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4 Fragen an … Bernd Wodarz

  • Ralf Kerkeling
  • Donnerstag | 02. Dezember 2021  |  08:49 Uhr
Bei einem Walk & Talk sprachen wir mit Branchenexperten Bernd Wodarz über die zukünftige Ausrichtung von Handel und Industrie.
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© Montane

Was sind aus Ihrer Sicht die dringlichsten Herausforderungen, denen sich die Branche stellen muss, um die Weichen für die Zukunft zu stellen?

Ich bin überzeugt, dass es in den kommenden Jahrzehnten immer noch ein Miteinander von Industrie und Handel geben muss. Direct-to-Consumer-Business ist nur ein kleiner Teil der Wahrheit. Die Endkonsumenten werden immer aus der Vielfalt der Angebote auswählen und dabei fällt dem kompetenten Handel wieder eine wichtige Funktion zu. Dabei muss der Handel digitaler werden und gleichzeitig seine Servicebereitschaft optimieren. Den Endkonsumenten muss klar sein, warum sie genau zu diesem Händler gehen sollen und welchen Service sie dort geboten bekommen.

Der Käufer von morgen sucht differenzierte Angebote, Kompetenz und maßgeschneiderten Service. Mittelmaß hat keine Zukunft! Die Industrie steht vor einer ähnlichen Herausforderung; Marke entsteht nach meiner Meinung besonders im Dialog zwischen Menschen (unter anderem am Point of Sale) und wird nicht zu 100 % digital geschaffen. Die Industrie benötigt ein klares Profil und eine transparente Positionierung. Wofür stehen wir als Marke, was ist unsere Kernkompetenz und über welche Kanäle wird unser Produkt distribuiert? Da Handel auch in 30 Jahren nicht zu 100 % online passieren wird, braucht es eben auch eine klar formulierte Strategie, wie man mit dem Handel zusammen Erfolg haben will.

Welche Bedeutung hat in diesem Zusammenhang Nachhaltigkeit?

Das Thema Nachhaltigkeit wird in der Zukunft eine überragende Bedeutung haben und muss für die gesamte Wertschöpfungskette bis an den Ladentisch oder die Tür des Endkonsumenten transparent kommuniziert werden. Greenwashing wird auf Dauer nicht funktionieren. Am Ende aber gilt weiter: Das Produkt ist der Schlüssel zum Erfolg. Es wird immer mehr gelten: Be different or die…

Wie wichtig ist bei dieser Thematik die richtige Kommunikationsstrategie?

Eine klare Kommunikation ist der Schlüssel zum Erfolg. Wenn der Endkonsument die Marke (und auch der Handel muss eine Marke sein) nicht versteht oder erst gar nicht auf sie aufmerksam wird, gibt es auch keinen Kauf. Es geht um Sichtbarkeit und Begeisterung. Konsumenten müssen Fans sein von Handel und Marke und dafür gilt es, die richtigen Botschaften über die richtigen Kanäle zu senden. Ebenso ist es notwendig, sich in der Partnerschaft zwischen Industrie und Handel transparent zu positionieren. Der moderne Handel lässt nicht mit sich spaßen, wie man leicht an den Lieferantenrankings der Verbände ablesen kann. Gerade in der Kommunikation geht es um Digitalisierung. Social Media werden immer wichtiger und wer diese Klaviatur nicht beherrscht, wird scheitern.

Welche Schritte sollte die Branche in puncto Onlinehandel gemeinsam gehen?

Onlinehandel wird zunehmen, das ist keine Frage. Aber, wie oben schon erwähnt, wird Handel nur zu einem bestimmten Prozentsatz digital funktionieren. Wer sich mit Onlinehandel befasst, weiß, dass im Durchschnitt ein Paket 3 Produkte von zwei Marken enthält; kein gutes Omen für Monomarkenstores und B2C. In der Outdoorbranche gibt es keine Marke wie Zara oder Apple, deren Markenstores erfolgreich sind. Die jungen Menschen von heute sehen, wie die Städte veröden und der Paketverkehr kann im Kontext Nachhaltigkeit nicht punkten, sondern steht eher schlecht da.

Von daher gibt es genug Gründe für Industrie und Handel, hier gemeinsam Lösungen zu finden. Es geht um den „saubersten“ Weg des Produktes zum Konsumenten und der fährt sicher in Zukunft gerne mit dem Fahrrad in die Stadt, um einzukaufen oder vielleicht sein Paket abzuholen. Ich selbst lasse mich immer gerne „bedienen“.

Interview: Ralf Kerkeling

Zur Person:

Bernd Wodarz ist aktuell Area Manager D/AT für Montane. Davor arbeitete er u. a. als Head of Key Account bei Mammut.

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Autor: Ralf Kerkeling

Chefredakteur