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Detox – VAUDE Bekleidung, Schuhe und Rucksäcke PFC-frei

  • Ralf Kerkeling
  • Freitag | 18. Dezember 2020  |  09:52 Uhr
2015 hat VAUDE das Greenpeace Detox Commitment unterschrieben mit dem Ziel bis 2020 bedenkliche Chemikalien, wie z. B. die umstrittenen PFCs, konsequent aus dem Herstellungsprozess zu eliminieren. Was hat sich seitdem getan?
Vaude

„Unser Ziel: schädliche Chemikalien vollständig verbannen“

Die VAUDE Bekleidungskollektion ist seit 2018 PFC-frei; seit 2020 gilt dies auch für sämtliche Schuhe und Rucksäcke. Insgesamt sieben von elf schädlichen Substanzgruppen sind bereits vollständig aus der Produktion beseitigt, bei vier weiteren ist die nachhaltige Outdoor-Marke weit vorangekommen. „Wir sind zuversichtlich, dass wir unser Ziel erreichen, schädliche Chemikalien vollständig aus der Produktion zu verbannen“, erklärt Bettina Roth, Leiterin Qualitätsmanagement bei VAUDE. Diese Anstrengungen finden auch Anerkennung bei Greenpeace: „VAUDE nimmt seine unternehmerische Sorgfaltspflicht ernst und ist damit ein lebendes Beispiel dafür, dass Transparenz und Regulierung globaler Lieferketten möglich ist. Es zeigt dem Rest des Outdoor-Sektors auf, wie man sich in Richtung einer zukunftsfähigen Kreislaufwirtschaft bewegt. Hier steht die Substitution gefährlicher Chemikalien an erster Stelle und es gibt Initiativen für ökologisches Design, Haltbarkeit, Vermietung und Reparatur, um die Lebensdauer von Produkten zu verlängern“, so Viola Wohlgemuth, Kampaignerin Konsum und Chemie bei Greenpeace e.V. 

Mit der freiwilligen Unterzeichnung des Greenpeace Detox Commitment hat sich VAUDE 2015 klar dafür ausgesprochen bis 2020 schrittweise auf bedenkliche Chemikalien zu verzichten und transparent darüber zu berichten. Eine große Herausforderung: Neben den PFCs, die im Fokus standen, ging es um zehn weitere kritische Substanzgruppen, deren Verwendung und Freisetzung in die Umwelt es zu vermeiden galt. Darüber hinaus hat sich VAUDE verpflichtet, verantwortungsvolle Geschäftsmodelle für nachhaltigeren Konsum zu schaffen.

Um dem hohen Anspruch für umweltfreundliche und schadstofffreie Produkte gerecht zu werden, arbeitet VAUDE seit Jahren daran, die Herstellungsprozesse in der gesamten Lieferkette so sauber und sicher wie möglich zu gestalten. VAUDE ist bereits seit 2001 Partner des bluesign® System und folgt damit einem der strengsten Nachhaltigkeitsstandards für Textilien. Dennoch gab und gibt es kritische Substanzgruppen, die mangels Alternativen zugelassen sind und verwendet werden. Deren Einsatz und Verwendung ist zwar über Grenzwerte streng geregelt; dennoch hat sich VAUDE bereits vor dem Detox Commitment freiwillig vorgenommen, diese Chemikalien Schritt für Schritt zu eliminieren. „Als Greenpeace 2012 mit der Detox-Kampagne die Outdoorbranche ins Visier nahm, sahen wir eine große Chance darin, dass sich endlich branchenübergreifend etwas bewegt und Alternativen für bedenkliche Chemikalien entwickelt werden. Als einzelne mittelständische Marke hatten wir bis dato nicht genug Einfluss bei den Materialherstellern“, so Antje von Dewitz, VAUDE Geschäftsführerin, rückblickend.

PFC-frei: große Herausforderungen gemeistert

Bei den Forderungen von Greenpeace stand der Verzicht auf poly- und perfluorierten Chemikalien, kurz Fluorcarbone oder PFC genannt, im Fokus. Diese werden zum einen zur Herstellung von Membranen verwendet, die Textilien wasserdicht und gleichzeitig atmungsaktiv machen. Andererseits werden sie auf dem Außenmaterial von Regenprodukten angewandt, um diese dauerhaft wasserabweisend auszurüsten. Der sogenannte Abperleffekt ist das, was eine Regenjacke ausmacht.

Bereits seit 2011 verwendet VAUDE keine PFCs in Membranen. Die größte Herausforderung lag also darin, die Außenstoffe für Wetterschutzbekleidung mit einer dauerhaften PFC-freien wasserabweisenden Ausrüstung zu versehen. Durch den öffentlichen Druck der Greenpeace-Kampagne kam Bewegung in die Branche und damit auch in die chemische Zulieferindustrie.

Sieben von elf Substanzgruppen eliminiert

PFCs sind nur eine von elf Substanzgruppen, die VAUDE im Fokus hat. Sieben Substanzgruppen hat die Outdoormarke bereits vollständig eliminiert. Bei den verbleibenden vier Gruppen arbeitet die Outdoor-Marke mit Hochdruck an der Substitution und ist zuversichtlich, dies zu erreichen. Um die Einhaltung der Grenzwerte und Bestimmungen sicherzustellen, arbeitet VAUDE mit der sogenannten Manufacturing Restricted Substances List (MRSL). Das ist eine Liste von Substanzen, die entweder komplett verboten sind oder durch Grenzwerte beschränkt werden und die für den gesamten Herstellungsprozess gilt. Es geht also nicht nur darum, ein schadstofffreies Endprodukt zu bekommen, sondern alle Stufen der Produktion zu berücksichtigen - von der Garnfertigung über die Weberei, Färberei, Laminierung bis hin zur Ausrüstung auf dem Oberstoff des fertigen Produktes. „100 % Prozent unserer Hauptlieferanten haben unsere M/RSL unterschrieben und sich damit zur Einhaltung unserer Forderungen verpflichtet, was über regelmäßige Abwassertests geprüft wird“, erklärt Bettina Roth.

(Quelle: Vaude)

Ralf Kerkeling

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Autor: Ralf Kerkeling

Chefredakteur