadurch aus, dass er ein bestehendes Unternehmen übernimmt und bestehende Konzepte weiterführt und umsetzt. Er zeichnet sich auch dadurch aus, dass er über den Horizont, den wir jetzt aufgezeichnet haben, hinausschaut und dort seine eigenen strategischen Punkte setzen kann. Was nicht passieren wird, ist, dass ein neuer CEO mit der Intersport eine 180-Grad-Wende vollführt. Die jetzige strategische Ausrichtung One Intersport wurde in enger Abstimmung zwischen Vorstand und Aufsichtsrat und der Unterstützung durch die Unternehmensberatung Kienbaum, die über eine hohe Expertise gerade bei genossenschaftlichen Geschäftsmodellen verfügt, erarbeitet. Diese wird nun umgesetzt.

sportFACHHANDEL: Seit einiger Zeit, bemängeln Mitglieder, habe die Intersport generell ein Problem in der Führungsetage. Mitglieder der für das Tagesgeschäft wichtigen zweiten und dritten Führungsebene haben oder wurden gekündigt, die Posten aber nicht zeitnah neu besetzt. Was sagt der Aufsichtsrat dazu? Hätte man hier nicht einschreiten können und müssen?

Knud Hansen: Es gibt eine klare Aufgabenteilung zwischen Aufsichtsrat und Vorstand. Der Aufsichtsrat ist für die Besetzung der obersten Ebene, also den Vorstand, verantwortlich. Die Personalentscheidungen darunter trifft der Vorstand. Natürlich gibt es zustimmungspflichtige Geschäfte und in einer guten Zusammenarbeit, die es zwischen Aufsichtsrat und Vorstand bei der Intersport gibt, gibt es zu vielen Personalien natürlich auch einen Meinungsaustausch. Aber diese Personalentscheidungen bleiben ganz klar der Aufgabenbereich des Vorstandes. Dass es Veränderungen gegeben hat, in den vergangenen ein- bis zwei Jahren vielleicht auch in einer höheren Frequenz als zuvor, ist derzeit auch schlicht ein normaler Prozess. Bei den derzeitigen rasanten Marktveränderungen geschieht es heute schneller, dass Mitarbeiter ihre Position verändern müssen oder diese auch verlassen wollen. Aufgaben werden neu geschaffen, andere fallen weg. Aus meiner Sicht sind das insofern organisatorische Veränderungen, die in anderen Unternehmen ebenso stattfinden. Wo ich Ihnen recht gebe: Es hat viele Veränderungen im Bereich der Mitglieder gegeben. Einen Bereich, auf den wir einen ganz klaren Fokus setzen. Mit den beiden Vorstandsposten für Intersport-gebrandete und Kooperations-Mitglieder wird es hier sehr klare Verantwortlichkeiten geben.

sportFACHHANDEL: Gibt es Absetzbewegungen? Gerade wurden überraschend die Personalien Johannes Maas und Tim Bauer bekannt ...

Knud Hansen: Nein, es gibt keine Absetzbewegungen. Herr Maas ist kürzlich zum dritten Mal Vater geworden und hat den Wunsch geäußert, näher an seiner Familie in München zu sein. Tim Bauer kam kürzlich mit hoher Marktexpertise von außen zur Intersport. Beide Seiten haben hier offensichtlich festgestellt, dass es nicht passt und sich getrennt. Dafür gibt es Probezeiten. Insgesamt ist die Intersport ein Unternehmen im Wandel und da sind, wie gesagt, auch personelle Veränderungen ganz normal. Bei einer Organisation mit über 600 Mitarbeitern gehe ich auch nicht davon aus, dass wir in den kommenden Monaten keine neuen Personalien in den verschiedenen Führungsebenen mehr zu verkünden haben. Wichtig ist doch, dass das Unternehmen ein klares Ziel vor Augen hat. Und das ist bei Intersport mit der Vision One Intersport gegeben: Die Gesamtorganisation soll noch schlagkräftiger werden, damit die Mitglieder erfolgreich am Markt agieren können. Natürlich muss auch die Zentrale profitabel sein, um die vielen Serviceleistungen für die Mitglieder erbringen zu können. Am Ende geht es aber immer darum, die Profitabilität der Händler zu steigern.

sportFACHHANDEL: Das findet sich so ja auch in der Satzung.

Knud Hansen: Genau. Das ist unser Förderauftrag.

sportFACHHANDEL: Muss sich der Aufsichtsrat bei all den aktuellen Problemen nicht den Vorwurf gefallen lassen, insgesamt nicht früh genug entschiedener gehandelt zu haben?

Knud Hansen: Nein. Ich bin durchaus ein selbstkritischer Mensch und sicher haben Sie recht, dass man vielleicht das ein oder andere Vorhaben früher hätte umsetzen können, vielleicht sogar müssen. Aber: Jedes Unternehmen hat seine eigene Kultur. Das gilt gerade auch für eine Genossenschaft, wie sie die Intersport ist. Man kann und darf die eigene Unternehmenskultur nicht einfach über Bord werfen. Veränderungen können nur vollzogen werden, wenn man auf die Unternehmenskultur Rücksicht nimmt. Um Veränderungsprozesse in einer Genossenschaft erfolgreich umzusetzen, muss man alle Stakeholder mitnehmen und integrieren. Das gilt für die Mitglieder, die Mitarbeiter und für externe Partner wie beispielsweise die Lieferanten. Deshalb dauern manche Veränderungen hier vielleicht etwas länger als es in einem vertikalisierten Unternehmen der Fall ist.

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sportFACHHANDEL: Intersportler bemängeln, dass die Zentrale seit einiger Zeit sehr viel Geld ausgibt, der Return on Invest aber ausbleibe. Als Beispiele werden genannt: das gefloppte MCR-Konzept, das seit Jahren defizitäre Voswinkel oder die bisher nicht in Schwung kommende „blaue“ Welt. Geht die Intersport noch verantwortungsvoll mit dem Geld der Genossen um?

Knud Hansen: Ja, sogar sehr verantwortungsvoll. Investitionen in die Zukunft sind heute aber von einer viel höheren Unsicherheit geprägt als es noch vor wenigen Jahren der Fall war. Return on Invest ist dabei zwar ein schöner Begriff, aber bei manchen Investitionen längst nicht mehr die oberste Priorität. Es geht vielmehr darum, Systeme und Konzepte zu entwickeln, mit denen die Mitglieder zukünftig erfolgreich sein können. Nehmen wir Ihr Beispiel des MCR-Konzepts. MCR ist nicht gefloppt, sondern wir haben Geld für Erfahrungen ausgegeben, die uns heute zu Gute kommen. Zunächst hatten wir damals einen Onlineshop aus Sicht einer Genossenschaft an den Start gebracht. Rückblickend betrachtet, war das zu kurz gesprungen. Es war aber nicht falsch, weil wir damals als Genossen – und nun sind wir wieder bei der Unternehmenskultur – noch nicht bereit für die heutige Plattformlösung waren. Viele Mitglieder hätten eine Plattformlösung zum damaligen Zeitpunkt abgelehnt. Die Veränderungen des Marktes haben nun zu einem Umdenken dahingehend geführt, dass ein genossenschaftlicher Onlineshop nicht die richtige Lösung ist, sondern wir uns am Kunden orientieren müssen. Die kooperative Händlerplattform, die nun aus diesen Erfahrungswerten heraus entstanden ist, trifft heute den richtigen Nerv der Intersportler. Bereits angeschlossene Mitglieder sind sehr zufrieden. Natürlich gibt es noch Luft nach oben, aber ich bin sehr davon überzeugt, dass die Plattformlösung der richtige Weg ist. Und vergessen Sie bitte nicht: Die größte Investition der vergangenen Jahre war die in Stahl und Beton, nämlich in unser neues Lager. Dadurch erhöhen wir den Servicegrad für unsere Mitglieder, individualisieren die Orders und die Liefertermine und können künftig Category Management bieten. Dadurch sinken die Stückkosten und die Servicequalität für die Mitglieder wird deutlich verbessert. Investitionen innerhalb der Genossenschaft sind deshalb immer von zwei Seiten aus zu betrachten: Wie kann die Zentrale die eigenen Kosten verringern und wie kann die Zentrale das einzelne Mitglied in die Möglichkeit versetzen, sein Ergebnis zu verbessern.

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Stahl und Beton: Während die hohen Investitionen beispielsweise in das MCR-Konzept kritisiert wurden, dürfte sich das im Bau befindliche Lager schnell für alle Mitglieder positiv bemerkbar machen.
© Intersport

sportFACHHANDEL: Ein Thema, das die Mitglieder umtreibt ist Voswinkel. Es ist die Rede davon, dass bis zu 25 Filialen vor der Schließung stünden ...

Knud Hansen: Ein Thema, das nicht nur den Mitgliedern, sondern auch dem Aufsichtsrat, dem Vorstand und dem Management Kopfzerbrechen bereitet, ist, dass wir uns mit Voswinkel in einer sehr herausfordernden Situation befinden. Es gibt eine Reihe von Filialen, die nicht rentabel sind. Es gibt bei Voswinkel die gleiche Entwicklung, die auch unsere Mitglieder spüren: An manchen Standorten gibt es extreme Frequenzverluste, die sich nicht durch eine Erhöhung der Conversion Rate oder durch die Erhöhung des Durchschnittsbons vollumfänglich auffangen lassen. Deshalb ja, es wird in den kommenden Monaten eine Bereinigung des Filialportfolios geben.

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sportFACHHANDEL: Aber Voswinkel soll doch ein Vorreiter der blauen Intersport-Welt werden. Wie passt das zu diesen Hiobsbotschaften?

Knud Hansen: Es ist richtig, dass Voswinkel mit seiner Struktur in der blauen Welt zu verorten ist. Was aber in Berlin, worauf Sie anspielen, umgesetzt wurde, ist ja nicht das reine Konzept der blauen, systemgetriebenen Welt. Die Future Stores in Berlin gehen über dieses Konzept hinaus. Wir haben insbesondere mit der Filiale am Alexanderplatz aus einem Vollsortimenter und Nahversorger ein eher modisches, am Sportstyle orientiertes Geschäft gemacht, das sich an Touristen richtet. So haben wir beispielsweise in den neuen Filialen sehr viele digitale Elemente eingebaut. Nicht alles ist vom Kunden gleich gut angenommen worden. Aber das nehmen wir bewusst in Kauf, um die Dinge, die funktionieren, unseren Mitgliedern anbieten zu können.

sportFACHHANDEL: De facto heißt Ausprobieren dann ja aber auch, dass der Profit auf der Strecke bleibt ...

Knud Hansen: Ausprobieren mag an mancher Stelle bedeuten, dass eine Investition sich nicht auszahlt. Ja, das passiert.

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Problemkind Voswinkel: Eine Reihe von Filialen ist nicht rentabel. Es wird Schließungen geben.
© Intersport

sportFACHHANDEL: Zuletzt wurde immer deutlicher, dass auch bei den Genossen ein Riss durch die Mitte geht. Während sich die großen Intersport-Häuser in der Regel weiterhin von der Zentrale „abgeholt“ fühlten, wähnen sich vor allem kleinere Genossen vernachlässigt. Sehen Sie diese Entwicklung auch?

Knud Hansen: Nein. Ich sehe vor allem, dass wir als Intersport individueller auf die Mitglieder eingehen müssen. Es muss uns trotz der sehr heterogenen Mitgliederstruktur gelingen, jedes Mitglied abzuholen. Dabei darf ein kleineres Mitglied nicht weniger im Fokus sein als ein großes Mitglied. Die neue Struktur ist aus meiner Sicht hervorragend geeignet, genau das zu leisten.

sportFACHHANDEL: Rote, blaue und weiße Mitglieder sind Teil der Genossenschaft. Wie können so unterschiedliche Geschäftsmodelle auch in Zukunft innerhalb der Intersport erfolgreich nebeneinander bestehen?

Knud Hansen: Ich bin überzeugt davon, dass es rote, blaue und weiße Mitglieder innerhalb unserer Genossenschaft auch zukünftig geben wird. Es wird weiterhin Mitglieder geben, die nicht Intersport-gebrandet sein werden, weil sie einen eigenen starken Namen haben, der Strahlkraft in und über die Region hinaus hat. Ich bin aber auch überzeugt davon, dass es uns gelingen muss, möglichst viele unserer Mitglieder unter dem Intersport-Banner zu vereinen. Nur dann kann die Marke die Stärke entwickeln, die es uns allen ermöglicht, erfolgreich am Markt zu bestehen. Dazu müssen wir bei jedem Mitglied genau zuhören und mit Systemen und Konzepten überzeugen, mit uns diesen Weg zu gehen.

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sportFACHHANDEL: Wie kann das genossenschaftliche Modell auch in Zukunft bestehen?

Knud Hansen: Die Genossenschaft ist aktueller denn je. Die Genossenschaft bietet aus meiner Sicht eine perfekte Symbiose aus der Möglichkeit, aus einer starken Systemzentrale heraus Dinge zu entwickeln, die ein Einzelkämpfer allein nicht umzusetzen imstande wäre. Denken wir nur an CRM-Systeme, die Logistik oder ein nationales Marketing. Das in Kombination mit dem Local Hero, dem Unternehmer vor Ort, der seinen Markt vor Ort besser kennt als jeder andere, der auch Krisen meistert und leidensfähig ist, macht für mich den Charme der Genossenschaft aus. Dabei ist Genossenschaft kein Modell zur Rosinenpickerei. Sondern man muss sich zu einer Gemeinschaft bekennen, in der man sich auch engagieren muss und seine Expertise einbringt. Davon lebt Genossenschaft, auch in Zukunft.

sportFACHHANDEL: Herr Hansen, vielen Dank für das Gespräch.

Marcel Rotzoll

Rotzoll

Autor: Marcel Rotzoll

Stellv. Chefredakteur sportFACHHANDEL

Dieser Artikel ist aus der Ausgabe: sport-FACHHANDEL Nr. 11 / 2018