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Kartellamt segnet Signas Sport-Scheck-Deal ab

  • Marcel Rotzoll
  • Dienstag | 11. Februar 2020  |  13:05 Uhr
Interessanter als der Entscheid des Bundeskartellamts zur Übernahme von Sport Scheck durch Signa Retail ist die Begründung: Gemeinsam verfügten beide Unternehmen über einen Marktanteil von unter 15 Prozent.

Zweifel daran, dass das Bundeskartellamt der Übernahme von Sport Scheck durch Signa Retail nicht zustimmen könnte, hatte es im Vorfeld ohnehin nicht gegeben. Spannend ist aber die Begründung der Behörde: Andreas Mundt, Präsident des Bundeskartellamtes, kommentiert: „Durch die Übernahme entsteht der führende Anbieter im Sport-/Outdoor-Einzelhandel in Deutschland. Trotzdem ist das Vorhaben im Ergebnis wettbewerblich unbedenklich. Bundesweit liegen die gemeinsamen Marktanteile von Signa Retail und Sport Scheck in den relevanten Bereichen bei unter 15 Prozent. Selbst bei isolierter Betrachtung des rein stationären Handels kommen die Beteiligten in keiner Region auf über 30 Prozent Marktanteil. Das Online-Geschäft ist in diesem Bereich des Handels zudem sehr bedeutsam. Durch Online-Händler wie Amazon oder die Online-Shops der Hersteller wird ein wesentlicher Wettbewerbsdruck erzeugt.“

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Sport Scheck kann jetzt offiziell Teil des Signa-Konglomerats werden: Das Bundeskartellamt hat der Übernahme durch Signa Retail zugestimmt.
© Sport Scheck

Laut Bundeskartellamt würden die gemeinsamen Marktanteile „in den Bereichen Sport/Outdoor-Bekleidung, -Schuhe und -Ausrüstung“ von Signa Retail und Sport Scheck stationär und online bundesweit unter 15 Prozent liegen. Neben anderen Händlern „wie vor allem Décathlon und Amazon“ würden „auch die Sportfachhändler, die den Einkaufsgemeinschaften Intersport und Sport 2000 angeschlossen sind und in der Summe mit Sport- und Outdoor-Artikeln jeweils deutlich höhere Gesamtumsätze als Signa Retail erzielen“.

Die Zahlen des Bundeskartellamts sind deswegen interessant, weil sich die Marktabgrenzung für Sportartikel traditionell als schwierig erweist. Verlässliche Zahlen zu Marktanteilen oder Gesamtumsätzen der Sportartikelbranche gibt es daher nicht. Zuletzt zeigte beispielsweise die Intersport zur ISPO Zahlen des Consumer Panels der NPD Group (siehe Grafik). Als Consumer Panel geben diese Zahlen nicht die tatsächlichen Marktanteile wieder. Aber allein die Verteilung der Anteile der Big Player des Marktes und jene 48 Prozent, die im Panel als „andere“ angegeben werden, zeigen, wie schwierig die Abgrenzung des Marktes ist. Welche Zahlen das Bundeskartellamt zur Ermittlung der Marktanteile herangezogen hat, wird in der Mitteilung nicht erwähnt.

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Zählt man die Anteile der nun von Signa kontrollierten Unternehmen im Consumer Panel der NPD Group zusammen, kommt man auf jene "unter 15 Prozent", von denen das Bundeskartellamt spricht. Aber Vorsicht: Über tatsächliche Marktanteile sagt ein Consumer Panel logischer Weise nur wenig aus.

Marcel Rotzoll

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Autor: Marcel Rotzoll

Stellv. Chefredakteur sportFACHHANDEL