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Digitalisierung des POS: Sport auf dem Treppchen

  • Marcel Rotzoll
  • Mittwoch | 26. Oktober 2016  |  13:24 Uhr
Jährlich wird anlässlich der viscom, einer Fachmesse der visuellen Kommunikation, der Digital Retail Award verliehen. In diesem Jahr sind unter den Nominierten auch zwei Branchenbekannte: Der Lowa Footscan 360° und die Nike Digital Retail Experience.

Text: Marcel Rotzoll

Anfang November trifft sich zur Frankfurter viscom die Fachwelt der visuellen Kommunikation. Hierunter fallen analoge wie digitale Lösungen für den POS. Der Digital Retail Award soll „effizient geplante, kreativ umgesetzte, innovative und erfolgreiche Digitalkommunikation und Digital Signage-Projekte mit Schwerpunkt Retail, Marken- und Handelskommunikation“ ehren. Unter den Nominierten sind mit dem Lowa Footscan 360°, der bereits seit einigen Saisons im Einsatz ist, und dem Nike Digital Retail Experience, welches zur Eröffnung des Flagshipstores von 11teamsports in Berlin installiert worden war, zwei Lösungen, die auch für den Sportfachhandel interessant sind.

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Auf der vision trifft sich die Fachwelt der digitalen Kommunikation.
© Behrendt & Rausch

Im stationären Vorzeigegeschäft des Sport 2000-Mitglieds 11teamsports sollten in der Nike Brand Area interaktive, digitale Installationen zusätzliche Services rund um die Produkte bieten. „Für Retailer wird es immer wichtiger, die digitale mit der stationären Einkaufswelt zu verknüpfen, um auf beiden Ebenen die Geschäftsprozesse zu synchronisieren und verkaufsfördernd einzusetzen“, ist Alexander El-Meligi, Managing Partner der Kölner Digitalagentur Demodern, welche die Nike Digital Retail Experience entwickelte, überzeugt. Man wolle damit „Sales-Prozesse von Store und Onlineshop optimieren und neue Mehrwerte für den Kunden schaffen, die ihn noch stärker an die Marke binden und das Onlineshop-Erlebnis im Retail-Store weiterführen“.

Zur Installation gehört eine 3x3 Meter große Media Wall, die beispielsweise Bilder, Live-Streams oder Produktinformationen zeigt. Ein Multitouch Footwear Table, der zeitgleich von mehreren Kunden bedient werden könne, erkennt über RFID-Technologie einen auf ihm abgestellten Schuh. Angereichert mit Produktinformationenzeigt er daraufhin an, welche Größen zu welchen Preisen sowohl im Online-Shop als auch im Geschäft verfügbar sind. Das Replica Kiosk schließlich ermöglicht es per Touch-Steuerung durch das angebotene Nike-Sortiment zu navigieren. So soll „das Zusammenspiel zwischen dem großen Touch-Display Replica Kiosk (...) und einer App die Interaktion mit der Marke“ ermöglichen. Wieder wird die Verfügbarkeit sowohl online als auch stationär angezeigt. Produktinformationen, Social-Media-Inhalte, Produktvergleiche und Online-Shop sollten so mit dem interaktiven Touchscreen miteinander verknüpft werden.

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Nike Digital Experience im Berliner 11teamsports-Laden.
© Nike / Demodern GmbH

Die Digitalisierung des POS ist jedoch kein Selbstzweck. Gerade für den Sportfachhandel kommt es darauf an, dass sich die Systeme entweder dadurch auszeichnen, mittel- und langfristig Kosten zu senken, die Kundenfrequenz zu steigern und vor allem die Abverkäufe zu fördern. Kostensenkung beispielsweise kann durch neue Lichtkonzepte und Energiesparmaßnahmen erreicht werden. Technisch anspruchsvolle Verknüpfungen von Online- und stationärem Geschäft wie die Nike Brand Area bei 11teamsports tragen sicherlich zur Steigerung der Kundenfrequenz bei. Gleichzeitig sind aber solche Systeme für viele Händler nur schwer zu installieren. Abgesehen vom finanziellen Aspekt ist vielerorts die Anbindung an das Warenwirtschaftssystem und damit die Verknüpfung von stationär und online verfügbarer Ware zumindest problematisch.

Ebenso technisch, allerdings mit Fokus auf die Interaktion zwischen Händler und Kunde und damit auf den Abverkauf, präsentiert sich dervon der Stuttgarter Netvico GmbH entwickelte Lowa Footscan 360°. Kundenbindung, Beratung und Verkauf stehen im Mittelpunkt des Footscan 360°, den der Jetzendorfer Bergschuster Lowa als Marketinginstrument für die Fachhandelspartner anbietet. Der Footscan 360° vermisst die Füße der Kunden in einer 360°-Ansicht. Größe, Breite, Spannhöhe und Umfang der Füße lassen sich exakt erfassen und ermöglichen eine umfängliche Analyse des Fußes. Lowa-Mann Markus Strefling erläutert, was anschließend geschieht: „Im zweiten Gang werden die Fußdaten in einer Datenbank mit der Lowa-Kollektion abgeglichen. Alle Lowa-Schuhe wurden zuvor ausgescannt und in eine Datenbank eingelesen. Nun werden die bestpassendsten Modelle je Kategorie angezeigt. Zuvor hat der Verkaufsberater die Kategorie mit dem Kunden besprochen. Hierbei geht es um die Bedarfsermittlung .“ Für den Kunden könne so das individuell richtige Schuhmodell aus dem bekannten Lowa-Index ermittelt werden. Generell würden sich mit der Digitalisierung des POS große Chancen im Bereich Kundenbindung und -neugewinnung ergeben. Durch die Untermauerung der Fachkompetenz mit diegitalen Systemen wie dem Lowa Footscan 360° „kann der Kunde noch individueller beraten werden. Darstellungen über die Technik der einzelnen Produkte können schlüssiger und zielgerecht dargestellt werden. Bei der Bedarfsermittlung kann durch die digitalen Systeme der tatsächliche Kundenwunsch schneller und besser erfasst werden. Die Kombination aus professionellen Beratern und digitalen Hilfssystemen ermöglicht in Zukunft eine noch effizientere Beratung.“

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Der prämierte Footscan 360 Grad von Lowa.
© netvico GmbH

Anders als die Nike Digital Retail Experience wird der Lowa Footscan 360° nicht festinstalliert, sondern kommt bei Händlerevents zum Einsatz. Markus Strefling erläutert: „Der Lowa Footscan 360° ist im Rahmen spezieller Kundenevents im Einsatz. Hierbei sind wir jeweils am Wochenende bei ausgewählten Händlern. Es sind immer zwei Lowa-Mitarbeiter auf der Fläche, um die Vernetzung, Fachberater und System, perfekt zu nutzen und umzusetzen. Bis dato haben wir im Jahr 2016 insgesamt 45 Events durchgeführt. Durch die Vernetzung von Fachwissen der Beraterteams mit der Unterstützung der digitalen Systeme konnten wir die Kunden und Endverbraucher bei jedem Event begeistern. Die Feedbacks aus dem Handel waren sehr positiv, sodass wir für das nächste Halbjahr bereits hohe Nachfrage für Termine haben.“

Die viscom, die vom 2. bis zum 4. November in Frankfurt ihre Tore öffnet, präsentiert unter anderem digitale Lösungen für den POS. Die Digitalisierung ist für den Sportfachhandel nicht länger ein Thema der Zukunft, sondern der Gegenwart. Beispielsweise plant die Intersport für 2017 die bereits dritte Auflage der Messe 360° POS, zu der sich die Mitglieder bei Architekten, Ladenbauern, Merchandise oder Energieplanern informieren können. Vor allem wenn ein Um- oder Neubau ansteht, lohnt sich für Händler egal welcher Größe in jedem Fall die Beschäftigung mit den Chancen, die sich durch die neuen technischen Möglichkeiten eröffnen – und zwar dann, wenn Kosten und Nutzen in Einklang stehen. Temporäre Systeme wie der Lowa Footscan 360°, der als Tour konzipiert ist, lassen sich darüber hinaus jederzeit und ohne große Voraussetzungen erfolgreich umsetzen.

Rotzoll

Autor: Marcel Rotzoll

Stellv. Chefredakteur sportFACHHANDEL

Dieser Artikel ist aus der Ausgabe: sport-FACHHANDEL Nr. 13 / 2016