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Exit nach zwei Jahren: Decathlon schließt in Mannheim

  • Marcel Rotzoll
  • Mittwoch | 26. Oktober 2016  |  13:19 Uhr
Der französische Sportartikeldiscounter Decathlon hat zum 15.10. seine Filiale in der Mannheimer Innenstadt geschlossen. Die Ankündigung erfolgte nur eine Woche vorher.

Text: Marcel Rotzoll

Mit dem City-Konzept will Decathlon großflächig die Innenstädte erobern. Beispielsweise in Mannheim wurde in diesem Zusammenhang im Oktober 2014 eine ca. 4.000 qm große Fläche eröffnet. Nach noch nicht einmal zwei Jahren ist schon wieder Schluss. Und zwar mittels hartem Exit: Nur neun Tage nach der Ankündigung schließt die Mannheimer Filiale im ehemaligen Prinz-Haus bereits zum 15.10. Philip Kaufmann, Geschäftsführer der Unternehmensentwicklung bei Decathlon Deutschland, kommentiert: „Im Zuge unserer Expansion passen wir unser Verkaufskonzept auf die unterschiedlichsten Flächen an, wie z. B. Standorte in Innenstadtlage, kleinere Flächen oder Gebäude über mehreren Ebenen, damit diese optimal dem deutschen Markt entsprechen. Wir müssen jetzt feststellen, dass unser Vorhaben durch die Rahmenbedingungen an dem aktuellen Standort in Mannheim nur unzureichend erfüllt werden. Dennoch wissen wir aus unseren anderen Filialen, dass unser Konzept und unsere Produkte gut in der Rhein-Neckar-Region angenommen werden und freuen uns daher über viele zufriedenen Kunden. Daher werden wir in weitere Standorte in der Region investieren.”

Allen Mitarbeitern würde „eine individuelle Option geboten, weiterhin für das Unternehmen tätig zu sein“, beispielsweise in den Filialen Ludwigshafen, Neustadt, der im November eröffnenden 800-qm-Filiale in der Grenzhöferstraße in Schwetzingen sowie im dort ansässigen Logistikzentrum.

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Vom Winde verweht: Schon nach zwei Jahren musste die City-Filiale in Mannheim wieder ihre Pforten schließen.
© Decathlon

Außer den Rahmenbedingungen werden seitens Decathlon keine weiteren Gründe für die Aufgabe des Standortes genannt. In den regionalen Medien wird spekuliert, dass die Drogen- und Trinkerszene mitverantwortlich für den harten Exit ist. Zudem wird ein Mitarbeiter der Mannheimer Wirtschaftsförderung zitiert, dass man zumindest gehört habe, „dass sich der gewünschte Erfolg dort nicht eingestellt hat“. Auf unsere Fragen an den französischen Filialisten, was die Schließung der Mannheimer Filiale für die weitere Expansion in Innenstadtlagen bedeute und wie man die Marktchancen für Decathlon-City-Filialen beurteile, geht man nicht ein.

Der Hinweis von Philip Kaufmann, dass man das eigene Verkaufskonzept auf unterschiedlichste Flächen anpasse, lässt aber zumindest erahnen, wie schwer sich Decathlon mit einem Großflächenkonzept in Innenstädten tut. Dass zudem zwischen Ankündigung und Schließung nur etwas mehr als eine Woche lag, ist in der Regel ein Zeichen dafür, dass der Leidensdruck eher besonders hoch gewesen sein muss. Allzumal die Immobilie nur gemietet ist und die Verträge wie für Innenstadtlagen typisch entsprechend langfristig geschlossen worden sein dürften.

Jedoch betonen die Franzosen, dass man „derzeit allgemein von einem starken Wachstum“ in Deutschland profitiere. Der hiesige Markt sei für „den französischen Sportartikelhersteller und -händler aktuell der interessanteste Markt in ganz Europa“. Demgemäß ist zunächst nicht davon auszugehen, dass Decathlon die eigenen Expansionspläne überdenkt. Denn ungeachtet der abrupten Schließung in Mannheim sind weitere, auch innerstädtische Filialen geplant. So wurde zwei Tage vor dem Mannheimer Exit am 13. Oktober in der Berliner Schlossstraße ein Geschäft auf 2.000 qm eröffnen. Geplant sind zudem die bereits erwähnte Eröffnung in Schwetzingen, Ende 2016 eine Filiale auf 2.500 qm auf dem Posthalterweg in Oldenburg, im Frühjahr 2017 in Köln-Marsdorf auf 4.200 qm, auf der Friedrich-Engels-Allee in Wuppertal auf 3.400 qm sowie Mitte 2017 in Ingolstadt auf der Eriagstraße 2.700 qm. Allein 2016 wird man somit insgesamt zehn neue Läden aufgesperrt haben. Mit den drei für 2017 feststehenden Neueröffnungen kommt man dann bereits auf deutschlandweit 41 Filialen.

Rotzoll

Autor: Marcel Rotzoll

Stellv. Chefredakteur sportFACHHANDEL

Dieser Artikel ist aus der Ausgabe: sport-FACHHANDEL Nr. 13 / 2016