• sportFACHHANDEL – Das Insider-Magazin mit News · Fakten · Hintergründen

Operation Multisport

  • Markus Huber
  • Donnerstag | 11. Februar 2016  |  10:49 Uhr
Wie stark kriselt China? Und wenn überhaupt, macht es dann Sinn, in einem schwierigen Geschäft, eine neue Messe zu lancieren? Wir sprachen mit Paul März, der für die Messe München die bereits etablierte ISPO Beijing im Winter und die neue Schwester-Veranstaltung in Shanghai für die Sommerrunde organisieren darf.
neuer_name
Wir sind davon überzeugt, dass auf lange Sicht die Vollsortiments-Geschäfte in China das Rennen machen werden – und zwar stationär wie online.“ Paul März, ISPO Exhibition Director für Peking und Shanghai
© Jan Frommel

Interview: Markus Huber

sportFACHHANDEL: Herr März, wie haben Sie die Premiere der ISPO Shanghai empfunden?

Paul März: Auf der Vertriebsseite sind wir deutlich über unseren eigenen Erwartungen gelegen. Wir haben mehr Fläche vermietet, als wir uns das ursprünglich vorgestellt hatten. Entscheidend war für uns, dass wir die ISPO Shanghai als wirkliche Multisport-Messe an den Start bringen konnten, indem wir in allen Segmenten, die wir abbilden wollten, die kritische Masse an wichtigen Marken überzeugen konnten.

In welchen Kategorien war die Messe besonders erfolgreich?

Überrascht hat uns insbesondere die Sonder-Show Textrends. Diese Fläche mussten wir vorübergehend wegen Überfüllung schließen. Das hat uns sehr gefreut, denn das demonstriert uns, dass die chinesischen und asiatischen Fachbesucher an hochwertigen Materialien und den damit verbundenen Technologien großes Interesse haben. Beim nächsten Mal werden wir Sorge tragen, dass es wegen des großen Andrangs nicht zu Engpässen kommt. Ein anderes Thema, das wir forciert haben und das sehr gut angenommen wurde, ist der Wassersport. Im Bereich Kajak und Paddeln ist es uns gelungen, namhafte Marken zu mobilisieren.

Wird das Thema Wassersport in China nicht ein wenig überbewertet?

Sicherlich steckt Wassersport noch in den Kinderschuhen. Aber wir hatten das ja schon vor zehn oder elf Jahren, als wir uns am chinesischen Markt mit Wintersport nach vorne wagten. Damals hieß es: „Was wollt ihr denn damit?! – Hier gibt es ja keine richtigen Skigebiete!“ Nun schaut die Situation anders aus, denn das Geschäft mit Wintersport entwickelt sich. Und spätestens seit der Vergabe der Olympischen Winterspiele 2022 an Beijing wird das Thema Wintersport in die breite Maße getragen werden.

neuer_name
Präsenz auch dort, wo die Verbraucher leben: Das Thema Sport muss in der chinesischen Bevölkerung noch angeschoben werden – und die Ispo wirbt dafür auch mitten in Shanghai
© Jan Frommel

Wenn Sie schon Wintersport ansprechen: Wird die Vergabe der Olympischen Winterspiele als Motor für die Branche nicht ebenfalls überschätzt?

Der Sachverhalt sieht im Westen anders aus als in China. In reifen Wintersport-Märkten wie den USA, Österreich, der Schweiz oder Deutschland brauchen die Verbraucher nicht den Anstoß von Olympischen Spielen, um Sport im Schnee zu treiben. In China brauchen wir ein solches Event, um viele Chinesen überhaupt erstmal für Wintersport zu interessieren.

Da ist es natürlich ein tolles Signal für die Branche in China, dass im Jahr 2022 der Wintersport in diesem Land in der öffentlichen Aufmerksamkeit ganz weit oben stehen wird. Zumal wir mit unserem Partner Alpitec China auch das Thema Skigebiets-Infrastruktur abdecken. Darüber hinaus sind aber natürlich Initiativen der Regierung, Menschen in Bewegung zu bringen und den Anteil der Wertschöpfung mit Sport in China zu erhöhen, wirtschaftlich für unsere Kunden und für uns von großer Bedeutung.

Zurück zur Sommermesse in Shanghai: Wie zufrieden waren Sie denn mit dem Interesse aus dem Handel?

Auf der Besucherseite war es zunächst schwierig für uns, konkrete Ziele zu setzen. Der erste Wurf hat uns gut gefallen; die Aussteller waren mit der Qualität der Besucher sehr glücklich. Natürlich gibt es noch einiges zu tun, um noch mehr Händler für unser Projekt zu begeistern. Wir sind davon überzeugt, dass auf lange Sicht die Vollsortiments-Geschäfte in China das Rennen machen werden – und zwar stationär wie online. Daher sehen wir uns auf dem richtigen Weg mit dem Konzept einer Multisegment-Messe.

Sehen Sie die Ispo Shanghai nun eher als eine chinesische Messe oder bereits als eine asiatische?

Hier sind wir sehr realistisch: Derzeit kommt der Großteil der Händler aus China, selbst wenn wir gleich im ersten Jahr eine internationale Beteiligung von 1.048 Besuchern aus 56 Ländern hatten. Japan und Südkorea sind Märkte, die momentan noch entwickelter sind als der chinesische. Alle Indikatoren sprechen aber dafür, dass China mittelfristig die Führungsrolle übernehmen wird – nicht zuletzt wegen der großen Zahl von Konsumenten.

Das wird auch das Interesse in Korea und Japan an unserem Angebot steigern. Zudem legen wir ein Augenmerk auf die südostasiatischen Länder. Insbesondere Thailand, Indonesien, Singapur und Malaysia entwickeln sich zurzeit mit interessantem Tempo.

Autor: Markus Huber

Dieser Artikel ist aus der Ausgabe: sport-FACHHANDEL Nr. 11 / 2015