• sportFACHHANDEL – Das Insider-Magazin mit News · Fakten · Hintergründen

Karstadt stellt auch Sporthäuser zur Disposition

  • Mittwoch | 20. Mai 2015  |  11:53 Uhr
Es kommt, wie es kommen musste: René Benko zieht die Daumenschrauben an. Der Karstadt-Eigner hat den Mitarbeitern der Karstadt-Sporthäuser das Weihnachts- und Urlaubsgeld gestrichen, wie sportFACHHANDEL aus beteiligten Kreisen berichtet wird. Außerdem stünden sechs der Sporthäuser zur Disposition - offenbar droht die Schließung, ist weiter zu erfahren. Die Standorte sind noch offen.
neuer_name
Bald unter einem Dach mit Karstadt? Sportarena, das spezialisierte Format der Galeria Kaufhof.
© KAUFHOF

Filialleiter und Verkäufer sind stinksauer. "Wir werden schlecht gemacht und sollen unter Druck gesetzt werden". Derweil wird das Projekt „Fusion mit Kaufhof“ wieder reaktiviert.Letzte Woche meldete Karstadt, dass im kommenden, möglicherweise schon in diesem Jahr fünf Karstadt-Warenhäuser geschlossen würden (Recklinghausen, Rheydt, Neumünster, Dessau und Bottrop). Der Grund: Schwieriger Standort und schwindende Umsätze.

Hinter den Kulissen wird derweil heftig verhandelt. Verdi fordert seit langem individuelle Lösungen und Anpassungen je nach Standort und Wettbewerbslage für Waren- und Sporthäuser. Darin sehen auch Handelsexperten eine Lösung. Woolworth und Kaufhof in Deutschland, Manor in der Schweiz machen es erfolgreich vor. Verdi und Mitarbeiter fürchten jedoch einen Kahlschlag.

Dem Vernehmen wird noch hart um die 40-Stunden-Woche gefeilscht. Weil die Mitarbeiter nicht mitziehen, seien nun Urlaubs- und Weihnachtsgelder ausgesetzt worden. Das frustriert und demotiviert. „Man sollte besser in das Sortiment investieren und Mittel finden, die Käufer weiter anzuziehen", meint ein langjähriger Sportverkäufer. Insgesamt sei die Situation nicht so schlecht, wie sie aber leider schlecht geredet werde. Auf der Fläche sei man gut aufgestellt.

Das "German Kaufhaus" wird augenscheinlich auch bei Touristen immer beliebter. "Doch letztendlich geht es nur um die Immobilien, nicht um uns und nicht um die Kunden", beschwert sich ein anderer Verkäufer. Karstadt soll ausgequetscht werden. Das wäre schon bei Benko-Vorgänger Nicolas Berggruen so gelaufen. Immobilien-Jongleur Benko hatte Karstadt im letzten Jahr von Berggruen für einen Euro gekauft. 20 Karstadt-Immobilien reichte der junge Wiener Selfmade-Millionär Anfang des Jahres an den Diamantenhändler Beny Steinmetz weiter.

Inzwischen spekuliert der zum Karstadt-Geschäftsführer aufgestiegene vorherige Karstadt-Aufsichtsrat Stephan Fanderl öffentlich via Medien erneut über eine Verschmelzung mit Kaufhof. Laut Handelsblatt soll Kaufhof-Eigner Metro sogar ein formelles Übernahme-Angebot von Benko Retail, dem operativen Betreiber der Karstadt-Warenhäuser vorliegen.

Doch das sei völlig abwegig, meint ein Insider, die wollen uns doch gar nicht. Kaufhof gehe es gut, uns nicht, sagt der Kenner der Materie, warum sollten die uns nehmen. In der Tat hatte Galeria-Kaufhof im letzten Geschäftsjahr (per Ende September) ein leichtes Plus Plus von 0,5 Prozent (auf 3,1 Mrd. Euro Umsatz) hingelegt. Dabei erwies sich vor allem das Segment Sport als Umsatzbringer. Und die Online-Ableger Galeria.de und Sportarena.de sollen sogar zweistellige Umsatzzuwächse erzielt haben.

Darüber hinaus wurde bekannt, dass Metro für seine Kaufhof-Tochter mit dem (erfolgreichen!) kanadischen Warenhauskonzern Hudson´s Bay (330 Häuser in Kanada und in den USA, Umsatz zuletzt 8,1 Mrd. US-Dollar oder 7,4 Mrd. Euro.) in Verhandlung stehe. Allerdings nicht aus der Not heraus.

Weitere Artikel …

… mit den in diesem Artikel genannten Firmen und Personen liegen derzeit nicht vor.