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Sporthändler MEC im „ONLINE-TÜV“: Understatement vom Feinsten

  • Andreas Mayer
  • Mittwoch | 27. August 2014  |  08:24 Uhr
Überall blinkt es, brüllt und fiept es im Netz. Doch es geht auch leiser. Wie man im Internet besonders stilvoll leise sein kann, zeigt der kanadische Sportshop und Filialist MEC unter www.mec.ca

1971 hat eine Gruppe von Westküsten-Bergsteigern beschlossen, eine andere Art von Geschäft aufzuziehen“: So beschreiben die Gründer von mec.ca die Wurzeln ihres Shops. Vier Kletterer, die – aus der Not geboren – ihr eigenes Ding machen. Anfang der 1970er-Jahre war es nämlich in Vancouver nicht besonders weit her mit Läden, in denen man Kletterausrüstung kaufen konnte.

MEC betreibt 17 Ladengeschäfte sowie seit 2001 einen Online-Shop. Seine 2002 eröffnete Filiale in Winnipeg wird zum energieeffizientesten Laden Kanadas gewählt.

Wer bei MEC shoppen möchte, muss sich zuerst in die Kooperation einkaufen. Immerhin ist eine lebenslange Mitgliedschaft durchaus erschwinglich: Sie schlägt mit gerade einmal fünf kanadischen Dollar zu Buche.

Subtil und elegant: MEC begrüßt seine Nutzer mit großflächigen Fotos, auf denen – anders als bei vielen anderen Händlern – nicht die Ware im

Zentrum steht: Da stürzt sich jemand im Kajak einen kleinen Wasserfall hinunter. Von welcher Marke sein T-Shirt oder sein Boot sind, lässt sich kaum erkennen.

Natürlich will auch MEC verkaufen. Deswegen wartet unterhalb der Fotos eine klassische Artikelübersicht. Bis ein Nutzer nach unten scrollt, hat ihn der Händler allerdings längst gepackt – und zwar über seine Emotionen. Ausdrucksstarke, nicht offensichtlich werbliche Bilder machen Lust auf „Draußen“: ein schlauer Zug.

Reduziert und klar: Auch die Maus-Over-Navi von MEC hat sich ein helles Köpfchen einfallen lassen. Statt die vertriebenen Marken etwa als eigenen Navi-Punkt anzuzeigen, erscheinen die für eine Kategorie relevanten Marken unterhalb der Unterkategorien.

Daneben besitzt der MEC-Webshop einen großen Community-Bereich und informiert beispielsweise über interessante Events. Der Händler fungiert zum Teil selbst als Veranstalter – und integriert diese Programmtipps in seine Shop-Navigation.

MEC macht seine eigenen Regeln: Nutzer haben die Möglichkeit, Artikel zu beschreiben und zu bewerten. Zu jedem Produkt gibt es in der Artikel-ansicht zudem einen Reiter „Fragen & Antworten“, in dem die Betreiber sowie Kunden auf die Fragen von Nutzern eingehen.

Die Betreiber bieten auf ihrer Website darüber hinaus umfangreiches Know-how, Produkttests und Hintergrundinformationen an – immer mit dem Ziel, Kunden an ihren 40 Jahren Erfahrung teilhaben zu lassen.

Ein Extrapunkt beschäftigt sich mit der Philosophie des Unternehmens. Die Shopbetreiber machen transparent, wie sie mit Ressourcen umgehen und woher die Rohstoffe für ihre Produkte stammen. Ein „Accountability Report“ legt offen, wie der ökologische Fußabdruck der Firma aussieht und welche Ziele sie sich gesteckt hat.

Einkaufen mit gutem Gewissen: Je länger man sich auf der Website von MEC tummelt, desto mehr bestätigt sich der erste positive Eindruck. Nur wenige Shopbetreiber bemühen sich so stark um Transparenz und Information.

Bemerkenswert sind etwa Kleinigkeiten wie die Zusatzinformation, wo ein Artikel gefertigt wurde. Das gilt für jedes Produkt – egal, ob es sich um eine Hose, einen Schlafsack oder wiederaufladbare Batterien handelt. Zu schade nur, dass der Händler einige Produkte nur innerhalb von Kanada verschickt. Anita Klingler

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MEC setzt auf Emotionen statt auf Marken.
Mayer

Autor: Andreas Mayer

Chefredakteur sportFACHHANDEL / Wanderlust / SkiMAGAZIN

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