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Ein schlichtes Gemüt

  • Markus Huber
  • Freitag | 03. Dezember 2010  |  09:35 Uhr
In den vergangenen Ausgaben haben wir immer wieder gerne Online-Shops untersucht, die kräftig Gas geben in Sachen Social Media, Networking, Cross-Selling und allem, was so zum modernen ­Marketing offenbar dazugehören muss.

Für heute haben wir uns zur Abwechslung einen Shop ­vorgenommen, der auf all das inzwischen selbstverständlich gewordene Beiwerk verzichtet und sich zu 100% auf eine Sache konzentriert: das Verkaufen. Ski-outdoor-shop.de ist an schlichter Klarheit kaum zu überbieten.

Wer Genaueres über die Firma wissen will, die hinter dem Anbieter steckt, muss schon viel Liebe für Kleingedrucktes mitbringen. Einen Reiter „Wir über uns“ oder dergleichen hat man sich geschenkt, und unter Informationen rechts in der Spalte, nur das rechtlich unbedingt Nötige angebracht wie die AGBs, Datenschutz-Hinweise und das Impressum. Im Impressum lernt man dann doch, dass es sich um eine Firma Bergsport Bauer aus Passau handelt. Dazu gibt’s auch den bescheidenen Verweis auf eine Internet-Seite bergsportbauer.de. Auf dieser Seite hat es dann bei „Unternehmen“ immerhin zu drei Fotos gereicht, auf denen die Macher abgebildet sind. Die drei jungen Männer betreiben auch das Portal skigebiete-test.de, ein nach eigenen Angaben unabhängiges Medium, aus dem der Nutzer kostenlose Testberichte über Skigebiete aus aller Welt herausziehen kann.

Von alledem hätten wir bei der Durchsicht von ski-outdoor-shop.de nichts geahnt, hätten wir uns nicht das Impressum zu Gemüte geführt. Dass der Händler von Cross-Marketing zwischen seinen verschiedenen Angeboten nichts hält, ist seine Sache, und wir sind ja auch grundsätzlich Freunde von Internet-Seiten, die auf volltönende Selbstdarstellung verzichten. Aber ein bisschen mehr Info über das Unternehmen würde dem Shop gut tun, denn Anonymität sollte nicht die oberste ­Tugend eines Internethändlers sein.

Insgesamt beschränkt sich das Eigenmarketing auf ganz wenige Module wie die „Happy Card Gold“ und das Qualitätssiegel der sicheren SSL-Verschlüsselung. Das ist zwar nichts Außergewöhnliches, strahlt aber ­Seriosität aus, denn der Nutzer wird verschont von selbstverliebten Flashs, Buttons, Sounds und Bannern.

Der erste Eindruck

Und hier liegt ganz gewiss das Pfund, das die Seite auffährt: Bei der Gestaltung der Webseite wurde größter Wert auf Schlichtheit und Klarheit gelegt. Die rechte Spalte listet die Service-Tools auf. Dazu gehören Informationen zu Versandkosten und Geschenkgutscheinen, der Log-in für Kunden, Hinweise auf Schnäppchen sowie neue Produkte und dergleichen üblicher Instrumente mehr. Die linke Spalte ist gleichermaßen übersichtlich gestaltet und bringt neben einer Schnellsuche eine klar ­­de­signte Auflistung der Ware – zunächst nach Produktkategorien und weiter unten nach Lieferanten.

Der Mittelteil entspricht der linken Spalte mit der sauberen Gliederung nach den wesentlichen Produktkategorien und einer nachrangigen Untergliederung der diesbezüglichen Marken. Imagebilder gibt es, aber auf ­Actionfilmchen und ähnliches Mäusekino wird komplett verzichtet.

Ski-outdoor-shop.de glänzt beim ersten Eindruck auch nicht mit scharfen Preisen als übergeordnetes Marketing-

Instrument. Der User muss schon ein wenig herunter scrollen und landet dann durchaus bei heruntergesetzten Produkten. Dem Markt entsprechend treffen Aktionspreise vornehmlich Ski und weniger Bekleidung und andere Produkte. Aber auch diese Preisnachlässe sind eher elegant und schlicht dargestellt und machen nicht im prominenten Media-Markt-Stil auf sich aufmerksam.

Was uns besonders gut gefallen hat: Ski-outdoor-shop.de kommt mit einer sehr transparenten Preisliste für die Versandkosten daher. Und die Preise sind fair: Für den Versand innerhalb Deutschlands kostet das Handling ­6 EUR bei einem Bestellwert bis

75 EUR. Wer mehr ausgeben will, zahlt für den Versand gar nichts. Das ist vor allem für einen Skihändler durchaus bemerkenswert. Die Kunden aus den meisten Nachbarländern zahlen pauschal 7,50 EUR. In die Schweiz geht es nicht ganz so billig, und hier hängt der Preis vom Gewicht ab. Auf der anderen Seite sparen sich unsere Freunde aus der Schweiz und aus Liechtenstein die Mehrwertsteuer, was auf der Seite klar herausgestellt wird. Die Kosten für Porto und Verpackung sind für den Endkunden von Versandhändlern gerne eine versteckte Kostenfalle, aber ­ski-out­door-shop.de macht hier keine Fehler. Der Kunde kann einfach nachvollziehen, welche Kosten auf ihn zukommen, ohne dass er irgendwas bestellt.

Das Handling

Die schlichte Strukturierung der Internetseite führt zu einem schnellen Kauf. Der Händler hat nach unserem Geschmack ein gutes Augenmaß für die Detailliertheit der Produktinformationen: nicht zu wenig und nicht zu viel. Beim Kauf muss man sich selbstverständlich anmelden. Die hier geforderten Angaben sind okay, auch wenn der Autor als bekennender Datenschutz-Fetischist es nicht mag, wenn sein Geburtsdatum abgefragt wird.

Gut gemacht ist die simple Abfrage der Daten, die für die „Voreinstellung“ der Bindung gefordert werden: Körpergröße, Gewicht, Sohlenlänge usw. Auffällig ist die Auswahl der Bezahlungs-Möglichkeiten. Der Händler beschränkt sich auf Vorauskasse, Nachnahme (zu üblichen 6,95 EUR) und das elektronische Lastschriftverfahren. Von einer Kreditkarte keine Spur, was nicht mehr zeitgemäß ist.

Ohne Schleifen und Schnörkel

Unterm Strich gefällt uns die Seite sehr gut, denn sie pfeift auf jedes Drumherum und konzentriert sich aufs Verkaufen. Hier scheiden sich freilich die Geister: Gerne wird in der Branche gesagt, dass es sich bei Sport um Emotionen dreht. Wer große Gefühle sucht, wird von ski-outdoor-shop.de wahrscheinlich enttäuscht sein, und es stellt sich die Frage, ob der Versender hier nicht ein wenig nachbessern sollte, um auch eine emotional gestrickte Käuferschicht zu erreichen. Allen Kunden, die einfach nur eine effiziente Punktlandung fürs Einkaufen erreichen wollen, dem sei die Seite wärmstens ans Herz gelegt. mh

Autor: Markus Huber

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… mit den in diesem Artikel genannten Firmen und Personen liegen derzeit nicht vor.

Dieser Artikel ist aus der Ausgabe: sport-FACHHANDEL Nr. 28 / 2010