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Aufwachen! Es stehen Existenzen auf dem Spiel!

  • Andreas Mayer
  • Freitag | 20. März 2020  |  12:46 Uhr
Der Shutdown aller stationären Läden wird schwerwiegende Folgen für viele Sportfachhändler haben. Jetzt zeigt sich, wer es wirklich ernst meint mit Fachhandelstreue und anderen großspurigen Ansagen. Ein Kommentar!

Erinnern Sie sich noch daran, wie die ganze Republik in Aufruhr war, weil eine Handvoll Halbstarke „Hurensohn“-Plakate zeigte? Fußballspieler traten in einen Streik, Experten wurden zitiert und waren sich sicher: Der Sport geht zugrunde!

Das ist gerade einmal dreieinhalb Wochen her. Und tatsächlich kauft jetzt niemand mehr Fußballschuhe, die schönen, nagelneuen Adidas-Trikots für die kommende Europameisterschaft sind nutzlos geworden. Das Lager voll, der Laden zu …

Nicht der Sport, sondern der Sportfachhandel geht zugrunde!

Ein kleiner Virus legt das gesamte Land, den gesamten Kontinent, weite Teile der Weltwirtschaft lahm. Wer geglaubt hat, so etwas ist Science Fiction, wurde in den vergangenen drei Wochen eines besseren belehrt. Wer geglaubt hat, die Absage von Fußballspielen, einer Fußball-Europameisterschaft oder aller Voraussicht nach bald auch der Olympischen Spiele, sei schlimm fürs Geschäft, hat (noch) nicht kapiert, was in unserem Land gerade los ist. Den einzigen Vergleich zu einer ähnlichen Situation haben nur die wenigsten Händler selbst erlebt: Krieg, Notstand, Depression.

Es geht um die Existenz. Wer kann es sich leisten, das Geschäft für mehrere Wochen geschlossen zu halten? Niemand!

Wer hilft? Es gibt großspurige Ansagen der Politik. Was davon wirklich bei kleinen Händlern ankommt, wird sich zeigen. Die Einkaufsverbände, eigentlich erster Ansprechpartner vieler Händler in dieser Krise, wurden von der rasanten Entwicklung genauso überrascht. Konkrete Angebote trudeln erst nach und nach ein. Und die meisten Lieferanten sind noch mit sich selbst und ihrer Situation beschäftigt.

Wie kann man allen ernstes in der aktuellen Situation noch Pressemitteilungen verschicken, in denen die neue Sommer-Kollektion angepriesen wird? Wie können bekannte US-Marken glauben, dass Journalisten, die wissen, wie es jetzt bei Händlern aussieht, darüber berichten, wenn man offizieller Ausstatter einer Trailrunning-Serie geworden ist oder in Europa ebenfalls die eigenen Markenstores schließen muss? Wie kann die Internet-Seite der größten Fachhandelsmesse über Spenden, Aktionen und Social-Media-Kampagnen von Sportmarken berichten, aber nicht darüber, welche Sorgen bei ihrer Hauptzielgruppe herrschen?

Die börsennotierten Multis verschicken Ad-hoc-Mitteilungen über den Status ihrer Lieferketten und vergessen dabei ihren immer noch wichtigsten Absatzkanal. Ein skandinavischer Funktionsbekleidungshersteller schafft es, anderthalb Seiten darüber zu schreiben, wie er sich selbst und seine Mitarbeiter schützt (gipfelnd in der Erklärung, dass die Mitarbeiter angehalten sind, sich regelmäßig die Hände zu waschen), ohne auch nur einen Satz an den Handel zu richten? Und einem E-Commerce-Label ist es tatsächlich wichtig, zu verbreiten, dass jetzt alle Mitarbeiter im Homeoffice sind …

Welcher Händler wäre nicht froh, einfach vom Homeoffice aus weiterarbeiten zu können?

Irgendwie wird es weitergehen, davon bin ich überzeugt. Denn der Handel hat die Kraft, auch aus dieser Krise herauszukommen. Nicht alle Händler, so viel muss gesagt werden – aber auch diese Krise wird Neues schaffen! „Schöpferische Zerstörung“ hat der österreichische Ökonom Joseph Schumpeter das mal genannt.

Bis dahin, bleiben wir für Sie, liebe Fachhändler, zumindest im übertragenen Sinne am Ball. Und eines Tages, wird auch dieser wieder wirklich rollen!

Ihr,

Andreas Mayer

Chefredakteur sportFACHHANDEL

Mayer

Autor: Andreas Mayer

Chefredakteur

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