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ISPO: „Entwicklung kommt für uns nicht überraschend“

  • Marcel Rotzoll
  • Freitag | 25. August 2017  |  15:39 Uhr
Die Vorwärts-Kommunikation der ISPO wirkt, als ob der Ausfall von Atomic und Salomon business as usual wäre. Ob das wirklich der Fall ist, erfragten wir im Gespräch mit Tobias Gröber, dem Geschäftsbereichsleiter Konsumgüter bei der Messe München.

Interview: Marcel Rotzoll

sportFACHHANDEL: Können die durch das Fernbleiben von Atomic und Salomon freiwerdenden Standflächen adäquat neu belegt werden?

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Tobias Gröber
© Messe München

Tobias Gröber: Der Platz, der frei wird, ist bereits schon wieder vergeben. Andere Marken haben sich hier gleich eine neue Position gesichert und sind weiter nach vorne gerückt. Hinten rücken wiederum andere nach.

sportFACHHANDEL: Welche betriebswirtschaftlichen Auswirkungen hat der Wegfall dieser weltweit führenden Marken als Aussteller für die ISPO?

Tobias Gröber: Natürlich bedauern wir, dass Salomon und Atomic bei der ISPO MUNICH 2018 nicht ausstellen werden. Allerdings kommt die Entwicklung für uns ja auch nicht überraschend. ISPO ist heute eine analoge und digitale Plattform mit Schnittstellen zu allen Marktteilnehmern, bis hin zum Konsumenten. Insofern sind wir jetzt auch in der glücklichen Situation, dass die beiden Marken weiterhin unsere Kunden bleiben und ihr analoges Quadratmeter-Budget in unsere digitalen „Consumer Outreach“-Angebote investieren. Für uns sicherlich ein großer Anwendungsfall und eine weitere Bestätigung, mit unserer Strategie auf dem richtigen Weg zu sein und somit kein betriebswirtschaftlicher Verlust.

sportFACHHANDEL: Heißt das, dass die beiden Marken ihr komplettes Quadratmeterbudget jetzt in die digitalen Angebote investieren?

Tobias Gröber: Beide Marken werden einen nicht unerheblichen Betrag in unsere digitalen ISPO Business Solutions investieren mit dem Ziel, ganzjährig den Sell-Out Prozess im Handel u.a. durch Ansprache von und Interaktion mit Konsumenten zu unterstützen. Bitte haben Sie aber Verständnis dafür, dass wir grundsätzlich keine betriebswirtschaftlichen Details und Informationen von Vereinbarungen publizieren. In Summe ist das Gesamt-Paket aber definitiv das größte Gesamtangebot, welches wir im Bereich unserer Business Solutions bisher verbuchen konnten.

sportFACHHANDEL: Wie kann eine Messe-Abstinenz ersetzt werden durch die Nutzung der von Ihnen angebotenen digitalen Plattformen?

Tobias Gröber: Eine Teilnahme an der Messe bietet abhängig von der jeweiligen Vertriebs- und Markenstrategie definitiv Vorteile. Letztendlich liegt die Abwägung für oder gegen die Teilnahme an einer B2B Messe aber natürlich immer bei der Marke. Die Sportbranche unterliegt einem kontinuierlichen Veränderungsprozess. ISPO, als Teil dieser Branche, ist dabei im ständigen Austausch mit der Industrie und gestaltet den Wandel mit. Die Messe ist und bleibt dabei weiterhin für viele Unternehmen ein wichtiger Bestandteil innerhalb ihres Marketingmix, aber es gibt Bestandteile die wichtiger werden. Und auch diese Bedürfnisse können wir mit unserem Ökosystem an analogen und digitalen Dienstleistungen befriedigen. Salomon und Atomic setzen dabei vor allem auf die ISPO-Angebote, die sich an den Konsumenten richten.

sportFACHHANDEL: Wie kann verhindert werden, dass eine Sogwirkung durch das Fernbleiben der beiden führenden Skimarken entsteht?

Tobias Gröber: Sicher wird es immer wieder Unternehmen geben, die ihre Marketing-Strategie neu ausrichten. Das sehen wir auch daran, dass wir zu jeder Veranstaltung neue internationale Marken bei uns als Aussteller begrüßen können. Die ISPO MUNICH besitzt eine enorme Strahlkraft, an der die Branche gern Teil hat. Zusätzlich bietet sie als Multisegmentmesse den entscheidenden Blick über den Tellerrand und inspiriert Aussteller als auch Besucher gleichermaßen. Mit unserer Omni-Channel-Strategie sind wir on- und offline optimal vorbereitet und können den Kunden in jedem Fall die passenden Lösungen anbieten und sie so in ihrem Geschäftserfolg unterstützen.

sportFACHHANDEL: Wie müssen sich die Fachmessen und insbesondere die ISPO MUNICH als Leitmesse weiterentwickeln, um auch zukünftig für Aussteller und Handel unverzichtbar zu bleiben?

Tobias Gröber: Das digitale Zeitalter hat neue Formen der Kommunikation geschaffen. Heute ist es möglich, 365 Tage online von jedem Ort in der Welt mit seiner Zielgruppe zu kommunizieren. Der digitale Wandel bzw. die neuen Kommunikationsmöglichkeiten bieten eine Vielzahl neuer Chancen und haben teilweise Herausforderungen mit sich gebracht – auch für die Sportindustrie. ISPO hat diese Entwicklung früh aufgegriffen und baut seit 2010 seine digitalen Services und Plattformen aus. Dennoch sind wir überzeugt, dass Messen jetzt und auch in Zukunft wichtig sind, da sie eine Form der Kommunikation bieten, die die digitale Welt nicht bieten kann: die persönliche Begegnung. Zudem ist die haptische Wahrnehmung nur auf Messen gegeben: Materialien können angefasst, Farben gesehen und Stoffe gefühlt werden. Die Zukunft liegt aus unserer Sicht deshalb in der optimalen Kombination von haptischem Event und digitalen Plattformen. Schwierig wird es unserer Meinung nach aber definitiv für alle Messe-Veranstalter, die sich auf ihr traditionelles Konzept zurückziehen und darüber hinaus keine ganzjährige Ausrichtung anbieten.

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Autor: Marcel Rotzoll

Stellv. Chefredakteur sportFACHHANDEL

Dieser Artikel ist aus der Ausgabe: sport-FACHHANDEL Nr. 11 / 2017