• sportFACHHANDEL – Das Insider-Magazin mit News · Fakten · Hintergründen

Birkenstock stellt Amazon-Belieferung ein

  • Marcel Rotzoll
  • Dienstag | 12. Dezember 2017  |  11:00 Uhr
Weil Amazon nicht genügend gegen Markenrechtsverletzungen unternehme, wird Schuhhersteller Birkenstock ab dem kommenden Jahr den Online-Giganten nicht mehr direkt beliefern.

Deutschlands größter Schuhproduzent Birkenstock hatte bereits zum Januar diesen Jahres die Belieferung von Amazon USA gestoppt. Nun wird auch die Zusammenarbeit mit Amazon Europe eingestellt. Die Begründung für das Kappen der Geschäftsbeziehung hat es in sich. Obwohl von Birkenstock mehrfach beanstandet, sei es auf dem Amazon Marketplace zu einer „Reihe von Rechtsverstößen“ gekommen, die Amazon nicht aktiv verhindert hätte. Aber, so teilt der Neuwieder Schuhhersteller mit: „Nach Auffassung von Birkenstock gehört es jenseits der Frage nach rechtlichen Verpflichtungen zu einer vertrauensvollen Zusammenarbeit, dass Amazon als Betreiber des Marketplace nach der erstmaligen Mitteilung über einen derartigen Rechtsverstoß alles in seiner Macht Stehende tut, um diesen und gleichartige Verstöße aus eigenem Antrieb zu verhindern. Eine verbindliche Erklärung, dafür zu sorgen, dass keine Nachahmungen von Birkenstock-Produkten mehr auf dem Marktplatz angeboten werden, steht bis heute aus. Stattdessen kam es in den letzten Monaten zu weiteren, anders gearteten Rechtsverstößen, die von Amazon nicht proaktiv verhindert wurden.“

Amazon teilte diversen Endverbrauchermedien, die breit über den Belieferungsstopp berichteten, auf Nachfrage mit, dass man keine gefälschten Produkte dulde: „Deren Angebot auf Amazon Marketplace ist laut unseren Teilnahmebedingungen nicht erlaubt.“ Die Diskussion um Produktfälschungen auf dem Marketplace und um das Verhalten des Onlinegiganten ist dabei nicht neu. Als Marktplatz-Betreiber ist Amazon rechtlich nicht dazu verpflichtet, von Dritten angebotene Produkte auf Echtheit zu überprüfen. Der Onlinehändler muss jedoch Markenrechtsverletzungen nachgehen, die ihm gemeldet werden. Aus Sicht von Birkenstock hat Amazon dies offenbar nicht mit genügend Nachdruck getan.

neuer_name
Birkenstock-Produkte wird es auch nach dem Belieferungsstopp weiterhin auf Amazon Marketplace geben.
© Screenhot Amazon.de

Auch bedingt durch die Vorweihnachtszeit steht Amazon ohnehin jährlich wiederkehrend wegen streikender Mitarbeiter oder wie jüngst wegen möglicher Engpässe bei der Auslieferung von Online-Käufen zu Weihnachten im Fokus der Öffentlichkeit. Und obwohl der jetzige öffentliche Wirbel um die Beendigung des Geschäftsverhältnisses zwischen Birkenstock und dem Onlinehändler recht groß ist, dürfte dies ab Januar nur den wenigsten Amazon-Nutzern auffallen. Denn über den Marketplace werden weiterhin Birkenstock-Sandalen und -Schuhe von Drittanbietern vertrieben.

Rotzoll

Autor: Marcel Rotzoll

Stellv. Chefredakteur sportFACHHANDEL