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Gebühren-Begrenzung: neue Kreditkarten auf dem Tisch

  • Markus Huber
  • Mittwoch | 11. Juni 2014  |  20:42 Uhr
Köln. Das Europaparlament (noch das alte) hat die Gebühren für den zwischenbanklichen Verkehr und die Nutzung für Bezahlkarten gedeckelt. Das kann für den Handel gut sein, denn Kreditkarten werden dadurch für die Geschäfte attraktiver.

Das EHI Retail Institute in Köln geht bei dieser Maßnahme (vorbehaltlich eines Vetos des Ministerrats) von einer "kompletten Veränderung" der Akzeptanz von Bezahlkarten in Deutschland aus.

In Zukunft sollen nach den Vorstellungen der Straßburger Abgeordneten die Gebühren für Kreditkartennutzung auf 0,3% des Umsatzes beschränkt werden, bei Debitkarten auf 0,2%. Keinesfalls soll die Gebühr mehr als 7 Cent betragen.

Das dürfte nach Auffassung der EHI-Experten eine rasante Entwicklung in Richtung Kreditkarte mit sich bringen, die in Deutschland immer noch zögerlich genutzt wird. Im Jahr 2013 tätigten die Deutschen mit Karten einen Umsatz von 166 Mrd. EUR. Davon entfielen allerdings 54,2% auf Girokarten bzw. Electronic Cash und 30,3% auf das EC-Lastschriftverfahren. Der ganze Rest verteilte sich auf Mastercard (inklusive Maestro), Visa (auch mit V Pay) und andere Dienstleister.

Die Gründe für die derzeit noch ungebrochene Vormachtstellung der EC-Karten liegen für das EHI auf der Hand: die Macht der Gewohnheit sowie die Tendenz, Kreditkarten eher nur im Ausland oder bei größeren Anschaffungen zu zücken.

Hinzu kommt, dass die Kreditkarte in Deutschland keinen wirklichen Kredit gewährt (wie etwa in den USA), sondern einen Zahlungsaufschub bis zum Monatsende. Da ist es der Verbraucher hierzulande eher gewohnt, mit dem Dispo des Girokontos zu hantieren - und dafür werden wiederum EC- und bankeigene Karten genutzt.

Mit der Deckelung der Kosten für die Karten rücken Mastercard und Visa den EC-Karten allerdings auf die Pelle - und werden für den Handel attraktiver. Bislang schon lagen die Gebühren für EC-Cash bei nur 0,3% des Umsatzes, beim ELV sogar noch niedriger. Bei Kreditkarten werden dagegen momentan im Schnitt Gebühren von 1,3 bis 2,8% fällig, die bekanntlich der Händler schluckt und nicht der Endkunde.

Somit ist der Vorstoß des Europarlaments ein freundlicher Akt gegenüber dem Einzelhandel, aber nicht gegenüber der Kreditwirtschaft, die durch die neue Gebührenstruktur empfindliche Einbußen verzeichnen würde. Am Ende dürfte der Dumme der Verbraucher sein, denn die Banken werden versuchen, sich die ausgefallen Umsätze durch die spürbare Erhöhung der Gebühren bei der Ausgabe der Karten zurückzuholen.

Markus Huber

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Die Deutschen zahlen immer noch gerne mit EC-Karte oder bar. Die Kreditkarte wird eher als Reiseutensil betrachtet. Das könnte sich demnächst aber ändern, wenn die Deckelung der Kosten für Bezahlkarten kommt.
© Deutsche Bank

Autor: Markus Huber

Dieser Artikel ist aus der Ausgabe: sport-FACHHANDEL Nr. 12 / 2014