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Freeletics: Digitale Fitness-Jünger aus München

  • Nicolas Kellner
  • Mittwoch | 30. November 2016  |  11:43 Uhr
Die Trainingswebseite Freeletics will nichts weniger als die „Fitnessindustrie revolutionieren“. Große Ziele, die sich drei Macher Andrej Matijczak, Joshua Cornelius, Mehmet Yilmaz hinter den elektronischen Anleitungsplänen für Läufer und Gymnastikfans gesetzt haben. Neuerdings wird nun auch eine eigene Textillinie verkauft.

Text: Nicolas Kellner

Die Seite Freeletics macht unkonventionell und recht bildlastig klar, was dem Anspruch zum Thema Fitness und Gesundheit entspricht. Allerdings folgt dann zu den unterschiedlichen Trainings-Segmenten relativ viel Text. Das Onlineangebot sollte aber eher selbsterklärend sein, auf den ersten Blick muss erkennbar sein, was die Websseite will und auf wen sie zielt. Das responsive Webdesign ist schick, tut den Augen gut, es wird jedoch ab der Einstiegsseite vieles in einen Topf geworfen, so dass der User (und thematische Neueinsteiger) letztendlich verwirrter ist, je mehr er durch die Seiten surft oder besser scrollt. Wieder einmal zeigt sich deutlich, dass eine im Vorfeld durchdachte und sinnvolle Taxonomie das Wichtigste überhaupt ist, insbesondere, wenn es um Dienstleistungen geht, die online angeboten werden. Hinzu kommt, dass die Navigation beziehungsweise die Navigationsmöglichkeiten auf Freeletics zu wünschen übrig lassen. So jagt der interessierte Nutzer zwar durch das Angebot, weiß nach kurzer Zeit jedoch nicht mehr, wo er ist. Er liest durchaus interessante Infotexte rund um das vielfältige Thema Ernährung beispielsweise, wird dann jedoch alleine gelassen und fragt sich, wohin er anschließend steuern soll. Das demotiviert ein wenig. Entsprechend verwaist ist das Kommentar-Angebot, welches als beliebtes Open-Source-Tool von Disqus angeboten wird. Das ist schade, die Animation dazu wird verschenkt, um hier eine größere Community aufbauen zu können. Immerhin will Freeletics als weltweite Bewegung wahrgenommen werden.

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Freeletics mit Responsive Design

Das 2013 in München gegründete Jungunternehmen will also auf digitalem Weg Fitnessanleitungen für drinnen und draußen, alleine und mit Freunden, sowie Ernährungsberatung anbieten. Auch wenn Navigation und Layout eher verwirren als den Nutzer an die Hand nehmen, ist das, was er diesbezüglich zu lesen bekommt, schon interessant, aber auch nicht erhellender als heutzutage bereits im Mainstream und erst recht bei Fitness-Freaks angekommen und bekannt. Hier müsste mehr Aktualität und Tiefe folgen. Allerdings steht dafür offenbar kein Team bereit. Der interessierte Leser winkt daher nach mehrmaligem Besuch der Seiten ab. Aber auch dieses Angebot will letztendlich vom Traffic leben. Nach eigenen Angaben gibt es immerhin nach kurzer Zeit schon über 11 Millionen registrierte User. Das Angebot gibt es in sechs Sprachen, vom Start weg setzten die Gründer auf Internationalität. Das dürfte den Ausbau und auch mögliche weitere Investitionen erleichtern.

Der Download der diversen Anleitungen (Gym, Running) ist kostenlos. Mobil können sich Nutzer weltweit mit anderen Freeletics-Fans verbinden und austauschen. Die Software ist ausgefeilt und ausgereift. Das erleichtert die Skalierung. Die Ernährungspläne, welche zusätzlich angeboten werden, sind als Mehrwert zu verstehen, über die weniger Fitnessbegeisterte angesprochen werden können. Wie gesagt, ein wenig mehr redaktionelle Vielfalt und Abwechslung täte dem Gesamtangebot gut. Fitnessbekleidung wurde soeben als letzte Neuerung mitaufgenommen. Hier wird der Fitnessdienstleister nun also zum Händler mit eigenem Logo, unterteilt in eine schicke Damen- und Herrenkollektionen. Fraglich bleibt trotzdem, ob der Wettbewerb im starken Umfeld für Running- und Fitnessbekleidung gelingt, zumal die Bildqualität der angebotenen Produkte eher schlecht ist und ein kostenloser Versand erst ab einem Bestellwert von 60 Euro angeboten wird.

Autor: Nicolas Kellner

Dieser Artikel ist aus der Ausgabe: sport-FACHHANDEL Nr. 14 / 2016