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Kartellamt leitet Missbrauchsverfahren gegen Amazon ein

  • Marcel Rotzoll
  • Freitag | 30. November 2018  |  12:59 Uhr
Nach zahlreichen Beschwerden von Marketplace-Händlern wird das Bundeskartellamt die Geschäftsbedingungen und Verhaltensweisen von Amazon gegenüber den Händlern auf dem deutschen Marktplatz amazon.de überprüfen.

Die Beschwerden betreffen möglicherweise missbräuchliche Geschäftsbedingungen und damit zusammenhängende Verhaltensweisen von Amazon, unter anderem Haftungsregeln zu Lasten der Händler im Zusammenhang mit Gerichtsstand- und Rechtswahlklauseln, Regeln zu Produktrezensionen, intransparente Kündigungen und Sperrungen von Händlerkonten, Einbehalt von Zahlungen und verzögerte Auszahlungen, Klauseln zur Einräumung von Rechten an dem vom Händler bereit zu stellenden Produktmaterial sowie Geschäftsbedingungen zum paneuropäischen Versand. Diesen Verdachtsmomenten wolle das Bundeskartellamt nun im Rahmen einen so bezeichneten Missbrauchsverfahren nachgehen. Möglich ist die, weil dem Kartellamt „Anhaltpunkte vorliegen“, „dass Amazon über eine marktbeherrschende Position verfügt oder dass die Händler von Amazon abhängig sind“. Dies werde nun näher geprüft und ermittelt.

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Kartellamt vs. Amazon: Geht hier alles mit rechten Dingen zu? Das Bundeskartellamt wirft einen genauen Blick auf Amazons Geschäftspraktiken. Viele Händler seien von dem Marktplatzbetreiber und seinen Dienstleistungen abhängig. Im Bild: Das Amazon-Lager in Leipzig.
© Amazon

Andreas Mundt, Präsident des Bundeskartellamtes, kommentiert: „Amazon ist selbst der größte Online-Händler und das Unternehmen betreibt den mit Abstand größten Online-Marktplatz in Deutschland. Viele Händler und Hersteller sind beim Online-Vertrieb auf die Reichweite des Amazon Marktplatzes angewiesen. Amazon fungiert so als eine Art „gatekeeper“ gegenüber den Kunden. Die Doppelrolle als größter Händler und größter Markplatz birgt das Potential für Behinderungen von anderen Händlern auf der Plattform. Aufgrund der vielen uns vorliegenden Beschwerden werden wir prüfen, ob Amazon seine Marktposition zu Lasten der auf dem Marktplatz tätigen Händler ausnutzt. Die Geschäftsbedingungen und Verhaltensweisen von Amazon gegenüber den Händlern werden damit umfassend auf den Prüfstand gestellt.“

Zuvor hatte bereits die Europäische Kommission im Sommer 2018 Untersuchungen zu Amazons europäischen Marktplätzen begonnen, die vor allem die Erhebung und die Nutzung von Transaktionsdaten durch Amazon betreffen. Während die Kommission vor allem den Datengebrauch durch Amazon zu Lasten der Marktplatzhändler untersuche, konzentriere sich das Bundeskartellamt auf die Geschäftsbedingungen und Verhaltenspraktiken auf dem deutschen Amazon Marktplatz. Beide Verfahren sollen sich deshalb ergänzen.

Marcel Rotzoll

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Autor: Marcel Rotzoll

Stellv. Chefredakteur sportFACHHANDEL

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