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Unterwegs spielt alle Register des E-Commerce

  • Nicolas Kellner
  • Donnerstag | 16. Juli 2015  |  15:45 Uhr
2003 stieg die Unterwegs-Gruppe in das Thema Web-Shop ein. Da gab es den Globetrotter-Online-Shop schon sieben Jahre, Amazon startete gerade auch mit Sport in Deutschland durch und Google war noch gar nicht geboren. Es gibt also einiges zu erzählen in Sachen E-Commerce, wie sich im Gespräch mit Ance Westermann, Online-Chefin bei Unterwegs, schnell herausstellt.

Interview: Nicolas Kellner

sportFACHHANDEL: Frau Westermann, welchen Stellenwert hat das Medium Internet für heute für „Unterwegs“?

Ance Westermann: Der Online-Shop ist sehr wichtig für uns als Ergänzung zum Ladengeschäft. Das erwartet heute jeder, zumindest, dass man online erreichbar ist und bestellen kann. Wir haben natürlich über das Internet noch zusätzliche Angebote wie Facebook, Newsletter und auch Nachrichtenseiten, auf denen sich die Kunden auch einfach nur informieren können. Damit ist das Internet für uns nicht nur ein Abverkaufskanal, sondern auch ein Kommunikationsmittel.

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Ance Westermann lenkt und leitet in Sachen E-Commerce
© Unterwegs

Gibt es ein Team, das sich speziell darum kümmert?

Wir verfügen über eine eigene Redaktion mit vier Redakteuren alle in Vollzeit. Alle Produktbeschreibungen werden individuell gemacht. Die werden auch nicht einfach abgeschrieben, copy and paste gibt es bei uns nicht. Also, es gibt genug Arbeit, da die unterschiedlichen News-Kanäle auch noch befüllt werden müssen. Desweiteren gibt es eine Online-Marketing-Kollegin, die sich auch um die Kooperation mit anderen Newsseiten kümmert. Wir versuchen, unsere Erfahung aus den Läden zu nutzen sowie die Produkttexte unseren Kunden anzupassen. Wir wissen ja, wer bei uns einkauft. Genau die haben wir im Hinterkopf, wenn wir unsere Produktbeschreibungen erstellen und das so individuell wie möglich machen.

Was macht denn den Webshop von Unterwegs aus? Und wo liegen Unterschiede zu anderen E-Commerce-Betreibern?

Es gibt unseren Web-Shop seit 2003. Wir finden, dass sich alle relevanten Onlineshops im Outdoorbereich ähneln. Die Zielrichtungen unterscheiden sich, einige sind klar auf Bergsport ausgerichtet - auch von den Marken her. Wir haben dafür mehr skandinavische Firmen im Programm und gehen mehr in Richtung Reiseausrüstung. Für uns ist sehr wichtig, dass die Filialen mit integriert sind. Die Kunden sollen Informationen zu den Standorten und Filialen und rund um die jeweiligen Geschäfte finden. Das ist heute teilweise gar nicht mehr selbstverständlich. Im Laufe des Jahres aktualisieren wir alles noch einmal. So möchten wir künftig eventuell mehr Fotogallerien und Videos einführen, damit die Kunden sich ein noch besseres Bild von den Läden vor Ort machen können und wie es wäre, dort einzukaufen.

Das ist ja auch schon ein Mehrwert, den Sie bieten …

Ja, weil der User bei uns sehr umfangreiche Informationen findet auch über die Newslettetter und Produktberatungen hinaus. Das haben andere sicher auch, aber bei uns kann der Kunde auch einfach nur stöbern. Es gibt zudem Reiseberichte von Kunden und ein Wanderforum, wo man Wanderpartner suchen.

Gibt es auch B2B-Aktivitäten von Ihnen?

Es gibt immer mehr BtoB-Portale seitens der Hersteller und die nutzen wir auch zusätzlich und gerne. Das wird auch immer konfortabler und spart natürlich Zeit. Kundenanfragen können wir so schneller beantworten.

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Die Online-Shop-Zentrale von Unterwegs in Wilhelmshafen.
© Unterwegs

Wie groß ist der logistische Aufwand hinter dem Webshop? Wie wichtig sind Technologie, aber auch menschlicher Einsatz?

Das ist in der Tat gar nicht so wenig. Wir haben eine sehr gute Warenwirtschaft, die ein chaotisches Lagerplatzsystem beinhaltet. Das ist unser Kernstück und platzsparend und für die Kommissionierung wegeoptimiert. Das unterstützt diejenigen Mitarbeiter, die die Ware noch per Hand heraussuchen, und damit die kürzesten Wege gehen können, um eine Bestellung zu bearbeiten. Wenn Teile nicht aus dem Lager für den Online-Shop verfügbar sind, dann werden die Filialen eingeschaltet. Es besteht ein guter Warenaustausch zwischen unserem großen Lager und den Läden. Im Onlineshop haben wir rund 40 Mitarbeiter. Die sind natürlich auch sehr wichtig, man kann nicht immer nur alles automatisieren.

Wie erfolgt die Sortimentsgestaltung online? Wie planen Sie online, wie stationär?

Unsere Einkäufer sind sowohl für das Online-Geschäft als auch für die stationären Läden zuständig. Grundsätzlich überschneidet sich das Sortiment zu 90 bis 95 Prozent. Nur Ausnahmen gibt es rein im Online-Shop, wie gesagt höchstens 5 Prozent. Alles, was wir in den Läden haben, ist auf jeden Fall auch online.

Kann man sicherstellen, dass es durchgängig die gleichen Preise gibt?

Das ist ganz wichtig. Wir haben keine unterschiedlichen Preise zwischen online und offline. Unserer Meinung nach würde das auch wenig Sinn machen. Wir legen grundsätzlich auch Wert darauf, preisstabil zu sein. Wir verkaufen Saisonware und alles, was aktuell ist, immer zum UVP der Hersteller. Das ist ja nicht mehr selbstverständlich – vor allem online nicht.

Wie groß ist Ihr Einzugsgebiet?

Wir sind deutschlandweit sehr gut vertreten. Internationale Bestellungen liegen bei 6 bis 7 Prozent. Der Großteil davon entfällt auf Österreich und den deutschsprachigen Raum, Wir verschiffen aber auch international.

Wie kann man sich profilieren im Meer der zahlreichen Anbieter? Das ist ein wichtiger Punkt. Unsere Produkttexte schreiben wir halt für die Kunden und nicht für die Suchmaschinen. Manche Fülltexte eigenen sich eventuell dafür. Unterstützung erhalten wir von einer externen Agentur. Ganz wichtig bleiben außerdem Google Adwords. Das ist schon erstaunlich, welcher Traffic daraus entsteht. Ansonsten wird es immer schwieriger, ein Alleinstellungsmerkmal im Netz aufzubauen beziehungsweise immer auf die vordersten Plätze bei der Suche zu kommen. Wir haben aber auf jeden Fall immer den Endkunden im Kopf, wenn wir Produkte beschreiben oder Geschichten rund um Outdoor erzählen.

Gibt es Online-Kooperation mit Herstellern?

Wir bieten Gewinnspiele mit den Herstellern oder haben Tipps des Monats in Absprache mit den Anbietern. Das Gute ist, dass wir die Möglichkeit haben, das auch in den Schaufenstern der Filialen weiterzuführen. Die Reichweite für gemeinsame Events ist also nicht nur online groß, sondern erweitert sich noch durch unsere 17 Standorte. Das kann auch nicht jeder der Mitbewerber bieten. Die Hersteller nehmen das jedenfalls sehr gerne auf. Die Anbieter sind darüber hinaus gerne auch selber in den Filialen vor Ort und kommen in Kontakt zum Endverbraucher. Das funktioniert sehr gut und ist erfolgreich.

Welche Trends will und kann Unterwegs setzen?

Wir glauben, richtige Trends kommen eher von den Herstellern was Produkte angeht. So groß sind wir dann auch noch nicht. Wir sind bodenständig, sehr kundenorientiert und umweltbewusst, was wir auch zeigen wollen. Das ist unser Trend, unser Job.

Vielen Dank für das Gespräch.

Immer auf Achse

Unterwegs ist eine Firmengruppe von Outdoor-Fachgeschäften, die ihren Ursprung 1987 in Wilhelmshaven hat. Zunächst als reines Einzelhandelsgeschäft gegründet, führte das auf Service, Qualität, Fairness und Vielfalt fußende Angebot zum schnellen Wachstum. Mittlerweile gibt es 17 Standorte von Unterwegs hauptsächlich im Norden der Bundesrepublik. Ance Westermann leitet den Bereich E-Commerce und Marketing für die gesamte Unterwegs-Gruppe. Nach dem Studium der Anglistik und Sportwissenschaften stieg sie über Jack Wolfskin und Blackfoot Outdoor in die Branche ein. 2011 startete die begeisterte Bikerin und Bergsportlerin als Online-Redakteurin bei Unterwegs.

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Autor: Nicolas Kellner

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Dieser Artikel ist aus der Ausgabe: sport-FACHHANDEL Nr. 10 / 2015