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Knirschen im europäischen Gebälk

  • Andreas Mayer
  • Dienstag | 02. Dezember 2014  |  08:27 Uhr
Fedas, der europäische Verband der Sporthändler, und Fesi, das Gegenstück auf Industrie-Seite, liegen im Clinch. Anlass ist die Aufnahme eines Händlers in den Herstellerverband. Bei dem Disput geht es aber um einiges mehr.
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Willkommen im Club: Mit Lew Kimble (rechts) von Foot Locker begrüßt Fesi-Präsident Luca Businario den ersten Händler in der Herstellervereinigung.

Text: Markus Huber

Die jüngste Generalversammlung der Fesi förderte eine kleine Überraschung zutage: Der Verband änderte seine Satzung, um auch Händlern die Möglichkeit zu geben, sich in der Industrie-Vereinigung zu engagieren. Zweck der Übung: Man wolle die gesamte Wertschöpfungskette des Geschäfts mit Sportartikeln ein Stück weit abdecken, um erfolgreich arbeiten zu können. Als neues Mitglied begrüßte die Fesi dann auch gleich ein prominentes Mitglied: Foot Locker Europe. Es kam aber noch besser: Dessen Geschäftsführer Lew Kimble wurde auch gleich kurzerhand in den Vorstand gewählt.

Das hat den Kollegen bei der Fedas offenbar gar nicht schmecken wollen. Man sei anscheinend von dieser Entscheidung im Vorfeld nicht informiert worden. Werner Haizmann, Sporthändler aus Stuttgart und Präsident der Fedas sowie der deutschen Händlervereinigung VDS, sagte kurzerhand ein lange angesetztes Treffen mit der Fesi-Führung, (Präsident Luca Businario und Generalsekretär Alberto Bichi) ab. An der Sitzung, die für Ende November in München geplant war, hätte auf Händlerseite auch Ernst Aichinger vom österreichischen Branchenverband VSSÖ teilnehmen sollen. In Österreich ist es übrigens eine normale Sache, dass in der Vereinigung Hersteller wie Händler gleichermaßen sitzen. Der VSSÖ ist entsprechend Mitglied in der Fedas und in der Fesi. Wie es heißt, haben sich die Händlervertreter daran gestoßen, dass diese Gespräche nicht mehr „auf gleicher Augenhöhe“ stattfinden, wenn die Fesi dazu übergeht, im Händlerrevier zu wildern.

Haizmann erklärte im Gespräch mit diesem Magazin, dass die Verbände weiter zusammenarbeiten werden auf den Gebieten, wo es Berührungspunkte gibt. „Wir werden uns auf der Ispo in München zusammensetzen“, so der Fedas-Präsident, „um die anstehenden Themen ausführlich zu besprechen.“

Tatsächlich sind derzeit in der Fedas nur nationale Händlerorganisationen angesiedelt, nicht aber einzelne Firmen. Heißt im Klartext: Ein Foot Locker müsste erst in einem nationalen Club Mitglied werden, um in der Fedas mitvertreten zu werden. Macht das für Global Player Sinn? „Uns gefällt die Situation so, wie wir sie momentan haben“, verrät der Präsident, dem dabei eines wichtig ist zu betonen: „Wir bleiben als Verband autark und sind nicht abhängig vom Gewicht einzelner Firmen.“ Im französischen Händlerverband, der nicht mehr Teil der Fedas ist, ist Décathlon mit Abstand größtes Mitglied (und damit auch bedeutendster Beitragszahler) …

Der Fesi ist gar nicht zum Lachen zumute. „Es kam wohl das Gefühl auf, wir würden uns jetzt als Konkurrenz zur Fedas profilieren. Das ist nicht der Fall“, erläutert Alberto Bichi. „Was wir brauchen, ist Glaubwürdigkeit und Kompetenz in der gesamten Kette. Dazu gehört auch der Input der Verbraucher. Und dafür sind Händler wichtig, um uns bei der Arbeit zu unterstützen.“

Hinter der Enttäuschung über das von der Fedas gestrichene Gespräch steckt ein beengter Zeitplan für das „Haus des Sports“, das in Brüssel entstehen soll: Hier hätte Bichi die Fedas gerne mit im Boot gehabt. Das Problem ist der enge Fahrplan für das Projekt. Es soll eigentlich spätestens Ende 2015 operativ sein. Das ambitionierte Programm ist insofern gefährdet, als sich die Fedas derzeit nur auf einen Termin auf der Ispo im Februar festlegt. Gesprächsbedarf gibt es also offenbar genug. Man muss sich nur zusammensetzen.

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Wenig Begeisterung für Sporthändler, die sich im Industrie-Verband Fesi engagieren: Fedas-Präsident Werner Haizmann. © Fotos: Fesi, VDS
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Autor: Andreas Mayer

Chefredakteur

Dieser Artikel ist aus der Ausgabe: sport-FACHHANDEL Nr. 21 / 2014