Mittwoch | 23. August 2017  |  10:25 Uhr

Gastkommentar: "Omnichannel-Strategien ersetzen nicht die Leitmesse"

Die Branche diskutiert nach dem Abschied von Atomic und Salomon von der „analogen“ ISPO über die Folgen. Branchenurgestein Siegfried Paßreiter spricht sich in einem Gastkommentar für sportFACHHANDEL für eine Teilnahme an der Branchenleitmesse aus.

"Dass mit dem Fernbleiben der beiden Marken eine „neue Ära der Zusammenarbeit“ zwischen ISPO und den Herstellern eingeläutet wird, erschließt sich mir nicht. Dass natürlich digitale oder Omnichannel-Strategien immer wichtiger werden, ist klar. Einen Auftritt auf der weltweiten Leitmesse der Branche ersetzen solche Strategien aber nicht. Mich würde da interessieren, wie denn diese digitalen Angebote für 365 Tage im Jahr aussehen sollen. Hilft man dabei, die Amer-Produkte an den Endverbraucher zu kommunizieren? Ändert sich dadurch das Format der gesamten Messe? Und welchen Mehrwert bieten die digitalen Produkte dem Sportfachhandel?

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Fühlt sich an das Ende der Sommer-ISPO erinnert: Branchenurgestein Siegfried Paßreiter
© sFH

Andererseits muss man natürlich auch über die in den vergangenen Jahren sinkenden Margen für die Industrie sprechen. Man muss bedenken, wie häufig die Produkte vom Handel „in die Hand“ genommen werden, bevor ein Kaufabschluss erfolgt. Das geht los im Sommer mit den ersten internationalen Vorlagen, es folgen die Einkaufskommissionen, die Erstvorlagen, dann die ISPO und die Ordertage der Verbundgruppen und schließlich die Vorlagen durch die Vertreter im Handel direkt. Natürlich ist das für die Industrie sehr kostenintensiv. Und es ist kein Geheimnis, dass man nach Einsparpotentialen sucht. Dass die Wintersportindustrie Jahr für Jahr das Kosten-Nutzen-Verhältnis ihrer Messeauftritte diskutiert, ist schon seit Jahren der Fall.

Aber deswegen die ISPO ganz auszulassen, die als Schaufenster der gesamten Branche dabei im Mittelpunkt steht, verstehe ich persönlich nicht. Zumal das Fernbleiben von führenden Marken eine Sogwirkung auslösen könnte. Man fühlt sich erinnert an das Ende der Sommer-ISPO, das eingeläutet wurde mit dem Fernbleiben wichtiger Hartwarenlieferanten. Meiner Meinung nach hätte es eine ISPO, auf der die Winterhartwaren-Industrie nicht, bzw. nicht zum größten Teil geschlossen auftritt, sehr schwer.

Eine Konsumgüterbranche benötigt eine Konsumgütermesse als Innovationsgipfel, gerade die sehr emotionale Sportbranche! Andere Konsumgüterbranchen, die vom digitalen Wandel her schon weiter sind, haben trotz zahlreicher digitaler Angebote an ihren großen Messen festgehalten. Man bekommt niemals sonst so viele Branchenvertreter, kompetente Einkäufer und Kunden an einem Ort zusammen wie auf einer Messe. Das sollte man auf jeden Fall schützen. Zumal die ISPO die viertgrößte Messe der Messe München ist. 2019 stehen zwei neue Hallen zur Verfügung, durch die sich dann auch viele Aussteller auf der Warteliste präsentieren können. Über das Format einer Messe kann und muss man sicher diskutieren, als Schaufenster einer Branche gehört eine Messe wie die ISPO aber auf jeden Fall in den Terminkalender der Industrie und des Handels!"

Dieser Artikel ist aus der Ausgabe: sport-FACHHANDEL Nr. 11 / 2017