• sportFACHHANDEL – Das Insider-Magazin mit News · Fakten · Hintergründen

Intersport macht Ebay-Shop dicht

  • Marcel Rotzoll
  • Dienstag | 02. April 2019  |  11:47 Uhr
Noch Ende März wurden über den Ebay-Shop der Intersport Digital GmbH über 1.500 Artikel zum Verkauf angeboten. sportFACHHANDEL deckte dies auf – die Intersport reagiert.
neuer_name
Shop mit Ware: Noch Ende März hatte die Intersport über den eigenen Ebay-Shop diverse Marken- und Eigenmarkenartikel angeboten.
© Screenshot Ebay (19.3.2019)

Laut Ebay ist die Intersport Digital GmbH, eine 100-prozentige Tochter der Intersport, bereits seit dem 11. Juli 2017 Mitglied. Verkauft wurde über die Plattform bereits eine Woche später. Es wurden allein in den vergangenen zwölf Monaten knapp 11.000 Bewertungen für den Anbieter Intersport abgegeben. Noch bis Ende März wurden über den Online-Marktplatz 1.513 Artikel angeboten. Die Marken-Palette reichte von Adidas, Reebok, Asics, New Balance und Puma über The North Face, Schöffel, Salomon bis hin zu Meindl. Die Eigenmarken McKinley, Pro Touch oder Energetics durften natürlich auch nicht fehlen. Viele der Artikel wurden mit hohen Rabatten angeboten, andere hingegen zur UVP.

sportFACHHANDEL deckte auf

sportFACHHANDEL hatte das Thema im aktuellen Heft unter der Überschrift „Tabubruch: Intersport verkauft auf Ebay!“ aufgegriffen und darauf hingewiesen, dass noch vor nicht allzu langer Zeit Stürme der Entrüstung über jene Lieferanten hinwegzogen, die es wagten, selbst auf Ebay zu verkaufen. Das Hauptargument des Handels war dabei stets: Egal ob es sich um Restanten handelt oder nicht, jeder Euro, der auf Ebay ausgegeben wird, fehlt dem Handel in der Kasse. Ein Argument, dass heute letztlich noch genauso zutrifft, aber ausgerechnet für den größten Händlerverbund Europas nicht mehr zu gelten schien?

Vielleicht doch – denn die Intersport hat den Ebay-Shop nun geschlossen. Zwar ist die Intersport Digital GmbH nach wie vor als Verkäufer gemeldet, Produkte jedoch werden im eigenen Ebay-Shop nicht mehr angeboten, vielmehr sei „der Testlauf beendet“.

neuer_name
Shop ohne Ware: Die Startseite des Intersport Ebay-Shop gibt es zwar noch, allerdings wurden mittlerweile alle angebotenen Artikel aus dem Shop entfernt.
© Screenshot Ebay (2.4.2019)

Kanal für Altwaren

„Wir haben uns damals viele Gedanken darüber gemacht, wie und welche Drittplattformen wir nutzen können. Das geschah vor dem Hintergrund, Altwarenprobleme zu lösen, insbesondere für unsere Mitglieder“, kommentiert der Chief Digital Officer der Intersport Carsten Schmitz. „Unser Antrieb beim Verkauf über Ebay war es, einen Kanal zu schaffen, über den unsere Mitglieder ihre Altwaren verkaufen können.“ Wie vermutet handelte es sich bei den angebotenen Artikeln „weitestgehend um Rest- und Altware der damaligen IMG“. Die Intersport Multichannel GmbH (IMG) war im Januar 2017 in der Intersport Digital GmbH aufgegangen. Damals hatte die IMG für den Betrieb des Intersport-Onlineshops selbst Ware beschafft.

E-Commerce-Lager in Berlin

Die auf Ebay eingestellten Produkte stammten also, so Carsten Schmitz, „in der Regel von vor 2017“. Zusätzlich habe es aber auch Artikel gegeben, die in den vergangenen Jahren zum Aufbau der kooperativen Händlerplattform benötigt wurden. Das Hinzukaufen von Artikeln während der Aufbauphase der kooperativen Händlerplattform sei nötig gewesen, um online ein „umfassendes Angebot bereitzustellen oder Kampagnen beispielsweise mit Industriepartnern zu fahren“. Um die damals hinzugekaufte Ware schnell ausliefern zu können, hatte die Intersport eigens ein E-Commerce-Lager in Berlin angemietet. Carsten Schmitz erläutert: „Wir hatten damit gerechnet, dieses Lager ungefähr drei Jahre betreiben zu müssen, bevor die Warenversorgung für die kooperative Händlerplattform allein über die Mitglieder möglich ist. Wir konnten bereits nach nur einem Jahr das Lager wieder schließen. Zum 31.12.2018 wurde das Lager aufgelöst, seitdem verkaufen wir über die kooperative Händlerplattform ausschließlich aus den Beständen unserer Händler. Und nur Restbestände, die aus diesem Lager übriggeblieben sind, wurden über Ebay vermarktet.“ Dabei habe es sich vor allem um Einzelgrößen gehandelt.

neuer_name
Carsten Schmitz verantwortet als Chief Digital Officer die Online-Aktivitäten der Intersport.
© Intersport

Mitglieder sollten eingebunden werden

Carsten Schmitz stellt klar: „Mit Ausnahme der Ebay-Wow-Angebote hat die Intersport Digital GmbH nie Ware für den Verkauf über Ebay erworben. Die Artikel für die Ebay-Wow-Angebote kamen aus dem Restposten-Lager der Intersport.“ Zudem habe das Modell eines Verkaufs über Ebay vorgesehen, „dass alle Umsätze, sofern sie ertragreich sind, an die Mitglieder ausgeschüttet werden“. Tatsächlich aber seien die Umsätze über Ebay bis zuletzt im Testlauf zu keinem Zeitpunkt ertragreich gewesen. „Vielmehr hat der erwirtschaftete Umsatz nur die Kosten gedeckt.“

Generell, so Schmitz weiter, sei Ebay ein Kanal, der für die Mitglieder interessant sein könne: „Wir werden deshalb mit Ebay gemeinsam nach Lösungen suchen, wie auch alle Mitglieder von Ebay-Angeboten wie beispielsweise Click & Collect oder der Abbildung von einzelnen Sortimenten unserer kooperativen Händlerplattform profitieren können. Mit der Umstellung des Bestellvorgangs zum Jahreswechsel ist eine Einbindung von Bestellungen, die über Ebay generiert werden, bei uns theoretisch möglich.“ Denn seit dem Jahreswechsel ist die Intersport Digital GmbH der Vertragspartner bei Bestellungen. Die Bestellung wird anschließend nach bestimmten Kriterien einem Händler zugewiesen. Die Kriterien sind beispielsweise, ob ein Händler den gesamten Warenkorb liefern, ob er regional dem Kunden zugeordnet werden kann oder auch, ob er einen so bezeichneten Quality Score erreicht.

Anfragen von sportFACHHANDEL bei diversen Händlern hatten zunächst den Eindruck erweckt, dass diese überhaupt nichts von dem Ebay-Shop wussten. Dem will Carsten Schmitz entschieden entgegentreten. „Wir haben“, betont er, „unsere Mitglieder im Vorfeld umfassend über den Verkauf auf Ebay informiert, beispielsweise bei Händlertreffen, in unseren internen Medien, aber auch auf unseren Händlerdialogen zu den Ordermessen oder der damaligen digitalen Roadshow.“

Marcel Rotzoll

Rotzoll

Autor: Marcel Rotzoll

Stellv. Chefredakteur sportFACHHANDEL