Dienstag | 29. Mai 2018  |  10:48 Uhr

Intersport & Signa: Feind im eigenen Bett?

Nach der Ankündigung einer strategischen Partnerschaft zwischen Intersport und der Signa Sports Group hegen Experten kartellrechtliche Bedenken. Und auch Intersport-Händler befürchten, dass man sich unter Umständen einen Feind ins eigene Bett geholt hat ..

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Noch dürften die Orderhallen des redblue für Signa uninteressant sein. Für Signa geht es um die finanziellen Vorteile der Zentralregulierung und auf dem Beschaffungsmarkt.
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Anfang des Jahres gaben Intersport und die Signa Sports Group bekannt, dass man künftig die Interessen „auf dem deutschen und auch internationalen Beschaffungsmarkt“ bündeln werde. Zugleich sollte ab Mitte Januar Karstadt Sports in die Zentralregulierung der Intersport aufgenommen werden. Weitere Signa-Unternehmen sollen folgen. Mehr als diese wenigen Informationen gibt es seither nicht. Nicht darüber, wann die zu Signa gehörenden Internetstores, Outfitter oder seit jüngstem Stylefile in die Zentralregulierung aufgenommen werden. Auch nicht darüber, ob es noch weitere Pläne im Rahmen der strategischen Partnerschaft gibt.

Signa, so viel ist sicher, ist in den vergangenen Jahren einer der umtriebigsten Akteure der Sportbranche. Im Herbst 2013 verleibte man sich zunächst Karstadt Sports und darauf sukzessive alle Karstadt-Teile ein. Nach einiger Zeit der Reorganisation schaltete Signa auf Angriff. Den Start markierte dabei im April 2016 die Mehrheitsbeteiligung an Outfitter. Im November desselben Jahres wurde Internetstores mehrheitlich erworben, drei Monate später auch die Mehrheit an Tennis-Point – die Signa Sports Group war geboren, unter deren Dach die Sportartikel-Händler vereint sind. Im Februar dieses Jahres folgt die Übernahme von Stylefile. Zum Unternehmen gehört neben dem Onlineshop für Sneaker und sportive Fashion auch der Outdoor-Onlineshop Big Tree. Ziel der Übernahmen: Man wolle eine der „führenden Omni Channel Sports Gruppen in Europa“ werden.

So könne man für die einzelnen Unternehmen der Gruppe Synergien in der Beschaffung heben und die „hochinteressanten Chancen in der Standardisierung von IT-Systemen und logistischen Prozessen“ sowie der Internationalisierung“ nutzen. Gleichzeitig wolle man die Point of Sales der Online- und der Offline-Welt weiter miteinander verzahnen. Beispiel dafür: Im Oktober des vergangenen Jahres eröffnet Outfitter in Frankfurt in der Großen Eschenheimer Straße auf 510 Quadratmetern einen Fußball-Concept Store. Ebenso würden innerhalb der Gruppe „Shop-in-Shop Lösungen der Online-Brands auf den bestehenden Flächen von Karstadt Sports“ diskutiert.

Die letzte Signa-Nachricht, die aufhorchen ließ stammt aus dem Februar. Es kamen Gerüchte auf, wonach Signa die Signa Sports Group an die Börse bringen möchte. Die Rede ist von einer Bewertung von über einer Milliarde Euro.

Aber was heißt es, wenn nun zunächst Karstadt Sports und später weitere Unternehmen der Gruppe in die Zentralregulierung der Intersport aufgenommen werden? Der große Vorteil einer Zentralregulierung liegt darin begründet, dass die zentral regulierten Lieferanten ihre Rechnungen pünktlich überwiesen bekommen, und zwar von genau einem und nicht von vielen Rechnungsempfängern. Dafür verlangen Verbundgruppen zunächst einmal eine Delkredere-Gebühr. Diese liegt dem Vernehmen nach zwischen vier und fünf Prozent. Zusätzlich werden in der Regel Bonusverträge für das Erreichen bestimmter Umsatzschwellen ausgehandelt und natürlich bei gemeinsamen Aktionen Werbekostenzuschüsse vereinbart.

Hier kann die Intersport auf den ersten Blick profitieren. Signa plante mit den insgesamt „45 stationären Standorten in der DACH-Region und mit 58 Webshops in 17 verschiedenen Ländern“ für 2017 mit einem Umsatz von rund 650 Millionen Euro. Ungefähr die Hälfte davon dürfte also irgendwann von der Intersport zentralreguliert werden. Mitglieder von Verbundgruppen erhalten normalerweise nicht nur eine Gewinnrückvergütung ihrer Zentrale, sondern auch eine Rückvergütung auf zentralregulierte Umsätze. Auch Lagerboni für Ware, die aus verbundgruppeneigenen Lagern gezogen wird, werden häufig ausgeschüttet. Im Falle der Intersport ist die Gewinnrückvergütung den Genossen vorbehalten. Die Rückvergütung auf die zentralregulierten Umsätze dürften aber auch an die Signa Sports Group ausgeschüttet werden. Ob es für Signa einen Lagerbonus gibt, hängt davon ab, ob Waren aus Intersport-Lagern bezogen und wie die strategische Partnerschaft letztlich ausgestaltet wird.

Der Intersport-Vorstandvorsitzende Kim Roether bezeichnete die Partnerschaft als „starkes Signal für den inhabergeführten Sportfachhandel“. Unter Händlern ist jedoch umstritten, ob man langfrstig damit nicht einen Wettbewerber unnötig stärker macht – und dann auch noch einen, der mit seinem starken und teils aggressiven Onlinegeschäft dazu beiträgt, dass der stationäre Handel jetzt und in Zukunft vor Problemen steht.

Auf Industrieseite trieben nach Ankündigung der Partnerschaft insbesondere die Delkredere-Gebühr sowie die Bonusverträge manch einem Industrie-Boss die Sorgenfalten auf die Stirn. Natürlich gibt es auch mit Karstadt Sports und den anderen Signa-Unternehmen Verträge, aber eben nicht in diesen Dimensionen. Für die Industrie-Bosse hieß das, dass die Wahrscheinlichkeit groß ist, auf die Signa-Umsätze zukünftig einen extra Obolus entrichten zu müssen. Gleiches gilt für etwaige Skonto-Regelungen. Manche Lieferanten haben zudem vor allem mit Karstadt Sports Depotverträge geschlossen. Das bedeutet, dass gelieferte Ware solange im Besitz des Lieferanten verbleibt, bis sie vom Händler abverkauft wurde. Wird die Intersport, so die bange Frage, zukünftig vielleicht auch verstärkt auf Depotverträge setzen wollen? Die wichtigste, weil folgenschwerste Frage der Industrie ist aber die nach so bezeichneten Hochzeitsrabatten. Werden nun Intersport und Signa ihre Marktmacht ausspielen und einseitige Rabattforderungen stellen oder sogar einen rückwirkenden Konditionenabgleich vornehmen? Zumindest die letzten beiden Sorgen dürften immerhin unberechtigt sein, da hier der Gesetzgeber sehr hohe kartellrechtliche Hürden aufgebaut hat.

Ist nun also mit der Signa Sports Group ein Feind der Intersport-Genossen im eigenen Bett gelandet? Unzweifelhaft wird die Signa Sports Group die finanziellen Vorteile der Partnerschaft einsetzen, um das eigene Business zu stärken – und im Zweifel andere Wettbewerber in einem stagnierenden Markt zu schwächen. Ob dazu auch für die Mitglieder der Intersport-Familie gehören, muss die Ausgestaltung der Partnerschaft zeigen. <<<

Marcel Rotzoll

Rotzoll

Autor: Marcel Rotzoll

Stellv. Chefredakteur sportFACHHANDEL

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Mag. Germanistik & Philosophie (Universität Düsseldorf) +++ zuvor Verantw. Redakteuer Sport-Fachhandel (markt intern Verlagsgruppe), Redakteur Augenoptik/Optometrie & Pharmazie (markt intern Verlagsgruppe) +++ Persönliche Interessen: Wandern, Fußball +++ Mein liebster Sportplatz: Derzeit die Wanderwege rund um das Ahrtal +++ Da geht mir das Herz auf: Beim Torjubel der Südtribüne im Westfalenstadion

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Dieser Artikel ist aus der Ausgabe: sport-FACHHANDEL Nr. 06 / 2018