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Die Gunst der Stunde

  • Andreas Mayer
  • Dienstag | 22. März 2016  |  12:25 Uhr
Der große Gewinner aus den Umstrukturierungen in der österreichischen Handelslandschaft nach der Übernahme von Sport Eybl durch Sports Direct heißt Intersport. Und die Rahmenbedingungen bleiben günstig, denn auch der angekündigte Versuch der Briten, mit Lillywhites nachzulegen, lässt auf sich warten.
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State of the Art: der neu errichtete Standort der Brüder Churanek und Roland Grammel in St. Pölten (NÖ)
© Pr. Archiv

Text: Hildegard Suntinger, Wien

Die Intersport Austria, Wels (OÖ), hat den Wegfall der Premium Sportartikelkette Eybl zur Expansion genutzt: Innerhalb eines Jahres entstanden elf neue Standorte, vier davon wurden von Sports Direct (SD) übernommen: Bludenz, St. Johann i. Tirol, Horn und Wörgl. Die Regionen, in denen Sport Eybl die größten Lücken zurückgelassen hat – Salzburg, Wien und Linz – sind allerdings unberührt geblieben.

Im südöstlichen Österreich expandierte Harald Tscherne, Leoben (Stmk) ins FMZ Centro Wiener Neustadt (NÖ) und steigerte damit die Zahl seiner Standorte auf sieben. Am überraschendsten kam aber das Comeback der Brüder Wolfgang und Gerhard Churanek. Sie hatten sich 2012 aus dem Sportartikelhandel ins Immobiliengeschäft zurückgezogen und ihre Standorte an Sport Eybl vermietet. Jetzt kehren sie mit zwei Flächen in Niederösterreich zurück: Horn und St. Pölten. Mieter der Filiale in Horn war zuletzt Sports Direct. Nach Vertragsende wird die Fläche wieder unter Intersport-Flagge geführt. Der Standort St. Pölten wurde von der CHL Immo GmbH der Churaneks neu errichtet und zeigt das neueste Shopdesign. Die Brüder Churanek sind Gesellschafter und teilen sich das neu gegründete Unternehmen mit ihrem ehemaligen Mitarbeiter Roland Grammel, der auch als GF agiert.

In Westösterreich eröffnete die Intersport Retail Company (IRC), eine 100% Tochter der ISA GmbH in Wels (OÖ), je einen Standort in den Tiroler Kleinstädten Wörgl und Kufstein. In Wörgl wurde ein ehemaliger SD-Standort übernommen. Karl Kaltenbrunner, Gmunden (OÖ) hat gleich zwei SD-Flächen übernommen. Es handelt sich dabei um einen Standort in Bludenz (Vbg) und einen in St. Johann i. Tirol. In Flachau (Sbg) eröffneten Gerald Steger und Hans Hofmann den Standort Alpenarena und in Ellmau (T) eröffnete Georg Winkler einen Standort an der neu errichteten Talstation der Hartkaiserbahn. Es ist sein dritter Shop in Ellmau. Christoph Bründl, Kaprun (Sbg) ging mit zwei neuen Standorten an der neu errichten Penken Berg- und Talstation in Mayrhofen (T) an den Start und zeigte damit erneut seine Kompetenz im Rent-Business auf. Bründl verfügt über insgesamt 22 Standorte in Kaprun (6), Zell am See (5), Mayrhofen (5), Ischgl (3), Saalbach (1), Schladming (1) und Salzburg (1).

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Zurück im Sportfachhandel (v.l.n.r.): Wolfgang und Gerhard Churanek, hier mit ISA GF Mathias Boenke und dem Teilhaber und GF ihrer zwei Stores, Roland Grammel
© Pr. Archiv

Der Wegfall des Premium-Konkurrenten schlägt sich auch in den Umsätzen der Intersport Austria nieder. Im abgelaufenen Geschäftsjahr (per 31.08.) hat die Organisation ihren Umsatz auf den Märkten Österreich, Slowakei, Tschechien und Ungarn um 6,5 Prozent auf 500 Mio. Euro gesteigert. In Österreich lag das Plus bei 10,4 Prozent. Die Frage, inwieweit sich die Expansion auf die Gesamtzahl der Standorte auswirke, bleibt seitens der Zentrale unbeantwortet. Zum 1.9.2014 arbeitete das Unternehmen in Österreich mit 116 Händlern an 257 Standorten.

Indessen stößt der britische Diskonter Sports Direct weiter Standorte ab: Wie ein Lokalmedium am 20. November berichtete, soll SD den auslaufenden Pachtvertrag im EKZ Haid (OÖ) zur Auflösung der Filiale genutzt haben. 60 Mitarbeiter wurden beim Arbeitsmarktservice zur Kündigung angemeldet. Eine Bestätigung dieser Meldung durch SD-Sprecherin Judith Gerhofer erfolgte nicht. Und auch der im Juli angekündigte Österreich-Launch von Lillywhites, dem etwas höherpreisigen Handelszweig des Briten, lässt noch auf sich warten. Das Rebranding soll in den ehemaligen Eybl Megastores in Wien (3), Linz (2), Wels (1), Salzburg (2), Innsbruck (1), Graz (1) realisiert werden. Zum Zeitpunkt der Totalübernahme durch SD zählte das Unternehmen 54 Filialen. Aktuell dürften es nur mehr 49 sein. Sports Direct Österreich steht seit 1. Mai unter der Führung von Dave Forsey, dem CEO von Sports-direct.com in Shirebrook (UK). Die letzten veröffentlichten Zahlen datieren in den Zeitraum September 2013 bis April 2014 und weisen einen Verlust von 17,8 Mio. Euro – bei einem gleichbleibenden Umsatz von 198,98 Mio. Euro – aus.

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Autor: Andreas Mayer

Chefredakteur

Dieser Artikel ist aus der Ausgabe: sport-FACHHANDEL Nr. 15 / 2015