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Tradition trifft Moderne

  • Nicolas Kellner
  • Mittwoch | 26. Januar 2011  |  12:00 Uhr
Eine Händler-Website ohne Online-Shop: Ist das möglich, beziehungsweise sinnvoll? Der Züricher Sporthändler François Och tritt den Beweis an und zeigt sich einmal mehr als Querdenker in einer manchmal hysterisch aufgepeitschten Online-Welt, in der es offenbar nur noch um Preise, Verkaufszahlen und Schnäppchen geht.

Der schon immer technikbegeisterte und dem Internet gegenüber aufgeschlossene Händler gab dem stationären Geschäft aber immer den Vorrang. Die nun weiter-entwickelte Website wird konsequent als Informations- und Image-Plattform eingesetzt und soll der stationären Beratung und dem Verkauf vor Ort in die Hände spielen.

Die Präsenz von www.ochsport.ch wurde Ende letzen Jahres überarbeitet und bietet seitdem einen Link zu ihrer ­Face­­book-Seite an. Der Händler will mit der Zeit gehen und über das vernetzte ­Social-Community-Angebot auch eine jüngere Zielgruppe ansprechen. Die Idee dazu kommt aus dem ­eigenen Haus. Denn dort arbeiten ­viele junge Verkäufer und Auszubildende. Damit gelingt es ihm, ein interessantes Gegen­gewicht zum traditions- und ­ge­schichts­trächtigen Sporthaus an der Bahnhofstraße, der bekanntesten und wichtigsten Einkaufsmeile in Zürich, zu setzen. Och Sport ist in fünfter Generation inhabergeführt und sah bereits zu früheren Zeiten prominente ­Kunden, ob Adelsgeschlechter oder Hollywood-Schauspieler, ein- und ausgehen. Mit der Website gelingt ein Balance-Akt zwischen Vergangenheit und Moderne. Der Kunde kann online die Firmenhis­torie nachlesen und über Facebook up to date sein: Zum Wintersaison-Auf­takt wurde z.B. eine Ski-Vernissage und ­Modenschau organisiert, die sich unter Facebook-Freunden sehr schnell herumsprach.

Auch der sportliche Aspekt kommt nicht zu kurz: Och Sport ruht sich nicht auf Erfolgsmeldungen aus. Im Gegenteil, sein sportliches Engagement und Leidenschaft zum Sport wird auf der Startseite in den Vordergrund gestellt. Ein Geheimtipp zum Thema neue Ski (z.B. ZAI-Ski) macht ebenso neugierig, wie die Ankündigung zu neuen Laufschuhen aus dem Hause Reebok. Persönliche Testerfahrungen von Och-Mitarbeitern können jederzeit online nachgelesen werden.

Die Optik

Die Website des Händlers sieht aufgeräumt und sehr übersichtlich aus. Die farbliche Hintergrund-Gestaltung, ein angenehmes Blau, ist durchgängig über alle Seiten gehalten. Der Schrift-Typus hebt sich gut ab und die Zeilenabstände sind groß genug, so dass dem Leser am Bildschirm keine überfrachtete und schwer lesbare Seite entgegenkommt. Überflüssige Wiederholungen durch verschiedene Infoleisten werden vermieden. Grundsätzlich große Bilder oder Abbildungen erhöhen den Lesekomfort. Kurz: Es macht einfach Spaß, auf die unterschiedlichen Seiten zu schauen, ohne das Auge zu überfordern.

Die Navigation

Och Sport kommt mit einer Navigationszeile aus, die auf der Einstiegsseite und den Unterseiten oben angesiedelt ist. Erfreulicherweise rangieren hier News an erster Stelle und diese sind aktuell: Ein wichtiges Kriterium für eine Website, die den User einladen soll, diese wieder zu besuchen. Dort findet er aktuelle Produktinformationen, Meldungen über Neuheiten im Geschäft, Einladungen zu Modeschauen oder kann Eintrittskarten gewinnen. Über die News-Seite findet der Besucher außerdem Zugang zum Allsport-Shop, den der Sporthändler 2009 als weltweit ersten in Zürich eröffnete. Unter Kurse und Trainer befinden sich Informationen zu den Bereichen Tennis und Nordic-Walking. Darüber hinaus gibt es Kontakt-Links zu weiteren Sportarten wie Aqua-Fit, Jogging oder Schwimmen. Neben Hintergrund-Informationen zur Sportart sind weitere Ansprechpartner, Telefonnummern und E-Mail-Kontakte aufgelistet. Mit wenigen Klicks kann sich der User umfassend informieren. Ein Wechsel zu „Sportarten“ oder in das Sortiment „Sportliche Mode“ ist jederzeit möglich. Von dort ist jeweils eine schnelle Navigation in Unterbereiche wie Kinderabteilung, Winterschuhe oder Freizeitschuhe möglich. Wer sich direkt über Marken informieren will, erhält eine alphalbetische Auflistung samt Internetadressen der von Och geführten Anbieter. Und wieder fällt angenehm auf, dass keine der angesteuerten Seiten überfrachtet oder mit nervösen technischen Spielereien belegt ist. Überschaubarkeit, Info-Angebot mit wenigen Klicks und eine schnelle Beweglichkeit stehen im Vordergrund.

Der Mehrwert

Der insgesamt sachliche Auftritt von Och Sport und die gestalterische Konsequenz auf allen Seiten ist sicherlich der größte Trumpf des Web-Inhaltes. Die Schlichtheit des Angebots hat unter technischen Gesichtspunkten den Vorteil, dass sich die Seiten schnell

aufbauen. Ebenso wird deutlich, dass der Händler seine Kunden lieber im stationären Laden haben möchte, wozu auch auf der Seite eingeladen wird.

Dass es keinen Online-Shop auf den Seiten des Händlers gibt, fällt nach einigem Surfen nicht mehr auf. Positiv dabei, dass kein Preis-Geschachere oder wildes Rotstift-Getöse nervt. Och Sport steht für sich alleine und informiert über Sportarten, Möglichkeiten der Ausübung, liefert Einkaufs-Tipps und Trendberichte, animiert zu Kauf oder Miete und hebt sich damit von anderen Web-Seiten der Sportbranche deutlich ab. Ein echter Mehrwert sind auch die übersichtlich gestalteten Tarife wie für Skimiete etwa, Größentabellen, ein Tauschprogramm, Angebot von Geschenkkarten und eben die erwähnte Facebook-Anbindung. Auch die Möglichkeit, die Website in vier Sprachen (neuerdings auch Russisch) lesen zu können, ist ein echter Usernutzen und zeigt, dass sich der Händler über seine Zielgruppe im Internet wirklich ­Gedanken gemacht hat.

Nicolas Kellner

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Autor: Nicolas Kellner

Dieser Artikel ist aus der Ausgabe: sport-FACHHANDEL Nr. 02 / 2011