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Halten, nicht würgen

  • Anita Klingler
  • Mittwoch | 02. Februar 2011  |  07:58 Uhr
Die Konkurrenz im Web ist hart. Umso wichtiger ist es, dass sich Nutzer in einem Onlineshop wohlfühlen. Sonst sind sie schneller wieder weg, als die Startseite zum Laden braucht.

Aufmerksamkeit ist im Web ein wertvolles Gut, womöglich gar das wertvollste. Sites sind schnelllebig, sie tauchen auf und teilweise recht rasch wieder unter. Auch die Fülle an Webshops ist schier unergründlich. Die erste Hürde haben Sie also schon genommen, wenn Nutzer auf Ihrer Site landen. Als nächstes gilt es jedoch, sie möglichst lang darauf zu halten. Erste Faustregel: Machen Sie es Ihren Kunden so einfach wie möglich. Sportsprofi.com geht einen ungewöhnlichen Weg, was die Präsentation seiner Produktpalette angeht. Auf oberster Ebene gibt es zunächst nur die Auswahl zwischen zwei Kategorien: Sommersport und Wintersport. Erst ein Klick darauf fördert ein umfangreiches Angebot zu verschiedenen Sportarten zu Tage, das sich weiter verzweigt. Hier würde sich ein Pop-up-Menü per Maus-over anbieten. Auch ein ausklappbares Menü wäre möglich. So ließe sich ein Überblick über das gesamte Angebot geben, ohne dass Nutzer die Startseite verlassen müssen. Die Suche von Sportsprofi.com ist fix und funktioniert erfreulich gut. Allerdings öffnen sich keine Unterkate-

gorien, weshalb Nutzer den Umweg über die Kategorien gehen müssen, wenn sie nach weiteren Angeboten suchen wollen.

Blockieren bringt nichts

Die Konkurrenz im Web ist immens. Oberstes Ziel ist es also, niemanden von der eigenen Site zu verscheuchen, der einmal darauf gelandet ist. Ein sicheres Mittel, um Nutzer rasch wieder loszuwerden, lässt sich in diversen Programmiererforen nachlesen: die rechte Maustaste blockieren. Website-Betreiber versuchen so, ihre Bilder, ihre Texte oder auch ihren Quelltext zu schützen. Manche – dazu gehört Sportsprofi.com – blockieren das Kontextmenü gleich ganz.

Fakt ist: Blockieren bringt nichts. Hier liegt der Hund in der Natur des Netzes begraben – es gibt immer einen Weg drum herum. Auch wenn das Kontextmenü blockiert ist, lässt es sich mit ein paar Tricks leicht aufrufen. Bilder und Texte können zudem ohne Probleme anderweitig geklaut werden, etwa per Screenshot. Windows 7 liefert dazu beispielsweise ein eigenes Miniprogramm, das Snipping Tool. Wem das zu umständlich ist, der benutze doch einfach die Print-Taste auf der Tastatur. Die erstellt einen Screenshot des gesamten Bildschirms. Auch an den Quelltext kommt jemand, der sein Handwerk im Ansatz versteht, ohne Probleme heran. Und Texte lassen sich notfalls abtippen.

Nur nicht ärgern

Sie wollen Ihre Inhalte schützen? Die Antwort ist einfach: Stellen Sie nichts ins Netz. Eine blockierte rechte Maus-taste hält niemanden vom Klauen ab. Viel schlimmer ist jedoch: Eine blockierte rechte Maustaste nervt, und zwar tierisch. Sie macht es unmöglich, einen Link in einem zweiten Fenster oder zweiten Tab zu öffnen, was bei externen Links den unerwünschten Nebeneffekt hat, Ihre Nutzer sofort von Ihrer Site zu schmeißen. Wer etwa auf eine der auf der Startseite prominent platzierten Preisvergleichs-Sites klickt, ist sofort weg vom Fenster, was nicht Sinn und Zweck sein kann. Dieses Problem ließe sich auch anderweitig umgehen – indem Sie zumindest Ihre externen Links automatisch in einem neuen Tab öffnen (Schema: Sportsprofi.com). Trotzdem: weg mit der Blockade der rechten Maustaste. Die macht nämlich auch das Vergleichen von Produkten unnötig kompliziert. Ein Beispiel:

Ich suche nach einer Snowboard-Bindung. Nachdem ich die richtige Kategorie gefunden und mir ein paar interessante Modelle ausgesucht habe, möchte ich mich noch einmal rückversichern, dass ich auch die richtige Größe bestelle – und klicke auf die Informationen. Leider habe ich keine Möglichkeit, die Seite in einem neuen Tab zu öffnen, weil wie gesagt das Kontextmenü blockiert ist. Also habe ich zwei Möglichkeiten: Ich verlasse entweder die aktuelle Seite – und meine in mühsamer Klickarbeit ausgewählten Snowboard-Bindungen verschwinden – oder ich mache einen leeren Tab auf, tippe die Adresse in die Browserzeile ein und rufe die Informationsseite auf. Zu umständlich? Mit Sicherheit! Vor

allem aber schade, weil so vermutlich einige Nutzer von der Site verschwinden, und was noch schlimmer ist: Nicht wiederkommen.

Auch online top infomiert

Schade ist es vor allem deshalb, weil Sportsprofi.com den Eindruck macht, sich wirklich um seine Kunden zu kümmern. Auf der Seite „Wir über uns“ heißt es etwa: „Sollten Sie einen bestimmten Artikel nicht in unserem Shop finden nutzen Sie die Möglichkeit des Anfrage-Buttons auf unserer Startseite und wir versprechen Ihnen, dass Sie innerhalb von 24 Stunden von uns ein detailliertes Angebot bekommen werden. Nach Bestätigung durch Sie stellen wir Ihnen dann Ihren speziellen Artikel umgehend online.“

Das ist ein Service, den nicht jeder bietet. Stellen Sie Ihre Qualitäten ruhig mehr in den Mittelpunkt.

Anita Klingler

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Autor: Anita Klingler

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… mit den in diesem Artikel genannten Firmen und Personen liegen derzeit nicht vor.

Dieser Artikel ist aus der Ausgabe: sport-FACHHANDEL Nr. 03 / 2011