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Eybl steht vor dem endgültigen Aus

  • Andreas Mayer
  • Freitag | 23. Mai 2014  |  09:35 Uhr
Wels/Shirebrook. Mit dem Rückzug der Gründerfamilie Eybl solle auch der Name verschwinden, sagt Mike Weccardt, CEO der Sport Eybl & Sports Experts AG (EAG).
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Die Filiale im Premium- Einkaufszentrum Plus City Linz soll als erste nach dem SDI-Design ausgerichtet werden.

Demnach werde nicht nur die Discounterschiene Sports Experts, sondern auch die Premiumschiene Sport Eybl bald unter der Brand des neuen Alleineigentümers Sports Direct International (SDI) laufen.

Wie Weccardt mitteilt, werden in einer ersten Welle bereits Filialen beider Handelsformate auf das SDI-Design getrimmt. Mehr könne er nicht sagen, denn selbst ihm seien keine neuen Informationen bezüglich marken-, standort- und sortimentsstrategischer Entscheidungen aus England bekannt. Nach der kürzlich erfolgten Übernahme des Traditionsunternehmens durch SDI (SFH-Ausgabe 08.09/2014, S. 14) ist Weccardt außerdem mit der Bildung eines neuen Aufsichtsrats beschäftigt. Dessen Bekanntgabe hätte bereits erfolgen sollen, habe sich jedoch verzögert.

Die restriktive Kommunikationspolitik regt Spekulationen an. Schließlich haben die Briten mit der EAG keinen geringeren als den österreichischen Marktführer übernommen. Vor der Übernahme hatte die EAG einen Umsatz von 323,8 Mio. EUR (per 31. August 2013) und ein Marktvolumen von 25%. Von der Einführung des SDI-Formats sind 53 Filialen betroffen, davon drei in Deutschland (Regensburg, Erding, Passau).

Jetzt wird umgebaut

Ein Lokalblatt berichtet, dass im ersten Schritt eine Sport-Eybl- und sieben Sports-Experts-Filialen umgebrandet werden sollen. Die restlichen 45 Standorte – 42 davon in Österreich – sollen in Kürze folgen. Lieferanten berichten, dass die Umbauarbeiten in der Eybl-Filiale in der Linzer Plus City bereits laufen. Dabei handelt es sich um eine Filiale in einem Premiumeinkaufszentrum und erneut taucht die Frage auf, wie SDI, die sonst billige Flächen in der Peripherie betreibt, mit den teuren Toplagen von Eybl umgehen wird. Außerdem müssen die Briten, die gewöhnlich Flächen von 1000 bis 1300 qm betreiben, in den Eybl-Megastores Flächen zwischen 5000 und 14.000 qm füllen. Gerüchte verdichten sich, dass SDI die Flächen mit Monobrand-Shops von Marktgrößen wie Adidas und Nike füllen wolle. Auch geht man davon aus, dass sich die Zahl der Filialen noch reduzieren wird.

Unklar bleibt, wie sich der radikale Umbau auf die Mitarbeiter auswirken wird. Vor der Übernahme – per Geschäftsjahresende 31. August 2012 – beschäftigte die EAG rund 1900 Angestellte. Seither wurden laufend Jobs abgebaut, in Verwaltung und Einkauf sowie in den Filialen.

Wer bekommt das freie Stück vom Umsatzkuchen ab?

Die Leitung der EAG hat kürzlich betont, die spezifisch österreichischen Bereiche Bike, Outdoor und Ski weiterführen zu wollen. Trotzdem fürchten Mitbewerber zunächst lediglich die Sportschuhabteilung der Briten: Das gesamte Sortiment besteht zwar hauptsächlich aus No Names, aber im Sportschuhsektor sind auch renommierte Marken dabei, die aggressiv über den Preis verkauft werden.

Spannend bleibt die Frage nach der Umverteilung des Eybl-Umsatzes: Intersport Österreich ist gerade sehr mit sich selbst beschäftigt. Der komplette Vollzug der Fusion mit der deutschen Intersport steht an. Speziell Sport 2000 hofft, davon zu profitieren. Dazu Sport-2000-Vorstand Holger Schwarting: „Mit der Umwandlung von Eybl in Sports Direct wird ein etablierter Qualitätsanbieter innerhalb kürzester Zeit durch einen Discounter ersetzt. Qualitätsorientierte Kunden werden bei der Deckung ihrer Nachfrage nach Alternativen suchen.“ Allen Marktteilnehmern ist klar, dass es dazu auch das entsprechende Sortiment und Service braucht. Tatsächlich werden eher die Händler in direkter Nachbarschaft von ehemaligen Eybl-Filialen profitieren. Nicht zu vergessen der Online-Handel, der schon jetzt lokale Angebotsschwächen abdeckt.

Das Ende eines Traditionsunternehmens

Sport Eybl wurde 1931 von Ludwig und Ida Eybl in Wels gegründet. Mit dem tödlichen Bergsportunfall von Dietmar Eybl – dem Unternehmensführer in zweiter Generation – geriet Sport Eybl 1994 in eine langanhaltende und von Skandalen begleitete Führungskrise. Dank seines guten Namens und der stabilen Marktordnung konnte sich das Unternehmen bis 2013 aus eigener Kraft erhalten. Im Mai 2013 erfolgte die Mehrheitsbeteiligung durch SDI (51%). Nach nur elf Monaten trat die Gründerfamilie am 2. April 2014 zurück. Mit dem Marktführer Eybl ist nun auch die stabile Marktordnung in Österreich Geschichte. su

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Viel Herzblut floss in die Gestaltung des Eybl Worldstores in Vösendorf/Wien. Jetzt fragt man sich, wie die Briten die 14.000 qm Fläche mit ihrem Discountersortiment füllen wollen.
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Autor: Andreas Mayer

Chefredakteur

Dieser Artikel ist aus der Ausgabe: sport-FACHHANDEL Nr. 10-11 / 2014