Freitag | 27. Januar 2017  |  14:09 Uhr

E-Commerce: Höhere Umsätze und mehr Verkäufe durch Ratenzahlung?

Nicht nur die Big Player des Online-Handels nutzen die Bezahlmethode PayPal, sondern auch circa 80 % der mittelständischen Onlinehändler. Mit Ratenzahlung Powered by PayPal gibt es nun eine weitere Option. Darüber sprachen wir mit Tina Dingel, Director Credit bei PayPal.

Interview: Marcel Rotzoll

sportFACHHANDEL: Derzeit ist PayPal sehr präsent in der Endverbraucher-Werbung. Ist das eine langfristige Werbestrategie, um die verschiedenen PayPal-Bezahlmethoden noch bekannter zu machen?

Tina Dingel: Wir haben im Mai 2016 mit ’PayPal ist das neue Geld’ eine Markenkampagne gestartet. Ziel der Kampagne ist es, die Relevanz von PayPal in Alltagssituationen zu zeigen und dabei die Vorteile hervorzuheben, die durch diese Form des Bezahlens entstehen. Anhand konkreter Beispiele soll deutlich werden, dass PayPal für viele „Geld-Situationen“ die passende Lösung bietet. Das kann das Bezahlen beim klassischen Online-Shopping sein, aber auch das Teilen von Kosten für gemeinsame Unternehmungen mit Freunden und Familie. Die Kampagne ist langfristig angelegt und wird auch in diesem Jahr fortgesetzt werden.

neuer_name
Tina Dingel verspricht höhere Umsätze und mehr Verkäufe durch Ratenzahlung.
© PayPal

sFH: Seit einiger Zeit bietet PayPal nun auch Ratenzahlung an. Warum?

PayPal ist heute deutlich mehr als nur ein Bezahl-Button auf einer Website. Für die Verbraucherseite entwickeln wir PayPal stetig weiter, um das Bezahlen mit PayPal noch bequemer und einfacher zu machen. Gleichzeitig führen wir Services ein, die über das Bezahlen im klassischen Onlinehandel hinausgehen. Unseren Händlern wiederum stehen wir als Partner zur Seite, der diese bei der Weiterentwicklung ihres Geschäfts unterstützt. Mit Ratenzahlung Powered by PayPal haben wir nun eine aus dem stationären Handel bekannte Form des Bezahlens in die Onlinewelt gebracht. Davon profitieren beide Seiten: Käufer erhalten mehr finanzielle Flexibilität bei größeren Anschaffungen, Händler wiederum können höhere Warenkörbe erzielen und somit ihr Geschäft weiter ausbauen.

sFH: Ratenzahlung ist rechtlich für den Laien ein sehr schwieriges Thema. Was sind die Voraussetzungen für Teilzahlungsgeschäft und Stundung?

Für den Kunden ist das gar nicht schwer, im Gegenteil: Er schließt mit dem Verkäufer wie üblich einen Kaufvertrag. Im Unterschied zu Käufen, die er sofort bezahlt, stundet ihm der Verkäufer hierbei allerdings den Kaufpreis für die Ware zu bestimmten Zins- und Zahlungskonditionen. Der Kunde leistet Teilzahlungen. Dies nennt man Teilzahlungsgeschäft. Händler müssen dabei teilweise andere gesetzliche Regelungen beachten. Liegt der Warenkorbwert bei 200 Euro oder darüber, sind besondere gesetzliche Bestimmungen zu beachten, insbesondere die Vorschriften zum Verbraucherdarlehensvertrag. Der Händler muss den Kunden dabei schon vor Vertragsschluss über die wichtigsten Punkte des Vertrags informieren und bestimmte Formvorschriften beachten. Neben den Zinsen darf der Händler von seinen Kunden keinerlei Aufschläge oder Bearbeitungsentgelte verlangen, es sei denn, diese gelten auch bei anderen Geschäften.

sFH: Wo und wie kommt hier PayPal ins Spiel?

Der Händler tritt die Kaufpreisforderung inklusive etwaiger Versandkosten und Zinsforderungen an PayPal ab und informiert seinen Kunden darüber. Der Kunde erteilt PayPal im Rahmen des Antrags-Flows direkt ein SEPA-Lastschriftmandat. Wir ziehen dann die fälligen Raten per Lastschrift vom Bankkonto des Käufers ein und übernehmen dabei auch das Ausfallrisiko. In der Fachsprache nennt man das echtes Factoring. PayPal zahlt an den Händler den Kaufpreis abzüglich der anfallenden PayPal-Gebühren unmittelbar nach Abschluss des Kaufvertrages beziehungsweise spätestens mit Versand der Ware.

sFH: Das bedeutet, der Händler bekommt von der Ratenzahlung in der Regel nichts mit, weil er die Gesamtsumme direkt nach der Bestellung von PayPal gutgeschrieben bekommt?

Korrekt – für den Händler läuft die Abwicklung des Geschäfts quasi wie bei einer Standard-PayPal-Zahlung ab: Er verkauft seine Ware an den Käufer, verschickt diese und erhält den Kaufpreis von PayPal. Wählt der Kunde die Option der Ratenzahlung, übernimmt PayPal nicht nur den Zahlungseinzug, sondern auch das Ausfallrisiko. Hierum muss sich der Händler also keine Gedanken machen, sondern kann sich voll und ganz auf sein Kerngeschäft konzentrieren. In anderen Worten: Der Händler kann seinen Kunden eine flexible Bezahlmöglichkeit in seinem Onlineshop anbieten, ohne dabei auf für ihn wichtige Aspekte wie Liquidität und Zahlungssicherheit zu verzichten.

sFH: Sie kündigen unter anderem an, mit Ratenzahlung könnten Händler die Bestellvolumina steigern, Warenkörbe würden höher, mehr Kaufabschlüsse getätigt. Wie gelingt das?

Ratenzahlung Powered by PayPal gibt dem Verbraucher mehr finanzielle Flexibilität. Das ist gerade bei größeren Ausgaben ein echtes Plus und kann sich positiv auf die Kaufentscheidung auswirken. In anderen Worten: Wenn mir als Verbraucher die Möglichkeit geboten wird, den Kaufpreis gestückelt zu leisten, entscheide ich mich eher für eine größere Anschaffung anstatt diese auf einen Zeitpunkt in der Zukunft zu verschieben oder mich für ein weniger hochwertiges und daher günstigeres Produkt zu entscheiden. Unsere bisherigen Erfahrungen zeigen, dass Händler, die ihren Kunden Ratenzahlung Powered by PayPal anbieten, in der Regel höhere Umsätze erzielen und mehr Verkäufe abschließen.

sFH: Welche Kosten und Gebühren fallen für Händler beim PayPal-Ratenkauf an?

Die Gebühren setzen sich nach dem bekannten Modell aus variabler Gebühr und Fixbetrag zusammen, zusätzlich fällt eine Factoringgebühr für Ratenzahlung Powered by PayPal an. Deren Höhe hängt unter anderem davon ab, welche Zinssätze ein Händler seinen Kunden anbieten möchte.

sFH: Wie wird das Tool in den Web-Shop eines teilnehmenden Händlers integriert?

Die Integration von Ratenzahlung Powered by PayPal baut auf der bestehenden PayPal-Integration auf. Sie kann wahlweise eigenständig oder über die Module von Partnern wie beispielsweise Shopware, Oxid oder Magento vorgenommen werden.

sFH: Wie werden Händler bei der Bewerbung des Ratenkaufs über PayPal von Ihnen unterstützt?

Wir haben für Ratenzahlung Powered by PayPal die Möglichkeit geschaffen, die Bewerbung dieser Bezahloption direkt auf der Artikelseite zu platzieren. Üblicherweise werden die zur Auswahl stehenden Bezahlmethoden dem Käufer erst im Rahmen des Kaufabschlusses präsentiert, das heißt nach Klick auf den Button „Zur Kasse“. Die eigentliche Kaufentscheidung ist da bereits getroffen. Gerade bei größeren Anschaffungen findet diese nämlich schon viel früher statt – und zwar dann, wenn sich der Kunde auf der Artikelseite befindet und überlegt, ob er das Produkt dem Warenkorb hinzufügen soll oder nicht. Eine Information der Ratenzahlungsoption und deren Bewerbung auf der Produktseite ist somit absolut sinnvoll. Darüber hinaus platzieren einige unserer Händler auch auf den Startseiten ihrer Onlineshops den Hinweis, dass sie die Möglichkeit einer Ratenzahlung anbieten.

neuer_name
PayPal arbeitet schon daran: Auf absehbare Zeit könnten digitale Bezahlmethoden auch für den stationären Handel wichtig werden.
© PayPal

sFH: Der Löwenanteil der Umsätze in der Sportartikelbranche wird nach wie vor im Stationär-Geschäft erwirtschaftet. Wird PayPal in absehbarer Zeit, die entsprechenden Kassensysteme im Handel vorausgesetzt, auch eine Zahlungsalternative für Kunden des stationären Sportfachhandels anbieten? Und wie könnte eine solche Lösung aussehen?

Der Handel befindet sich gerade mitten in einer Phase der Veränderung. Ehemals vorhandene Grenzen zwischen stationärem Handel und Onlinehandel weichen dabei zunehmend auf und eine Multi-Channel-Präsenz entwickelt sich immer mehr zum Standard. PayPal versteht sich als Partner seiner Händler und sucht gemeinsam mit diesen nach Lösungen für die Zukunft ihres Geschäfts. Wichtig ist für uns dabei, dass die Lösungen mit Vorteilen für beide Seiten – Händler und Verbraucher – verbunden sind. Ein Beispiel ist Click & Collect, das heißt Kauf und Bezahlung im Internet mit Abholung im Ladengeschäft. Darüber hinaus hat PayPal im vergangenen Jahr Vereinbarungen mit Visa und MasterCard getroffen, durch die unter anderem die Möglichkeit geschaffen werden soll, mit PayPal im stationären Handel zu bezahlen. Diese Kooperationen gelten nur für den US-amerikanischen Markt, zeigen vom Modell her aber anschaulich, wohin die Reise gehen könnte.

Weitere Artikel …

Diese Artikel könnten Sie auch interessieren

Dieser Artikel ist aus der Ausgabe: sport-FACHHANDEL Nr. 01 / 2017