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Fahrradzahlen aus Österreich: Absatz stabil, Preis steigt

  • Marcel Rotzoll
  • Dienstag | 26. Mai 2020  |  11:40 Uhr
Österreich ist Fahrrad-Land. Während sich der Gesamtabsatz an Fahrrädern in Österreich bei über 400.000 Stück einpendelt, führt der anhaltende E-Bike Boom zu steigenden Preisen.
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Fahrrad-Land Österreich: Die Bike-Verkäufe haben sich bei circa 400.000 Stück pro Jahr eingependelt. Mit einem E-Bike-Marktanteil von 38,9 Prozent gehört Österreich dabei zu den europäischen Spitzenreitern.
© Vaude

Nach Zahlen der im Verband der Sportartikelerzeuger und Sportausrüster Österreichs (VSSÖ) organisierten ARGE Fahrrad haben sich die Verkaufszahlen bei Fahrrädern auf einem hohen Niveau eingependelt. Demnach sei der Absatz im Jahr 2019 im Vergleich zum Vorjahr um 4 Prozent auf 439.000 Stück gesunken. Dabei sei, so die ARGE Fahrrad „eine Marktsättigung und Seitwärtsbewegung erkennbar“. Kunden greifen demnach vermehrt zu hochwertigen Materialien und höherpreisigen Produkten mit umfassender Ausstattung. Das führt dazu, dass trotz leicht gesunkenem Absatz die Durchschnittspreise und damit auch der Gesamtumsatz deutlich stiegen. So sei der Durchschnittspreis insgesamt um über ein Viertel auf 1.585 Euro gestiegen. Der Umsatz mit Fahrrädern steigt dadurch auf 700 Millionen Euro (+20 Prozent) und beträgt erstmals über 25 Prozent des Gesamtumsatzes der österreichischen Sportartikelbranche (2,77 Millionen EUR).

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Stabiler Absatz: Der Gesamtabsatz an Fahrrädern überschritt in Österreich auch 2019 wieder die 400.000-Marke. E-Bikes boomen unverändert.
© ARGE Fahrrad, Intersport und Sport 2000/Hochrechnung VSSÖ, 2019

Verantwortlich für den anhaltenden Fahrradboom bleibt auch 2019 das E-Bike. Während der Durchschnittspreis hier „nur“ um 4 Prozent auf 2.809 Euro stieg, wurden mit 170.000 Stück 6 Prozent mehr E-Bikes als 2018 verkauft. Damit stehen E-Bike bereits für einen Marktanteil von 39 Prozent und sind aufgrund des höheren Verkaufspreises für 69 Prozent des Gesamtumsatzes mit Fahrrädern verantwortlich. Nach wie vor rechnet die ARGE Fahrrad damit, dass die Entwicklung auch in Zukunft weitergehen wird. „Unserer Einschätzung nach ist in den nächsten Jahren ein Anteil von 50% der Pedelecs am österreichischen Gesamtfahrradmarkt durchaus vorstellbar – nicht zuletzt wegen des Vorsteuerabzugs für Unternehmen“, ist Gernot Kellermayr, Präsident des VSSÖ, überzeugt.

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Kunden legten mehr Wert auf Qualität, Beratung und Service. So interpretiert die ARGE Fahrrad die steigenden Durchschnittspreise für Fahrräder in Österreich.
© VSSÖ/ARGE Fahrrad

Aufgrund der hohen Nachfrage nach E-Bikes sank der Verkauf von regulären, nicht elektrischen Fahrrädern von 2018 auf 2019 um 18 Prozent (2019: 196.224 Stück). Bei Kinder- und Jugendfährrädern wächst dieser Markt hingegen: 2019 wurden 71.997 (nicht motorbetriebene) Kinder- und Jugendfahrräder verkauft, was einem Zuwachs von 5,5 Prozent entspricht.

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Noch liegen die regulären Fahrräder in der Verkaufscharts vorn. Perspektivisch jedoch werden die E-Bikes in Österreich einen Marktanteil von 50 Prozent erreichen, ist der VSSÖ überzeugt.
© VSSÖ/ARGE Fahrrad

Für 2020 sagt die ARGE Fahrrad aufgrund der Corona-Krise jedoch einen massiven Einbruch voraus. Üblicherweise würden vor Ostern etwa 50 Prozent aller Fahrräder verkauft. „Fahrradkäufe zu Ostern sind Anlasskäufe und werden nicht im Mai oder Juni nachgeholt. Das werden wir trotz des Ansturms auf einige wenige Geschäfte nicht mehr aufholen können“, meint Michael Nendwich, Geschäftsführer des VSSÖ. Aufgrund der positiven Verkaufszahlen der letzten Jahre seien die Lagerbestände sehr hoch und mit teilweise bis zu 30 Prozent höheren Lagerkosten verbunden. Die Branche rechne demnach mit Umsatzeinbußen von bis zu 50 Prozent im Sommer und bis zu 30 Prozent im Winter. „Am stärksten durch die Corona-Krise betroffen sind die Fachgeschäfte, viele kämpfen ums Überleben. Um die Zukunft der österreichischen Mobilität gesund und nachhaltig zu gestalten, braucht es jedoch mehr Fahrradgeschäfte und nicht weniger“, so Nendwich.

Marcel Rotzoll

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Autor: Marcel Rotzoll

Stellv. Chefredakteur sportFACHHANDEL