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Handel im Überlebenskampf

  • Andreas Mayer
  • Dienstag | 31. März 2020  |  10:15 Uhr
Wie lange noch? Der Shutdown beginnt, sich in die Reserven zu fressen. Und die angekündigte Unterstützung entpuppt sich in vielen Fällen als Papiertiger.
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Karstadt Kaufhof beklage aktuell einen Verlust von „mehr als 80 Millionen Euro“ – pro Woche, hat das „Handelsblatt“ aus einem internen Schreiben herausgefunden. Das „Manager Magazin“ unkt gar, dass der Warenhauskonzern des österreichischen Milliardärs René Benko damit bereits „bedrohlich ins Schlingern geraten“ sei. Und Unverschämtheit oder nicht (Puma, Deichmann, H&M haben dem Vernehmen nach ebenfalls bereits Mietzahlungen ausgesetzt): Durch die Ausbreitung des Virus und die Schließung sämtlicher Geschäfte (inklusive der des Sportfachhandels) fehlen selbst den nach wie vor über das Internet gut verkaufenden „Drei Streifen“ aus Herzogenaurach etwa 60 Prozent des Umsatzes. „Der ist einfach weg“, so Adidas CEO Kaspar Rorsted in der „Frankfurter Rundschau“.

Die Coronakrise bringt den Handel in Not. Die großspurigen Hilfsansagen der Politik versanden in kleinen, aber entscheidenden Schönheitsfehlern: 90 Prozent staatliche Garantien bei den Krediten der staatlichen Förderbank KfW sind eben nicht 100 Prozent! Vor dem Hintergrund, dass die privaten Banken aufgrund der Coronakrise selbst um ihr Überleben kämpfen müssen, bestätigen viele Unternehmen den Verdacht, dass lange geprüft und mitunter auch abgesagt werde seitens der Hausbank. Und: Eigentlich sollen sie innerhalb der nächsten fünf Jahre zurückgezahlt werden. In einer Phase, in der nach wie vor völlig unklar ist, wann das Geschäft wieder laufen kann und vor dem Hintergrund, dass der Einzelhandel auch schon vor der Krise nicht „Banker’s Liebling“ war, eigentlich eine kaum zu überwindende Hürde für den inhabergeführten Sportfachhandel.

Die ANWR Group fordert zur Sicherung der Liquidität deswegen „für die letzte Meile der Verteilung“ die bereits bestehenden Strukturen der Verbundgruppe zu nutzen. „Wir sind in der Lage, die bereitgestellten Fördermittel des Staates schnell und unkompliziert dahin zu bringen, wo sie jetzt gebraucht werden“, so Frank Schuffelen, Vorstandssprecher der ANWR Group. „Dazu ist es notwendig, die Zentralregulierer mit einem sogenannten „Globaldarlehen“ der KfW auszustatten”. Dabei übernehme die zur ANWR Gruppe gehörende DZB Bank die Garantie für die Zahlungsfähigkeit der Handelsunternehmen und die termingerechte Zahlung gegenüber den Lieferanten bzw. Industriepartnern. Mit Hilfe eines Globaldarlehens könnte die ANWR Group nach eigenen Angaben über die DZB Bank den Händlern kurzfristig die bereitstehenden KfW-Mittel zur Verfügung stellen. Andere Verbundgruppen außerhalb der ANWR Group verfügten über vergleichbare Systeme mit entsprechenden Dienstleistungsvereinbarungen.

Gemeinsam mit seiner Partnerbank, der Cronbank AG, biete der GMS Verbund seinen Kunden ab sofort eine "unbürokratische und zügige Beantragung von KfW Mitteln" an. Denn auch beim Kölner Verbund wurden in den vergangenen Tagen die Probleme des Fachhandels bei der Beantragung von Mitteln durch die Hausbanken zunehmend deutlich. Anträge wurden verzögert, abgelehnt oder erst unter Einschaltung der GMS angenommen, heißt es. Deswegen biete man jetzt im Online-Verfahren die Beantragung der KfW Mittel an. Mit diesem Angebot haben Kunden der GMS eine Alternative zur Hausbank und können bei positivem Bescheid das beschlossene Hilfspaket der KfW nutzen. Die Antragstellung wird je nach Antragsaufkommen in circa 8 bis 14 Tagen bearbeitet. „Natürlich ist der Weg zur Hausbank der Beste. Hier gibt es bereits eine Bonitätsbewertung und eine langjährige Verbindung. Wenn sich aber – wie häufig beobachtet – die Hausbank sperrt, dann gibt es ab sofort eine sehr gute und unbürokratische Alternative“, so Geschäftsführer Dr. Karsten Niehus.

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Autor: Andreas Mayer

Chefredakteur