Donnerstag | 02. Juni 2016  |  11:28 Uhr

Gestreckte Abschlussprüfung hat sich bewährt

Viele wissen es gar nicht. Die sogenannte Gestreckte Abschlussprüfung (GAP), mit der die Ausbildung zum/zur Kaufmann/-frau im Einzelhandel abgeschlossen wird, befindet sich derzeit noch in der Erprobungsphase. Im Herbst letzten Jahres wurde sie vom Bundesinstitut für Berufsbildung (BIBB) evaluiert. Das Ergebnis ist eindeutig: Die Betriebe sind mit der Prüfungsstruktur der GAP vollauf zufrieden.

neuer_name
Dr. Monika Hackel, Leiterin des Bereiches „Kaufmännische Berufe, Berufe der Medienwirtschaft und Logistik“ beim Bundesinstitut für Berufsbildung (BiBB)
© BIBB

Text: Dorothea Weniger

Seit 2009 wird die Ausbildung zum/zur Kaufmann/-frau im Einzelhandel mit der Gestreckten Abschlussprüfung (GAP) abgeschlossen. Die Prüfung gliedert sich in zwei Teile. Ihr erster Teil steht am Ende des zweiten Ausbildungsjahres an, der zweite nach Vollendung des dritten. Doch auch im alten System wurden während einer Ausbildung zwei Prüfungen abgelegt: Die Zwischen- und die Abschlussprüfung. „Doch bei dieser Struktur gewann der Auszubildende lediglich einen Eindruck von der Prüfungssituation, da die Ergebnisse der Zwischenprüfung ja keine weitere Rolle spielten“, blickt Dr. Monika Hackel, Leiterin des Bereiches „Kaufmännische Berufe, Berufe der Medienwirtschaft und Logistik“ beim Bundesinstitut für Berufsbildung (BiBB), zurück. „Mit der Erprobung der GAP wurde auch geregelt, dass die Ergebnisse der ersten Prüfung anteilig in die Abschlussnote einfließen.“ So gehen 35 Prozent der Endnote auf das Prüfungsergebnis im ersten Teil zurück: Geprüft werden dort die drei Bereiche „Verkauf und Marketing“ (15 Prozent), „Warenwirtschaft und Rechnungswesen“ (10 Prozent) sowie „Wirtschafts- und Sozialkunde“ (10 Prozent). Dieser erste Prüfungsteil kann nicht wiederholt werden, da er ein Teil der Gesamtprüfung ist, wobei der zweite Teil erst ein Jahr später absolviert wird. 65 Prozent der Endnote kommen aus dieser zweiten Prüfung, die sich auf die beiden Themen „Geschäftsprozesse im Einzelhandel“ (25 Prozent) und „fallbezogenes Fachgespräch“ (40 Prozent) bezieht. Damit liegen weitere Vorteile dieser Prüfungsform auf der Hand: Durch die zeitliche Verteilung der beiden Prüfungen lernen die Auszubildenden kontinuierlicher. Gleichzeitig steigt ihre Motivation und durch die zeitliche Entzerrung minimiert sich der Druck bei der Prüfungsvorbereitung.

Mit der Modernisierung der Ausbildungsverordnung im Jahr 2004 wurde die früher linear verlaufende theoretische Ausbildung aufgebrochen. Heute wird das Fachwissen in den Berufsschulen modular vermittelt. „Seitdem gibt es Pflichtqualifikationen nach § 3 Abs. 1 Satz 1 bis 9, die, wie der Name schon sagt, verpflichtend allen Auszubildenden vermittelt werden müssen. Daneben gibt es Wahlqualifkationseinheiten, aus denen eine bestimmte Anzahl gewählt werden muss, andere können gewählt werden. Geregelt wird dies über § 3 Abs. 1 Satz 10 bis 11 bzw. § 3 Abs. 2“, erklärt Dr. Monika Hackel. Zu den Pflichtqualifikationseinheiten (PQE) zählen Standardinhalte wie „Der Ausbildungsbetrieb“, „Information und Kommunikation“, „Warensortiment“, „Grundlagen von Beratung und Verkauf“, „Servicebereich Kasse“, „Marketinggrundlagen“, „Warenwirtschaft“ und „Grundlagen des Rechnungswesens“, die branchenweit im Einzelhandel unverzichtbar sind und in den ersten beiden Ausbildungsjahren vermittelt werden. In der gleichen Zeit muss auch eine Einheit aus den vier Wahlqualifikationeneinheiten (WQE) „Warenannahme/-lagerung“, „Beratung und Verkauf“, „Kasse“ oder „Marketingmaßnahmen“ absolviert werden. Im dritten Ausbildungsjahr steht dann als PQE nur noch das Thema „Einzelhandelsprozesse“ auf dem Programm. Dazu kommen drei WQE, die aus folgendem Themen-Pool kommen müssen: „Beratung, Ware, Verkauf“, „Beschaffungsorientierte Warenwirtschaft“, „Warenwirtschaftliche Analyse“, „Kaufmännische Steuerung und Kontrolle“, „Marketing“, „IT-Anwendungen“, „Personal“ und „Grundlagen Unternehmer. Selbstständigkeit“. Eingeschränkt wird die Entscheidung dadurch, dass aus den ersten drei Themen eine WQE gewählt werden muss.

Letzten Herbst hat nun das Bundesinstitut für Berufsbildung (BIBB) die GAP, aber auch das modulare System, evaluiert. Ein Ergebnis ist: Die zweiteilige Prüfungsform hat sich bewährt. Vor allem die Betriebe gaben dazu ein positives Votum ab: 81 Prozent schätzen die GAP als Prüfungsform für geeignet ein. 73 Prozent der Berufsschulen teilten diese Einschätzung, gefolgt von 72 Prozent der befragten Prüfer und Prüferinnen sowie 71 Prozent der Industrie- und Handelskammern. Auch das modulare Pflicht- und Wahlqualifikationsmodell schneidet bei allen befragten Akteuren positiv ab. Sie sind sich einig, dass die Bedarfe der Branche damit gut abgedeckt werden, auch wenn die einzelnen Themenfelder bei den Auszubildenden unterschiedlich beliebt zu sein scheinen. So würden zum Beispiel 90,4 Prozent der Azubis das Thema „Beratung, Ware, Verkauf“ als WQE wählen. Eine Wahl allerdings, die die Betriebe positiv bewerten, da sie selbst diesem Thema einen hohen Stellenwert einräumen.

Gut angenommen wird von den Jugendlichen auch die Möglichkeit des „Durchstiegs“. Gemeint ist damit, dass Azubis nach abgeschlossener zweijähriger Ausbildung zum/zur Verkäufer/-in anschließend in das dritte Jahr der Ausbildung zum/zur Kaufmann/-frau im Einzelhandel wechseln. Nutzten im Jahr 2008 schon 25 Prozent diese Gelegenheit, stieg die Zahl im Jahr 2013 sogar auf 44 Prozent an. Erstaunlich ist auch, dass die Zahl der Berufsanfänger*innen zum/zur Kaufmann/-frau im Einzelhandel in den letzten Jahren annähernd gleich blieb, während die der abgeschlossenen Prüfungen zum/zur Verkäufer/-in stark anstieg: 2004 bestanden 12.400 Azubis diese Prüfung, 2013 waren es schon 20.800. „Obwohl die GAP bereits bundesweit von der IHK durchgeführt wird, steht diese Prüfungsform formal noch unter einem Erprobungsvorbehalt nach § 6 Berufsbildungsgesetz (BBiG). Dieser erlischt, wenn die GAP Dauerrecht geworden ist. Da ein Ergebnis ihrer Evaluierung ist, dass sie sich bewährt hat, ist damit zu rechnen, dass sie zukünftig fester Bestandteil des Berufsbildes sein wird“, sagt Dr. Monika Hackel. Dieser Prozess geht mit einer generellen Modernisierung der Ausbildungsordnung einher. „An ihr arbeiten bereits Vertreter des Handelsverbandes Deutschland (HDE), der Gewerkschaft ver.di und des Deutschen Industrie- und Handelskammertages (DIHK). Außerdem sitzen von Arbeitgeber- und Arbeitnehmerseite benannte Sachverständige aus unterschiedlichen Handelsunternehmen am Tisch“, berichtet Dr. Monika Hackel. Schon im nächsten Jahr soll sie in Kraft treten.

Powered by Sportsella

Sportsella ist das einzig unabhängige und markenübergreifende Verkaufstrainingsportal für Sportartikelverkäufer im deutschsprachigen Internet. Es bietet den Verkäufern ein unterstützendes Werkzeug für beratungsintensive Sportartikel. Wir laden Sie – als Berufsstarter, Quereinsteiger, Profi – zu Sportsella ein. Bei Sportsella können Sie kostenlos trainieren und gewinnen. Melden Sie sich auf www.sportsella.com an und nehmen Sie teil an kostenlosen Produkt-Trainings wichtiger Sportartikel-Hersteller und gewinnen Sie dabei auch noch mit etwas Glück wertvolle Preise.

Dieser Artikel ist aus der Ausgabe: sport-FACHHANDEL Nr. 06 / 2016