• sportFACHHANDEL – Das Insider-Magazin mit News · Fakten · Hintergründen

Kickz: „Zalando ist der perfekte Partner“

  • Nicolas Kellner
  • Mittwoch | 22. März 2017  |  10:02 Uhr
Mit der Übernahme des Münchener Sneakerfilialisten Kickz will sich Online-Riese Zalando Ball-Know-how und zusätzliche Lifestyle-Kompetenz ins Haus holen. Kickz setzt auf die Feuerkraft des börsennotierten Branchenriesen vor allem international, wie Gründer und Inhaber Christian Grosse im Exklusiv-Gespräch mit sportFACHHANDEL verrät.

Interview: Nicolas Kellner

sportFACHHANDEL: Herr Grosse, die Übernahme durch Zalando war eine echte Branchenüberraschung. Wie kam es zu dem Verkauf?

neuer_name
Kickz-Gründer Christian Grosse
© Kickz

Christian Grosse: Man überlegt sich, wie sieht meine Firma in fünf Jahren aus. Es entspricht sicher einem Trend, unter ein größeres Dach zu schlüpfen. Ja, ich glaube, es ist sogar das Gesetz der Stunde und wir waren mit Kickz.com sicher einer der Onlineshop-Pioniere. Um die großen Pläne zu verwirklichen, die ich habe, ist Zalando mit seiner Innovationskraft einfach der perfekte Partner.

sportFACHHANDEL: Aber Kickz.com sieht doch gut aus!

Christian Grosse: Auf jeden Fall! Zudem liefern wir Ware sofort und agieren schon alleine deswegen auf einem hohen Niveau. In fünf Jahren aber wird das bei der Dynamik der Entwicklung zwischen den Besten der Industrie und kleineren Spezialisten anders aussehen. Und zwar vor allem im Sinne von kundenindividueller Ansprache. Um in diesem Bereich top zu sein, müssen wir uns an die technischen Champions herantasten. Als Spezialist fehlt aber oft das entsprechende Know-how, das notwendig ist, um mit den Top-Playern mitzuhalten. Was wir jedoch können, ist zum einen, die richtigen Sortimente auszusuchen und zusammenzustellen und zu den Produktwelten spannende Geschichten zu erzählen. Wir haben zum Beispiel ein eigenes Basketball-Magazin und organisieren wichtige Turniere in Deutschland. Das hebt uns von unseren Mitplayern ab. Wir wollen jedoch in Zukunft internationaler werden und unsere Beziehungen dahingehend ausbauen. Nach Spanien beispielsweise: Dafür muss die Ware nicht nur verfügbar sein, sondern auch auf dem schnellsten Weg verschickt werden. Da geht es um Lagerkapazitäten und vieles mehr, um kostengünstig zu bleiben. Das können wir nicht und wir würden auf längere Sicht ein lokaler Player bleiben. Wir haben jedoch größere Ziele. Das Kickz-Konzept ist weltweit einmalig, selbst in den USA dürfte man kein so konkretes, mit Basketball- und Lifestyle-Elementen bestücktes Konzept finden. Mit dieser Kombination von Basketball-Lifestyle, Heritage Brands und Basketball-Funktion schließen wir eine einmalige Lücke.

sportFACHHANDEL: Sie hätten zur Verstärkung im Ausland sicher auch eine Venture-Finanzierung finden können?

Christian Grosse: Wenn wir das wirklich hinbekommen hätten wollen, wäre das auch mit Geld ein echter Kraftakt gewesen. Zudem wollen wir weiterhin ein Spezialist bleiben, da werden uns also immer die Skaleneffekte fehlen. Ich persön­lich möchte mit Kickz an der Front bleiben, alles was der Kunde sieht und spürt, interessiert mich und möchte ich nach vorne bringen. Die Logistik und die Technik dahinter müssen dabei jedoch ebenso passen, um ein einzigartiges Einkaufserlebnis zu schaffen. Deswegen war es aus unserer Sicht ein wichtiger Schritt, den Deal mit einem Online-Profi wie Zalando zu schließen.

sportFACHHANDEL: Jetzt steigt Zalando also mehrheitlich in die Kickz AG ein ...

Christian Grosse: Wir sind zu hundert Prozent gekauft worden, die Kartellbehörden in Deutschland und Österreich müssen aber natürlich noch zustimmen. Ich bin dann Geschäftsführer der neuen Kickz never not ballin’ GmbH und kann meine persönlichen Stärken besser ausspielen, wovon der Kunde auch etwas haben wird. Wir wollen zum besten Basketball-Store online und offline werden.

sportFACHHANDEL: Schon 1993 gab es in München-Schwabing den ersten stationären Kickz-Laden. Mittlerweile gibt es bundesweit 15 Geschäfte, die aber alle eng mit Kickz.com verknüpft sind ...

Christian Grosse: Ja, natürlich. Wir sind ja auch ein online-lastiger Händler, immerhin Zweidrittel unseres Umsatzes generieren wir über das Internet. Wir wollen das jetzt noch besser verzahnen. Ein Kickz-Store in zwei Jahren dürfte mit weniger Ware, mehr Erlebnis und virtuellen Komponenten ausgestattet sein.

sportFACHHANDEL: Bleibt der Laden in München Schwabing, wie er ist?

Christian Grosse: Es ist bis dato noch nicht spruchreif, was für Veränderungen es geben wird. Der Shop in der Feilitzschstraße ist ja sozusagen unser Aushängeschild. Als erster Kickz-Laden ist er inzwischen eine wichtige Anlaufstelle für Kunden, die auf der Suche nach besonderen Styles und Unikaten sind. Deswegen wird der Shop wohl auch eine Ikone für Kickz bleiben. Allerdings soll sich der Kunde in Zukunft auch interaktiv darüber informieren können, welche Ware noch im Shop verfügbar ist, zudem soll man leichter und schneller im Laden umtauschen können. Die beste Lösung wäre, wenn man online shoppen kann, jedoch trotzdem auch offline entsprechenden Service erhält und sich in den Läden mit echten Menschen unterhalten kann. Ein Laden muss natürlich auch finanziell tragbar bleiben und Umsatz generieren. Allerdings wollen wir genau dort künftig die Marke Kickz.com stärker befeuern. Zum Beispiel mit einem Produkt-Launch mindestens einmal im Monat oder Autogrammstunden mit Sportlern, Musikern bis hin zu NBA-Stars. Wir wollen noch mehr Interaktion, um die Leute zu begeistern. Klar geht es auch darum, dass der Kunde Ware kauft, die Shops werden in Zukunft jedoch nicht genau auf den Quadratmeterumsatz gemessen, sondern danach, wieviel Value sie für die Marke Kickz kreieren.

sportFACHHANDEL: Was passiert mit der Tochtermarke K1X?

Christian Grosse: K1X ist schon lange eine eigene Firma und deswegen auch nicht Teil des Verkaufs. K1X bleibt also unabhängig und gehört mehrheitlich weiterhin mir. Wir verkaufen unsere Produkte auch an Foot Locker, Intersport, Selfridges, Colette in Paris und hunderte andere Händler. Daran wird sich nichts ändern.

neuer_name
Basketball pur bei Kickz ...
© Kickz

sportFACHHANDEL: Wird Zalando in Kickz-Stores ziehen?

Christian Grosse: Nein, wir bleiben zu hundert Prozent Kickz, eine eigene Firma mit Standort in München und wir kaufen von hier aus auch weiterhin ein.

sportFACHHANDEL: Zalando will sich Kickz aber auch auf die Fahne schreiben ...

Christian Grosse: Ja richtig, daraus machen wir kein Geheimnis. Wir agieren natürlich auch für Zalando als Pure Player. Dafür profitieren wir wiederum von der internationalen Ausrichtung, die Zalando einschlägt. Außerdem werden wir uns aus München auf der Zalando-Website um den neuen Basketballbereich kümmern. Wir können künftig auch noch besser mit den Lieferanten zusammenarbeiten, davon haben letztendlich alle etwas. Wir erwarten durchaus einen enormen Umsatzschub.

sportFACHHANDEL: Also droht keine Verwässerung von Kickz?

Christian Grosse: Nein, im Gegenteil. Wie gesagt, wir als Kickz wollen in Sachen Basketball noch stärker werden. Wir sprechen hier von Themen rund um Basketball, Lifestyle und authentischen Marken wie zum Beispiel Stussy oder Champion zusammen mit coolen Newcomern, wie Kreem aus der Hip-Hop-Szene. Zudem müssen wir den Bereich Kundenservice und -beratung noch weiter ausbauen.

sportFACHHANDEL: Was bedeutet der Zalando-Kickz-Kauf für den Markt?

Christian Grosse: Grundsätzlich haben wir schon immer ganz neutral alles unterstützt, was das Thema Basketball und den Handel vorangebracht hat. In erster Linie geht es uns darum, dass der Sport und damit natürlich auch der Handel davon profitiert. So sollte auch in den Schulen Basketball als Breitensport noch stärker fokusiert werden. Ich bin davon überzeugt, dass der gesamte Sportfachhandel, auch Händler, die bislang Basketball nur stiefmütterlich behandelt haben, letztlich von dem Segment profitieren wird und sich damit auch im lokalen Umfeld Geld verdienen lässt.

Autor: Nicolas Kellner

Dieser Artikel ist aus der Ausgabe: sport-FACHHANDEL Nr. 05 / 2017