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Boxer zeigt’s: So mache ich einen eigenen Laden auf!

  • Nicolas Kellner
  • Mittwoch | 29. Juni 2016  |  22:58 Uhr
Eine Philosophie, Mut und die richtigen Marken – fertig ist der neue Laden. Wenn’s so einfach wäre. Wolfgang Wagner hat es trotzdem genau so gewagt und steht seit einigen Monaten erfolgreich in seinem eigenen Fitnesshop in München!

Text: Nicolas Kellner

Meine Philosophie ist: Hohe Qualität, verbunden mit Funktionalität und Design“, erklärt Wolfgang Wagner. SportFACHHANDEL traf den Newcomer im Münchner Gärtnerplatzviertel, einem der seit Jahren angesagten Trendviertel an der Isar. „Wie bieten also funktionelle Trainingsgeräte, Bekleidung und Bodycare-Produkte für die Bereiche Boxen, Fitness und Crossfit an“, fährt der Musiker und aktive Boxer fort, „verbunden mit hochwertiger Qualität und mit kompetenter Beratung.“ Gut, das wollen andere auch anbieten. Doch schon beim Betreten des Ladens „Sport Platz“ fällt auf, dass hier mit viel Liebe zum Detail ans Werk gegangen wurde und keine Marken von der Stange im Angebot sind. Ganz besonders hebt der Händler dabei Messebesuche im Vorfeld hervor. Vor allem auf der jüngsten ISPO in München hätten sich die Besuchstage sehr gelohnt. „Das war enorm wichtig für mich, um in die Branche reinschnuppern zu können, Marken und Trends kennenzulernen und zuletzt natürlich gute Kontakte für die Order zu knüpfen.“

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Wolfgang Wagner kreierte seine eigene Marke.
© NPK

Musiker, Boxer, Trainer: Wagner führte davor ein Musikgeschäft, ist aber ambitionierter Boxer und Trainer. Ein Sportgeschäft schwebte im schon lange vor. Als wagte er den Sprung ins kalte Wasser, schloss seinen Musikladen und startete. Auf der Messe gelang ihm der Einkauf beispielsweise der australischen Fitnessbekleidungsmarke Lorna Jane, die sich auf feminine Kunden spezialisiert hat. „Ich bin jetzt der Einzige in München“, freut sich der engagierte Händler, „das sind sehr extravagante und hochwertige Teile.“ Damit könne sich der Händler vom Wettbewerb sehr gut abheben.

Nicht ohne Messe: Ohne Messe wäre ihm der Coup nicht gelungen. Wagner wollte sich vom Start weg ein Image und Profil zulegen, das nicht vergleichbar sein sollte. Dazu gehören jetzt Marken wie Pfaffensport, Boxwerk (aus München), Icebreaker und Ben Lee. Eine kleine und feine Markenauswahl, die aus der Nische heraus ein bestimmtes Zielpublikum anspricht. Die Käufergruppe sei aber auch erweiterbar, weil sich vieles herumspricht, ist sich der Händler sicher. Zudem hat Wagner seine eigene Linie Sport Platz kreiert, die auf Fitnessbekleidung spezialisiert ist. Überhaupt spielt Textil die größte Rolle im neuen Laden, aber es gibt auch Schuhe sowie die sicherlich größte und beste Auswahl von Sprungseilen in ganz München. Dazu gehören auch Boxhandschuhe und eine feine Auswahl von Sandsäcken. Auf bestimmte Marken, die überall zu finden seien, hat der Newcomer bewusst verzichtet. Allerding seien bei einigen Anbietern die Abnahmemengen nicht diskutabel gewesen. „Wer sich umschaut und auf der Messe ist, findet immer auch Alternativen“, unterstreicht Wagner. Und man müsse auch etwas wagen: Mit Lonsdale hat der Händler eine Marke bewusst ins Sortiment aufgenommen, die einst natürlich mit rechten Imageproblemen (wie andere auch von New Balance bis Fred Perry) zu kämpfen hatte. Doch das sei längst Vergangenheit und die Trendmarke aus London hat einfach „coole Teile im Programm“.

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Wagners Eigenmarke heißt ebenfalls „Sport Platz“.

Richtige Einstellung: Kaum gestartet will Wagner schon erweitern. Im Keller des Ladens sollen Trainingsräume entstehen, in denen der Inhaber selber auch personalisierte Trainings anbieten will. Außerdem könnte es noch eine Art Ausschank von Speisen und Getränken geben. Wolfgang Wagner zeigt eindrucksvoll, wie man heute engagiert und selbstbewusst mit der richtigen Einstellung einen Neustart in unserer Branche hinlegen kann.

Autor: Nicolas Kellner

Dieser Artikel ist aus der Ausgabe: sport-FACHHANDEL Nr. 08 / 2016