• sportFACHHANDEL – Das Insider-Magazin mit News · Fakten · Hintergründen

Im Internet hat die fünfte Jahreszeit begonnen

  • Markus Huber
  • Mittwoch | 23. Februar 2011  |  12:49 Uhr
Zehn Jahre nach dem Launch des Kundenmagazins 4-seasons ließ Globetrotter anlässlich der Ispo den Start der Online-Version 4-seasons.de folgen. Das Konzept: Der Hamburger Händler verzahnt diesen Auftritt vollständig mit seiner eigenen Versandseite globetrotter.de, dem Internet-Fernsehen 4-seasons.tv und seiner Plattform für Reisefans, reiseberichte.com.

Vor zehn Jahren stieg Globetrotter in das Geschäftsfeld ein, was man auf Neudeutsch „Corporate Publishing“ nennt: 4-seasons ist ein Printmagazin, das den Händler bewirbt, ohne das Geschäftsinteresse des Filialisten und Versenders in den Vordergrund zu stellen. Wichtiger sind die Themen, die die ­Out­door-Gemeinde bewegen: Reise-berichte, Kauftipps und jede Menge ­Spezialthemen rund um Aktivitäten in der freien Natur. Inzwischen bezeichnen die Hanseaten das Magazin ­selbst­bewusst als größtes Outdoor-Magazin ­Europas, das vier Mal im Jahr mit einer Auflage von 452.000 Exemplaren ­erscheint. Mit von der Partie ist mit ­einer eigenen Version der Schweizer ­Händler Transa, an dem sich Globetrotter ­einer Minderheits-Beteiligung sicherte.

Seit 8. Februar ist nun der Internet-Auftritt des Magazins online. Bislang stellten die Macher des Magazins rund um Stephan Glocker, einem Urgestein der Outdoor- und Kanu-Presse, gewissermaßen als Visitenkarte mehr oder weniger das gedruckte Medium ins Internet und wollen nun deutlich mehr: Eine ganzheitliche Informations-Plattform rund um das Thema Outdoor, die selbstverständlich die anderen hauseigenen Tools promoten soll.

Dazu gehören das Internet-Fern-sehen von 4-seasons.tv, das Portal reiseberichte.com und selbstverständlich globetrotter.de, das Web-basierte Verkaufsinstrument des Händlers.

Glocker betont, dass 4-seasons.de keineswegs das TV-Format bei 4-sea-sons.tv ersetzen soll. Offenbar hat der Anbieter mit seinem Internet-Fernsehen, das von seinem Filmangebot direkt auf Produkte bei globetrotter.de umleiten kann, wenn es der Kunde wünscht, ordentliches Geld verdient. 4-seasons.tv ist seit drei Jahren am Start und steuert bereits jährlich circa 1 Mio. EUR Umsatz zu den Erlösen des Händlers bei. Im Durchschnitt bedeutet das 8 EUR pro User, der den Weg von 4-seasons.tv zu globetrotter.de gefunden hat.

Der Auftritt

Der Trick an 4-seasons.de ist, dass nur dem konzentrierten Nutzer auffällt, dass die Seite eng mit Globetrotter verknüpft ist. Darin liegt der Schlüssel beim Corporate Publishing der Moderne: Irgendwie steht das Verkaufs-Interesse des Händlers dezent im Raum, ohne dass das Medium wie eine Werbe-Postille wirkt. Auf Globetrotter als Händler wird gewissermaßen mit aufreizend hanseatischer Bescheidenheit mit einem kleinen Reiter hingewiesen – in gleichberechtigter Dreifaltigkeit mit den zunächst Profit-neutralen Angeboten reiseberichte.com und 4-seasons.tv.

Der übrige Gesamteindruck lässt darauf schließen, dass die Macher sich auf Sauberkeit konzentriert haben: Im Mainframe laufen die Reportagen herunter, die für eine Unabhängigkeit des Mediums stehen oder zumindest eine solche suggerieren: Natürlich gibt es Geschichten, die von befreundeten Lieferanten wie Bergans oder Hanwag inspiriert wurden (Stand: 20.02.2011). Dazu kommen Anzeigen, die von anderen Geschäftspartnern gestiftet wurden (hier: Salewa). Darüber hinaus bietet das Mainframe Artikel an, die entweder – ganz logisch – sowieso von der Redaktion von 4-seasons im Printmedium verwendet wurden oder solche, die „geklaut“ sind. Die Seite hat überhaupt keine Probleme damit, Inhalte zu übernehmen, die von anderen Medien besser gemacht wurden, als dass es 4-seasons selbst gekonnt hätte. Die „Surftipps“-Rubrik stellt auch klar heraus, wo diese Stories herkommen. Das ist ehrlich, und erhöht damit den Anschein und/oder den Anspruch auf Unabhängigkeit. Sehr geschickt gemacht.

Die Navigation

Die Orientierung bei 4-seasons.de ist einfach. Wir stehen auf dem Standpunkt: „Weniger ist mehr“, und da hat die Seite ihre Hausaufgaben gemacht. Neben den Reitern, die die hauseigenen-befreundeten Seiten bewerben (siehe oben), beschränkt sich 4-seasons.de auf wenige Hauptkriterien wie: „Rubriken“, „Magazin“, „Interaktiv“, „Wir“. Und damit hat es sich. Die Suchfunktionen sind professionell, man begnügt sich auf der Startseite mit ein paar wenigen Gimmicks wie „Geo-Navigation“: Der Leser kann sich seine Themen auch über eine Weltkarte

he­raussuchen.

Der Mehrwert

Selbstverständlich haben die meisten mittelständischen Unternehmen nicht die Ressourcen wie Globetrotter, ein vergleichbares Medium auf die Beine zu stellen. Das braucht es auch nicht. Entscheidend ist das Beispiel 4-seasons.de für jeden Verkäufer in einem ganz anderen Sinn: Wie kann ich mich an meinen Kunden wenden, ohne ihm prompt die Nachricht vermitteln zu wollen, dass ich ihm was verkaufen mag? Diesen Spagat schafft Globetrotter mit 4-seasons.de und dem damit verbundenen Printmagazin vorbildlich. Diese abstrakte Form der Kundenbindung und Gewinnung neuer Kunden sind ein Modell der Zukunft, das der mittelständische Händler „im Kleinen“ auch umsetzen kann. Weniger aufwändige Medien wie Facebook sind ein Schlüssel dazu. mh

Autor: Markus Huber

Dieser Artikel ist aus der Ausgabe: sport-FACHHANDEL Nr. 05 / 2011