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Abenteuer Sneaker-Laden

  • Andreas Mayer
  • Samstag | 27. Dezember 2014  |  08:50 Uhr
„Nische, Schnapsidee, Vision“ – sind das nicht nach wie vor die besten Voraussetzungen für eine Ladeneröffnung? Maja und Daniel Feldrappe haben es gewagt – und sind erfolgreiche Shop-Gründer in München. Jetzt haben die beiden sogar zum zweiten Mal zugeschlagen …
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Sprung ins kalte Wasser: Die beiden Sneaker-Fans Maja und Daniel Feldrappe
© © Kellner

Vor drei Jahren riefen die Geschwister in München zunächst ein reines Sportschuhgeschäft für Kinder ins Leben. „Da gab es eine Lücke im Angebot“, erklärt Maja, die mit Sport, Trend und Verkauf schon vor über zehn Jahren viel am Hut hatte. Zunächst als Sportverkäuferin, dann als Gründerin eines Klamotten-Labels zusammen mit einer Freundin und schließlich mit der Idee, gemeinsam mit ihrem Bruder, ins Einzelhandelsgeschäft einzusteigen. „Wir wollten etwas machen, was es noch nicht gibt und sind zunächst auf die Idee gekommen, Turnschuhe für Kinder anzubieten,“ erzählt Maja. Wohl in der Tat eine Lücke: Immer mehr Sportschuster produzieren zwar kleine Größen, jedoch kümmerten sich bislang nur die wenigsten Sporthändler um Schuhe für Kids ab drei Jahren.

Die beiden Gründer hakten bei Herstellern und Außendienstlern nach, stellten ein Programm zusammen und sprangen ins kalte Wasser: Der noch junge Laden der beiden Shopinhaber wurde „Early Sneakers“ getauft. Das Motto: „Sneakers not Diapers“ – „Schuhe statt Windeln“. Der kleine Laden in der Nähe des Münchner Viktualienmarkts sprach sich schnell herum, der zusätzliche Vertrieb und die Bewerbung übers Internet ließ die Umsätze schnell emporschnellen. Das Geschäft hat sich zum Hotspot bundesweit entwickelt und rechnet sich inzwischen.

Wichtig ist: Die Mini-Sneakers sind keine Fakes, sondern echte Schuhe mit Nutzen. Und Beratungsqualität ist auch für Kinderschuhe wichtiger denn je – schon bei der Order und natürlich auch beim Verkaufsgespräch im Laden. „Es gibt im Großen und Ganzen drei wichtige Kriterien, auf die man beim Kinderschuhkauf achten sollte“, erklärt Maja Feldrappe. „Das Wichtigste überhaupt ist die Flexibilität im Vorderfußbereich der Sohle, damit der Fuß natürlich abrollen kann und die Bewegungsfreiheit gewährleistet ist. Der hintere Teil der Sohle darf ruhig ein bisschen Stabilität geben, solange er den Fuß nicht einengt.“ Zweitens sagt sie, kämen Kinder meist mit einem Plattfuß auf die Welt. Das Fußgewölbe müsse sich von alleine entwickeln. Da eine Unterstützung diese Entwicklung negativ beeinflussen kann, sollten die ersten Schuhe mit fester Sohle kein ausgeprägtes Fußbett haben. Und schließlich gehe es um die Sprengung der Sohle, also den Höhenunterschied von der Ferse zu den Zehen. Dieser sollte nicht größer als sechs Millimeter sein, da sie sich sonst negativ auf die Achillessehne auswirken könne.

Das Gesündeste sei immer Barfußlaufen, so die Expertin weiter. „Ein Schuh unterstützt nicht die Entwicklung des Fußes und des Laufenlernens. Man braucht ihn lediglich, um den Fuß etwa vor Kälte und harten Untergründen zu schützen,“ und genauso unterschiedlich wie Kinderfüße sind, seien auch die Passformen der Schuhmodelle. „Nicht jeder Schuh passt zu jedem Fuß, so dass man verschiedene Modelle anprobieren sollte“, unterstreicht die Sneaker-Verkäuferin. Für Babys im Krabbelalter gebe es so genannte Crib-Schuhe, zum Beispiel von Adidas Originals, Nike, Puma, Converse und Timberland. Crib-Schuhe haben noch keine feste Sohle, sind also sehr flexibel und etwas mehr als nur Söckchen. Die meisten haben eine Silikonverzierung an der Sohle, so dass die Kleinen nicht wegrutschen können bei ihren ersten Krabbel- und Laufversuchen. Die Minischuhe sind vom Design her oftmals den erwachsenen Modellen nachempfunden, aber natürlich in der Form an den Babyfuß angepasst. Das hat seinen Preis: Baby- und Kinder-Sneaker kosten 30 und 40 Euro, aber auch gut und gerne doppelt soviel und mehr. Kleiner Zusatzeffekt: Oft würden auch Frauen (und Mütter) im Kinder-Turnschuhladen selbst fündig, weil sie ebenfalls kleine Schuhgrößen suchen, berichtet Maja Feldrappe.

Der Erfolg mit Kinderschuhen brachte die beiden Sportschuh-Enthusiasten auf eine neue Idee: „Große Größen & noch mehr Sneakers“ lautet das Motto ihres aktuell neuen Ladens „TINT-Footwear Studio“, ebenfalls in der Münchner Innenstadt gelegen. Für die holzgeprägte Ladeneinrichtung ist Daniel verantwortlich, der nicht nur Trendscout und Sneakerverkäufer ist, sondern auch gelernter Schreinermeister. Minimalistischer und trotzdem auffälliger geht es kaum: die Licht-Komposition in dem ebenerdigen Geschäft stellt das Interieur (aus Holz und Stein) sowie die ausgesuchten Marken in den Mittelpunkt. „Wir zeigen und bieten Modelle an, die es woanders nicht gibt“, erklärt Daniel Feldrappe. Sneaker von New Balance, Adidas, Nike, Converse und Vans, die es mal als Sondermodelle gab, nur in einigen Ländern erhältlich waren oder speziell – zum Beispiel nur für den britischen Markt – produziert worden sind. Dafür haben die Geschwister ein Netzwerk von Lieferanten und Informanten aufgebaut und versuchen immer, das Neueste zu entdecken: auf Events, in Magazinen und auf verschiedenen Veranstaltungen weltweit. Am liebsten stöbert Maja Feldrappe in Tokio, denn dort werde man immer wieder überrascht, was neue Trends angeht.

Das Geheimnis des Erfolgs: „Der Kunde will ein anderes Einkaufs-Erlebnis haben, sucht die Einzelberatung und Ruhe“, glauben die Gründer, „und wir bieten einen persönlichen Bezug. Im Laden soll man sich wohlfühlen“. Die Preislagen bewegen sich zwischen 70 und 180 Euro für Premium-Linien „Made in UK“. Die seien hochwertiger in der Verarbeitung und beim Material – eben nicht von der Stange. Coole Sneaker-Klassiker wie Nike Air Max, Blazer oder Vintage-Runner, Nike Internationalist oder der Cortez machen die Auswahl aus neueren Modellen wie dem Flyknit Chukka oder für Damen Nike Thea rund. „Es geht um Modelle, die es woanders nicht gibt.“, erklärt Maja. Je limitierter, desto interessanter wird es im Sneakerbereich. Dementsprechend sei man auch bei den Herstellern eingestuft, auch wenn man nicht ganz frei sei vom Mainstream, weil man auch den Durchschnittsgeschmack treffen müsse.

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Holz, Mauersteine und Trendsportschuhe ... that’s it!
© © Kellner

Angeboten wird außerdem eine besondere Auswahl an Sneakern in den Größen EU 37 bis 50, dazu ausgewählte Accessoires von Stüssy, Undefeated und Odd Future. Das Schwierigste zum Start sei gewesen, die Hersteller davon zu überzeugen, dass es tatsächlich einen Markt gebe, meint Daniel. Inzwischen habe sich eine große Community herausgebildet, und das lediglich über Mund-zu-Mund-Propaganda und ohne große Werbung. Das Internet habe natürlich geholfen, aber trotzdem: „Das war schon ein Abenteuer für uns und die Hersteller.“

Text: Nicolas Kellner

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Autor: Andreas Mayer

Chefredakteur

Dieser Artikel ist aus der Ausgabe: sport-FACHHANDEL Nr. 22 / 2014