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JD Sports kauft Berliner Händler Isico

  • Andreas Mayer
  • Freitag | 23. Mai 2014  |  09:35 Uhr
Willkommen im britischen Sektor!
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Eben noch Isico, jetzt JD Sports: Die Briten sind in Berlin gelandet und wollen noch in diesem Jahr zwei weitere Läden in Deutschland eröffnen.

Berlin. Der britische Schuh- und Sportswear-Filialist JD Sports (330 Shops in Großbritannien und Irland) übernimmt den Berliner Sneaker-Spezialisten Isico (10 Läden) und besinnt sich damit auf seine Schuh-Tradition. Die Geschäfte werden auf das JD-Format umgepolt.

Weiß-schwarzes Ambiente, ein paar TV-Screens und unterschwelliger Brit-Pop: Ganz klar, Isico ist britisch geworden. Im Zuge der Übernahme durch JD (der Kaufpreis wird nicht bekanntgegeben) wurde das CI der früheren American-Sports-Shops an den JD-Auftritt angepasst. Blitzschnell wurden die Isico-Läden umgestaltet. Bis zum Neustart unter englischer Führung am 19. April waren jedoch noch nicht alle Shops fertig. Doch die Strategie ist deutlich: Ein Auftritt und ein Stil, der sowohl in Großbritannien als auch auf dem europäischen Festland zu neuen Ufern führen sollen. Das Motto lautet: „King of Trainers“. Auch im mittlerweile ähnlichen Online-Auftritt beider Formate wird das Zusammenrücken mehr als deutlich.

West-Berliner Trendsetter

Isico war Ende der Achtziger Jahre in West-Berlin von den Basketballfans und Brüdern Marc und Vincent Isichei gegründet worden. Seinerzeit waren die Amerikaner noch in Berlin stationiert und es zeichnete sich längst eine Insider-Szene für American Sports in Berlin ab. So entwickelte sich Isico im ersten Geschäft am Tauentzien in Berlin zum Szene-Tipp für US-Marken im Textil- und Schuhbereich. Der Basketball-Boom befeuerte die Erfolgs-story der Gründer-Brüder noch und der kleine Isico-Laden im Europa-Center wurde Anlaufstelle für alle Trendsetter.

Die Shop-Zahl erhöhte sich später auf zehn, vier Isico-Ableger befinden sich mittlerweile in Hamburg (2) sowie in Frankfurt und Hannover. Noch in diesem Jahr sollen zwei neue Läden in Viernheim bei Mannheim und in Dortmund jedoch unter neuem Logo und mit gleichem CI eröffnet werden. Vincent Isichei führt nach dem Verkauf an JD als Managing Director Isico zunächst als selbstständige Division weiter.

Mit Outdoor verschluckt

JD Sports (1981 in Bury im Nordwesten Englands gegründet) hat sich nach eigenen Angaben zum größten Sportmode- und Sneaker-Konzern in Großbritannien entwickelt. Im Geschäftsjahr 2013/2014 (per Ende Februar) stieg der Umsatz um 5,7% auf 1,3 Mrd. GBP (1,6 Mrd. EUR). Der Filialist setzt stark auf Marken (neben New Balance natürlich auch Nike und Adidas mit Sondermodellen ähnlich wie bei Foot Locker), bietet aber auch zahlreiche Eigenmarken an wie Mckenzie, Carbrini und The Duffer of St George.

Seit 2012 will der Konzern nun auch Festland-Europa erobern und eröffnete erstmals 13 Läden in Frankreich und sechs in Spanien. Im vergangenen Jahr folgten 15 Sportshops in den Niederlanden. Mit der Isico-Übernahme und dem Start mit neuem Logo erfolgt nun auch der Markteintritt in Deutschland. Der Ausflug ins Outdoor-Business mit der Kette Blacks Leisure vor zwei Jahren war JD jedoch nicht so gut bekommen. Allerdings ging es JD zu dem Zeitpunkt auch mehr um Marktbereinigung im eigenen Land. Die Übernahme von Blacks Leisure bescherte JD zunächst operative Verluste in zweistelliger Millionenhöhe. Fast die Hälfte der knapp 300 Läden unter Black-Leisure-Flagge mussten geschlossen, viele andere umgebaut werden.

Noch sind die Investitionen in die Läden auch noch nicht abgeschlossen. JD-Chairman Peter Cowgill zeigt sich aktuell jedoch zuversichtlich, dass in der Outdoor-Sparte wieder mit „weiteren Fortschritten im laufenden Geschäftsjahr“ gerechnet werden kann.

Die Konzentration auf das Kerngeschäft Schuhe trägt insgesamt Früchte. Das soll auch mit der Ausrichtung und Konzentration auf Trend-Sneakers am deutschen Markt unterstrichen werden. In den ehemaligen Isico-Shops jedenfalls ist das Textil-Segment deutlich und sichtbar zurückgefahren worden. npk

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Einen besonders prominenten Auftritt genießt bei Isico die US-Marke New Balance.
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Autor: Andreas Mayer

Chefredakteur

Dieser Artikel ist aus der Ausgabe: sport-FACHHANDEL Nr. 10-11 / 2014