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Superlative mit Vorsicht genießen

  • Anita Klingler
  • Freitag | 25. März 2011  |  10:58 Uhr
Werbung wirkt, heißt es. Ob die Wirkung positiv oder negativ ausfällt, hängt dabei unter anderem von ihrer Glaubwürdigkeit ab.

Ein Lob vorneweg: Sport Hauser Kaibling hat bei seinem Webshop im Grunde alles richtig gemacht: Eine schicke, moderne Site ohne viel Schnickschnack mit einer gut durchdachten Navigation; große Produktbilder mit Zusatzinformationen. Hier geht es nur um Feinheiten.

Kategorien verfeinern

Die Sitebetreiber haben sich sichtlich viele Gedanken gemacht, eine sinnvolle Navigation zu entwickeln. Das ist ihnen auch gelungen: Klickt man auf eine Kategorie, tauchen in der linken Spalte Punkte auf, anhand derer sie sich verfeinern lässt – Größe, Preis, Marke etc. Einzig in den Kategorien, in denen unterschiedliche Produkte zusammengefasst sind – etwa Sale – fehlt eine sinnvolle Zuordnung. Gerade im Abverkaufsbereich ist das schade, weil sich niemand durch 99-Seiten Produktbilder klickt (oder auch elf), wenn unklar ist, was sich dahinter alles verbirgt.

Skisport im Zentrum

Im Webshop von Sport Hauser Kaibling dreht sich alles ums Skifahren. Das macht schon die Hauptnavigation deutlich: Hier stehen neben den Kategorien Männer, Frauen und Kinder auch Skifahren, Skibekleidung, Skihelme und Skischuhe zur Auswahl. Zudem gibt es zwei Schaltflächen für Sonderaktionen – Sale – und andere Sportarten – Mehr. Dahinter verbergen sich Produkte, die in der Zwischensaison und im Sommer stärker in den Mittelpunkt rücken, etwa Ausrüstung für Läufer, Wanderer, Golfer und Volleyballer. Derzeit ist hier die Auswahl allerdings recht beschränkt.

Der Betreiber David Frühwirth hat sich offensichtlich dafür entschieden, lieber eine Sportart umfassend abzudecken, als viele verschiedene nur halb: ein gutes Konzept für Shops mit einem kleineren Lager. Wer sich insbesondere als Ski- oder auch allgemein als Wintersportler neu ausstatten will, findet bei Sport Hauser alles, was er braucht – von der Unterwäsche über die Oberbekleidung zu Ski, Schuh und

Accessoires. Auch Helme und Protectoren sind Teil des Programms.

Information mit Sinn

Zusatzinformationen sind ein Dienst am Kunden: Fast jeder ist froh darum, noch einmal erkärt zu bekommen, wo-rauf zu achten ist, um den passenden Skischuh online zu bestellen. Auch bei Produkten, die vielleicht wenig bekannt sind, lohnt sich eine Erklärung, wie sie funktionieren und wozu sie da sind – etwa beim Power-Balance-Band.

Hier haben die Website-Betreiber höchstwahrscheinlich den Pressetext des Herstellers kopiert. Der ist im konkreten Fall aber – wie zu oft – viel zu werblich. Presseaussendungen sollen ein Produkt interessant machen. Zu viel des Lobes macht es aber unglaubwürdig. Im Fall des Power-Balance-Bands weiß jemand nach dem Lesen des Textes noch immer nicht genau, was das Ding eigentlich kann – und warum man 40 EUR dafür ausgeben sollte. Stattdessen ist die Rede von „elektro-chemischen Prozessen“ (unter denen sich niemand etwas vorstellen kann), von einer „einzigartigen, geschützten Technologie“ (da freut man sich doch sehr, dass der Erfinder sich seine Technologie hat patentieren lassen) und von einem „Energiefeld, (das) einen harmonischen Kreislauf erzeugt, der den Energieumsatz verbessert“ (auch da versteht jeder bloß Bahnhof, aber immerhin: „Sofort spürbar beim ersten Kontakt!“). Auch schön: Als Synonym für das Produkt wird „Hologramm“

verwendet – nichts als heiße Luft?

Nur nicht zu werblich

Was hier freilich überspitzt formuliert wird, will darauf hinaus: Jeder weiß, dass ein Armband keine Wunder bewirkt und dass es sich beim nächsten Skischuh nicht um die Neuerfindung der Fußbekleidung per se handelt. Wenn sich im Text die Superlative überschlagen, macht dies das Produkt unglaubwürdig. Der Kunde träumt schließlich weniger vom „ultimativen Skivergnügen“, sondern von einem Schuh, der ihn nicht drückt und für seine Bedürfnisse geeignet ist. Er kann also mehr damit anfangen, wenn in der Beschreibung steht, dass der Schuh für schmale Füße geeignet ist, oder für einen hohen Spann.

Sie können Pressetexte freilich verwenden, wenigstens als Vorlage. Aber verschlanken Sie sie, wenn es Ihre Zeit zulässt. Nehmen Sie weg, wo zu viel ist. Dass Sie das allerbeste, allertollste und allergroßartigste Produkt haben und den genialsten Service liefern, können Sie Ihren Kunden mit Sicherheit auf subtilere Weise nahebringen.

Praktisch denken

Bei Sport Hauser sind nur die Bilder mit einem Link hinterlegt, der zur detaillierten Produktbeschreibung führt. Aus reiner Gewohnheit vermutet man den Verweis aber zunächst hinter dem Produkttitel. Hier könnte der Betreiber zusätzlich den Produktnamen verlinken und es Nutzern so noch einen Tick einfacher machen.

Anita Klingler

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Autor: Anita Klingler

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Dieser Artikel ist aus der Ausgabe: sport-FACHHANDEL Nr. 07 / 2011