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Komplexität reduzieren

  • Anita Klingler
  • Montag | 10. Oktober 2011  |  12:10 Uhr
Eine ausgeklügelte Website kostet Zeit und Nerven. Schwierig wird es dann, wenn der Nutzer dennoch nicht findet, wonach er sucht – weil er das Prinzip nicht durchschaut hat. Im Zweifelsfall gilt: Machen Sie es ihren Kunden so einfach wie möglich.

Sport Tiedje aus Schleswig liefert Fitnessgeräte sowie Ausrüstung für Studios und Privatkunden. Dazu gehören etwa Cross- und Ellipsentrainer, Laufbänder und Ergometer, ebenso wie Heimtrainer, Rudergeräte, Kraftstationen, Sporternährung und Sportbekleidung. Aus einem kleinen Sportgeschäft in der Innenstadt hat sich mittlerweile ein Unternehmen mit rund 240 Beschäftigten entwickelt. Das Online-Sortiment umfasst etwa 6000 Artikel und wird nach Angaben der Betreiber täglich aktualisiert. Zu zehn Ladengeschäften in Deutschland (Berlin, Dortmund, Düsseldorf, Frankfurt, Hamburg, Hannover, Köln, München, Schleswig und Stuttgart) sind in den vergangenen Jahren Filialen in Wien und Zürich dazugekommen.

Kurz und knackig

Zu jeder Gerätekategorie beziehungsweise Sportart gibt es bei Sport-tiedje.de einen Einführungstext, der unter anderem auch auf die entsprechenden Angebote verweist. Manche sind sehr ausführlich – zum Beispiel bei der Kategorie Hantelbänke. Etwa bei Boxsport fällt die Beschreibung aber nur einen Tick zu lang aus – der Nutzer muss trotzdem erst auf „Weiterlesen“ klicken, um den ganzen Text vor sich zu haben. Unglücklicherweise verstecken sich in dem Fall aber die Angebote des Sporthändlers im letzten Absatz, der so unter Umständen unentdeckt bleibt. Ein in der Größe fix definierter Frame bietet sich aus Layout-Gründen an: Am unteren Bildrand sind einige Produkte zu sehen, und ein Besucher wird nicht von einem ellenlangen Buchstabensalat erschlagen. Die Frage ist aber: Braucht es immer so viel Information, dass der vordefinierte Platz nicht ausreicht? Im Beispielfall ist der Fließtext bei Boxsport insgesamt 1003 Zeichen lang; ohne auf „Weiterlesen“ zu klicken, werden 897 Zeichen angezeigt. Die Differenz ist minimal. 106 Zeichen lassen sich im Handumdrehen kürzen: Hier ein Füllwort weniger, dort ein Adjektiv gestrichen – und schon hat auch der letzte Absatz mit den Links auf Ihr Angebot Platz. Im Normalfall ist ein Einführungstext dazu gedacht, Orientierung geben, eine kurze Erläuterung. Er soll etwaige Kunden neugierig auf Ihr Portfolio machen. Und vor allem im Netz gilt die Regel: das Wichtigste auf einen Blick!

Sinvoll verlinken

„Link“ im ursprünglichen Wortsinn meint „Anknüpfungspunkt“, „Binde-glied“. Ein „toter“ Link führt ins Leere, weil die Seite, auf die er verweist, nicht mehr existiert. Und bestimmt gibt es auch einen Fachausdruck für eine Ansammlung von Verknüpfungen, die sinnloserweise auf dieselbe Seite verweisen. In der Navigation am unteren Rand der Website listet Sport Tiedje fein säuberlich alle Länder auf, von denen aus Kunden mutmaßlich bestellen können. Darunter sind neben Deutschland und Nachbarländern wie Dänemark, Frankreich, Österreich und der Schweiz auch etwas exotischere Destinationen wie Finnland, Norwegen oder Russland. Ein Klick auf ein Land führt jedoch immer wieder auf ein- und dieselbe Page: Eine Willkommensseite, auf der keineswegs Informationen zu Bestellungen aus diesen Ländern zu finden sind.

Einfache Lösungen suchen

Diese offenbaren sich erst, wenn man die Ländereinstellungen in der rechten oberen Ecke der Site anpasst. Hier gibt es die Möglichkeit, sowohl Land als auch die gewünschte Sprache einzustellen. Kunden können sich also auch auf Deutsch über den Versand nach Spanien informieren – oder umgekehrt. Teilweise stellt sich die Sprache gleichzeitig mit dem Land um, etwa im Fall von Norwegen und Finnland. Herauszufinden, wie dieses Prinzip funktioniert, kostet Zeit. Intuitiv funktioniert hier nichts, denn naturgemäß geht ein Nutzer zuerst über die Versandseite, um sich über seine Optionen zu informieren. Später versucht er es vielleicht über die Navigation unten auf der Site, die ihn nur auf besagte Willkommensseite verweist. Bis der Zusammenhang zwischen Land und Sprache durchschaut ist, hat ein Besucher möglicherweise schon keine Lust mehr weiter zu suchen.

Mit Sprach- und Länderauswahl bietet Sport Tiedje einen Service, der außergewöhnlich ist – nicht zuletzt deshalb, weil auch alle Texte übersetzt wurden beziehungsweise eigene Texte in der jeweiligen Sprache vorhanden sind. Einfache Abhilfe schafft hier ein Hinweis: „So finden Sie, was Sie suchen“ auf der Willkommensseite oder bei den allgemeinen Informationen zum Versand – die nämlich standardmäßig ebenfalls nur über den Versand innerhalb Deutschlands informieren.

Anita Klingler

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Autor: Anita Klingler

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Dieser Artikel ist aus der Ausgabe: sport-FACHHANDEL Nr. 22 / 2011