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Ein Klick für Deine Stadt

  • Uli Wittmann
  • Donnerstag | 16. Juli 2015  |  15:59 Uhr
Kampf gegen die Verödung von Innenstädten.In Augsburg, Karlsruhe, Ulm, Bruchsal, Würzburg und anderen Städten gibt es die Kampagne „Lass den Klick in Deiner Stadt!“ Die Verbraucher sollen dazu animiert werden, vor Ort beim stationären Handel einzukaufen.
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© Istockphoto.com/gaisonok

Text: Uli Wittmann

"Viele Innenstädte liegen auf der Intensivstation,“ sagte Ernst Läuger, Präsident des Handelsverband Bayern (HBE), auf dem Neujahrsempfang seines Verbandes. „Besorgniserregend ist, dass immer mehr kleine, inhabergeführte Geschäfte verschwinden“, so Läuger. Gerade das Sterben dieser Geschäfte gefährde den für die Citys so wichtigen Branchenmix. Die Gründe sind vielfältig. Neue Trends im Shoppingverhalten der Kunden, der demografische Wandel, Attraktivitätsverlust der Innenstädte und Ortskerne – und natürlich der boomende Online-Handel.

Aber es geht auch anders: Wie in anderen Innenstädten haben auch die Einzelhändler in Karlsruhe mit dem veränderten Einkaufsverhalten zu kämpfen. Aber sie haben sich mit dem privaten Radiosender „Die neue Welle“ zusammengetan und versuchen, gemeinsam die Kunden dazu zu motivieren, vor Ort einzukaufen. „Wir wollen mit „Lass den Klick in deiner Stadt“ die Konsumenten ermuntern, dort zu kaufen, wo sie leben“, erklärt Andrea-Alexa Kuszák. Sie ist Geschäftsführerin des Lokalradios. Über eine halbe Million Zuhörer erreicht der Sender regelmäßig. „Auch wenn es auf dem ersten Blick praktisch ist, online einzukaufen und zuhause auf das Paket zu warten, gehen dadurch doch gewachsene Handelsstrukturen verloren. Und wir wollen bei den Kunden das Bewusstsein dafür wecken, welche starken Marken und tollen Service der örtliche Einzelhandel bietet.“

Die Aktion startete Anfang 2015. „Mit richtig guter Resonanz“, bilanziert Kuszák, auch wenn anfangs natürlich eine Menge Überzeugungsarbeit sogar im Handel selbst zu leisten war. Konkurrierende Verbände und wenig Willen zur Kooperation stehen solchen Aktionen manchmal im Wege. Mit zu wenigen beteiligten Geschäften aber scheitert eine gemeinsame Kampagne, noch bevor sie beginnt. „Für „Lass den Klick in Deiner Stadt“ ist es wichtig, dass alle Händler zusammenarbeiten“, weiß Kuszàk. „Mit unserer Aktivität haben wir das geschafft und positive Erfahrungen gesammelt.“

Einzelne Händler oder Vereinigungen könnten das notwendige Werbebudget nur schwer aufbringen. Kuszák setzt auf einen Mix aus traditionellen und digitalen Medien: Neben der Radiostation und dem hauseigenen Nachrichtenportal gibt es Anzeigen in der Zeitung sowie Werbung auf großflächigen Plakaten. Flankierend dazu rüstet man die teilnehmenden Einzelhändler mit entsprechendem Deko-Material aus. An den Fensterscheiben der teilnehmenden Händler ist als Aufkleber eine markante Einkaufstüte mit dem Slogan der Kampagne zu sehen.

Die öffentliche Kampagne aber nur eine Seite der Medaille: Gleichzeitig versucht man in Karlsruhe auch, die Einzelhändler digital fit zu machen. „Dazu stellen wir auf unserer regionalen Nachrichtenplattform und auf lass-den-klick-in-deiner-stadt.info verschiedene Zusatz-Tools und Informationen zur Verfügung“, erklärt Kuszák. Denn: „Die Kunden sollen ruhig online einkaufen, aber bitte schön bei örtlichen Händlern!“ Wie wichtig dieser zweite Ansatz ist, weiß auch Stephan Sperling, Projektmanager bei der Netzstrategen GmbH in Karlsruhe. „Viele Händler haben einfach noch nicht verstanden, welche große Rolle das Internet heute bei jeglicher Kaufentscheidung im Kaufprozess spielt“, glaubt Sperling. „Letztendlich muss ich als Händler aber den gesamten Kaufprozess online begleiten – von der frühen Informationsphase bis hin zum Kauf. Da reicht eine kleine Web-Visitenkarte nicht mehr aus. Kunden müssen alle Produkte, Preise und Verfügbarkeiten online sehen können.“

Um Innenstädte von der Intensivstation zu holen, müsse dort nicht nur reales, sondern auch virtuelles Leben herrschen, so der Experte: „Ohne belebtes, virtuelles Leben wird auch die Innenstadt immer weniger lebendig sein. Wenn die Innenstädte im Netz präsenter werden und eine relevante Rolle spielen, wird sich das auch in den Läden bemerkbar machen. Wir haben sehr gute Erfahrungen gemacht: Mit gutem Online-Marketing kann man Läden voll machen. Das geht!“

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Autor: Uli Wittmann

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Dieser Artikel ist aus der Ausgabe: sport-FACHHANDEL Nr. 10 / 2015