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Fotografie und Follower: Wie Instagram die Outdoormode verändert

  • Freitag | 31. Januar 2020  |  12:06 Uhr
Die Sozialen Medien haben nicht nur die Art und Weise verändert, wie fotografiert wird – sie beeinflussen mittlerweile die Mode selbst! Auch im Outdoorbereich orientieren sich Hersteller und Händler von der Produktentwicklung bis hin zur Produktpräsentation an den Trends auf Instagram & Co.

Vor fünf Jahren formierte sich in Deutschland eine Gruppe Gleichgesinnter, die einfach Spaß und Freude an der Outdoorfotografie hatten: ein heute sehr erfolgreiches Kollektiv, die German Roamers. Johannes Höhn ist einer der maßgeblichen Gründer der Gruppe und bis heute dabei. Seine Intention war es damals, zu beweisen, dass es nicht unbedingt notwendig ist, nach Kanada und Neuseeland zu reisen, um schöne Natur zu erleben. Er möchte mit seinen Fotos zeigen, dass es auch vor unserer Haustüre außergewöhnliche Plätze gibt. Dafür wählen die German Roamers meist Motive mit endloser Weite in einem dramatischen Licht. Heute zählt die Gruppe auf Instagram ganze 366.000 Follower und erreicht mit durchschnittlich bis zu 20.000 Likes pro Post Fans auf der ganzen Welt. In den Feedbacks der Follower hört Höhn immer wieder, „wie sehr die Bilder der German Roamers dazu inspirieren, in die Natur zu gehen, diese Plätze zu besuchen, die Natur zu erleben, oder selbst schöne Fotos zu machen.“

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Die typische Outdoorfotografie der German Roamers zeigt dramatische Natur in endloser Weite. Oft mit Menschen als Größenvergleich in einer gelben Jacke.
© German Roamers

Die German Roamers haben die Bildsprache der Outdoorfotografie maßgeblich beeinflusst: Wenn Menschen auf den Bildern der German Roamers vorkommen, dann meist als Größenvergleich zur Natur. Um sie dann im Bild zu finden und sie sichtbar zu machen, brauchen sie Bekleidung, die hervorsticht, und das ist oft ein gelber Mantel oder eine gelbe Jacke. Dabei ist Gelb ist für Deutsche eigentlich eine eher ungewöhnliche Fashion-Farbe. Viele Menschen behaupten, die Farbe würde ihnen nicht stehen. Und auch bei den Designern von Outdoormode gehörte Gelb bis jetzt eher nicht zur favorisierten Farbpallette.

Seit September 2019 gibt es im Sortiment bei Adidas Terrex nun aber die „Myshelter“ – eine gelbe Regenjacke, für die Johannes Höhn die Produktbilder fotografiert hat. „Es hat sich also mehr als Zufall ergeben, dass die gelbe Jacke zum Must-Have in der Outdoormode geworden ist. Die Farbe ist eine gute Komplementärfarbe zu der Natur. Und dieser Trend hat sich inzwischen verselbständigt.“ Adidas Terrex hat mit den German Roamers eine mehrjährige Kooperation für die Umsetzung ausgewählter Produktthemen gestartet. Im Fokus steht dabei vor allem die Aktivierung über Instagram. Auch bei Adidas möchte man Menschen dazu inspirieren, den Weg aus der Stadt nach draußen zu finden. „Urban Outdoor“ heißt das Schlagwort. Und über Instagram will Adidas genau diese Zielgruppe Outdoor-interessierter Menschen, die auch großen Wert auf Style legen und die sich bisher von der klassischen Werbung nicht wirklich angesprochen fühlten, erreichen. „Die Branche für Outdoor-Bekleidung litt lange unter dem Ruf, langweilig und altmodisch zu sein“, weiß Tim Janaway, General Manager von Adidas Outdoor.

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Zur Markteinführung des Free Hikers entstanden in Kooperation mit Adidas Terrex und den German Roamers Fotos, die nicht viel mit herkömmlicher Produktfotografie zu tun haben.
© Adidas Terrex

Bei Evoc arbeitet man nicht mit Influencern, sondern mit Markenbotschaftern. „In den Kategorien Snow, Bike und Photo besteht das Team aus professionellen Athletinnen, Athleten und Fotografen, welche die Firmenphilosophie zu 100 Prozent leben und vertreten“, erklärt Dani Odesser. Das Feedback dieser Botschafter und Botschafterinnen fließe auch in den Designprozess und in die Produktentwicklung ein. Manche Produkte würden sogar erst aufgrund ihrer speziellen Bedürfnisse entwickelt. „Je bekannter die Markenbotschafter sind, desto mehr hilft auch ihre Präsenz und Reichweite in den Sozialen Medien“, weiß die erfahrene PR-Frau. „Fans und Käufer verfolgen sehr genau, welche Produkte sie verwenden.“

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Diese neue, attraktive Zielgruppe möchte auch das traditionsreiche Sporthaus Schuster in München mit einer gesondert gestalteten Verkaufsfläche ansprechen. Hier wird das Thema mit „Urban Outdoor Kultur“ benannt. Erstmalig gab es im Sommerkatalog 2018 einen extra Teil über 20 Seiten, der sich im Layout vom Hauptkatalog unterschied. In der urbanen Outdoor Kultur wird der modisch interessierte Outdoor-Kunde mit einem Gesamtkonzept abgeholt. „Es werden auf der Fläche Geschichten in und rund um München erzählt, die den Spagat zwischen den Bergen vor der Haustür und dem urbanen Umfeld der Stadt schaffen,“ erklärt Helmut Buchheimer, Einkaufsleiter bei Sport Schuster. Das Sortiment umfasst dabei Textil, Accessoires, Rucksäcke bis hin zu Schuhen. „Wir kuratieren nach Outfits, Lieblingsteilen, schöne Sachen wie Kochbücher, stylishem Kochgeschirr, der gute Kaffee von der „hippen“ Kaffeerösterei um die Ecke, und wollen damit den Kunden überraschen“, so Buchheimer. „Und es werden auch kleine und feine Marken integriert – aber nur Labels auf die Fläche genommen, die ihren Ursprung im Berg- und Outdoorsport haben.“

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Das Sporthaus Schuster in München setzt die Urban Outdoor Kultur mit einer eigenen Verkaufsfläche sowie mit separaten Seiten im Katalog um.
© Sporthaus Schuster

Auch auf der Fläche des traditionsreichen Hauses werden Artikel mit einem deutlich höheren Modegrad angeboten, durch die Bildsprache wird die Fläche zusätzlich emotionalisiert. Anfangs zeigte sich der eine oder andere „Schuster-Kunde“ zwar irritiert, wie Buchheimer erzählt, „die meisten reagieren aber sehr positiv auf das Sortiment und die Flächenumsetzung. Viele unserer Besucher wissen zum Beispiel gar nicht, dass es von Fjällräven, Patagonia oder Arc‘teryx auch so schöne Alltagsbekleidung gibt. Die Fläche spiegelt einen schönen Markenmix mit funktioneller Bekleidung wider, mit der man supermodisch angezogen ist, also damit ins Businessmeeting kann, aber trotzdem so funktionell ist, dass man mit dem Rad in die Arbeit fahren kann, ohne auszusehen wie ein in Vollfunktion gekleideter Radler. Dadurch kommt jetzt zusätzlich auch ein anderes Kundenklientel in das Geschäft, jünger und Lifestyle orientierter.“

Alexandra Dietl

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