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Verkaufsberatung: Imprägnieren nicht vergessen!

  • Dorothea Weniger
  • Montag | 30. Mai 2016  |  11:26 Uhr
Wasserdichte und Wasserabweisung ist nicht dasselbe. Für die Wasserdichte sorgt die Membran oder eine PU-Beschichtung, für die Wasserabweisung die sogenannte dauerhaft wasserabweisende Imprägnierung (DWR: Durable-Water-Repellent). Was „dauerhaft“ heißt, ist es in Wirklichkeit gar nicht, denn die DWR-Funktion lässt mit der Zeit nach. Eine Nachimprägnierung stellt die wasserabweisende Funktion zwar wieder her – allerdings mit Abstrichen.

Text: Dorothea Weniger

Wasserdichte und Wasserabweisung ist nicht dasselbe. Für die Wasserdichte sorgt die Membran oder eine PU-Beschichtung, für die Wasserabweisung die sogenannte dauerhaft wasserabweisende Imprägnierung (DWR: Durable-Water-Repellent). Was „dauerhaft“ heißt, ist es in Wirklichkeit gar nicht, denn die DWR-Funktion lässt mit der Zeit nach. Eine Nachimprägnierung stellt die wasserabweisende Funktion zwar wieder her – allerdings mit Abstrichen. Jedes Textil, an dem Wassertropfen abperlen, ist ab Werk mit einer wasserabweisenden DWR als Textilveredelung ausgerüstet. Viele sind auch schmutz-, öl- und fettabweisend. Die DWR verhindert, dass sich das Kleidungsstück bei Regen vollsaugt. Ohne DWR würde der Druck durch die Nässe von außen so groß, dass der Wasserdampf durch das Schwitzen nicht mehr von innen nach außen entweichen kann. Das Textil verliert seine Atmungsaktivität, der Wasserdampf kühlt ab und kondensiert auf der Innenseite der Bekleidung. Die Jacke fühlt sich nass an, Ihr Kunde beginnt zu frieren. Weist eine DWR neben Wasser auch Schmutz, Fett und Öl ab, ist sie PFC-(Flourcarbon-)haltig. Mit dem bekannt Werden ihrer Gesundheits- und Umweltschädlichkeit suchten erste DWR-Hersteller nach PFC-freien Varianten: Silikon, Paraffin oder Polyurethan (PU) ist die jeweilige Basis dafür. Eine PFC-freie DWR weist zwar manchmal auch noch wasserlöslichen Schmutz ab, erreicht aber bei Fett und Öl ihre Grenzen.

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Neben der Pflanzenwelt ist das Gefieder der Wasservögel Vorbild der DWR-Ausrüstung.

DWR – die Imprägnierung „ab Werk“

Das bekannteste Verfahren, DWR auf den Oberstoff zu applizieren, ist das Tauch- oder Foulard-Verfahren, bei dem der Stoff in ein DWR-Flüssigkeitsbad getaucht und durchgezogen wird. Ist zu viel DWR auf dem Stoff, wird diese maschinell abgequetscht. Diese überschüssige DWR kann aber nicht mehr verwendet werden, da sie mit Chemikalien aus anderen Ausrüstungen versetzt ist. Bei einem neuen Verfahren wird die DWR über zwei gegenüberliegende Schlitzdüsen, durch die der Stoff läuft, aufgetragen. Damit ist eine präzisere Dosierung möglich.

Wärme frischt die Imprägnierung auf

DWR-Ausrüstungen büßen ihre Funktion mit der Zeit z.B. durch die Träger des Rucksacks ein. Behandelt man sie nach dem Waschen mit Wärme, können sie allerdings reaktiviert werden. Gibt es die Waschmaschine her, sollte man vor dem Waschen mit einem speziellen Waschmittel und ohne Weichspüler (vgl. beraten&verkauft Nr. 24 „Funktionswäsche. Wasch- und Pflegetipps“, SFH 4 v. 25.2.2015) den Knopf „erweitertes Spülen“ drücken. Gibt es diese Funktion nicht, ist am Ende des Waschgangs ein weiterer Spülgang ratsam, da nur so die letzten Tenside ausgespült werden. Tenside sind Bestandteile des Waschmittels und der Tod der Imprägniermittel, da sie wasseranziehend sind. Nach dem Waschen sollten die Kleidungsstücke so lange abtropfen, bis sie nur noch feucht sind. Dann sollte man sie 30 bis 40 Minuten lang bei 60 ° C in den Wäschetrockner geben. Die Wärme stellt die durch das Tragen und Waschen niedergedrückten „Borsten“ der DWR wieder auf. Abgeriebene DWR ist allerdings für immer verloren. Hat man keinen Trockner, übernimmt das Bügeleisen diese Aufgabe. Wichtig ist dabei, dass man die niedrigste Stufe wählt und ein Tuch zwischen Stoff und Bügeleisen legt – ansonsten leidet die Membran.

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Vergleich: Unten eine schematische Darstellung einer PFC-Imprägnierung bei einer Neuware, oben das gewaschene Kleidungsstück ohne Wärmebehandlung.

Hilft Wärme nicht mehr, ist es Zeit fürs Nachimprägnieren

Je nach Material und Einsatz der Bekleidung sind nach einigen Wäschen die Imprägnier-„Borsten“ so licht geworden, dass eine Reaktivierung nicht mehr möglich ist. Perlen Wassertropfen nicht mehr ab, ist es Zeit für die Nachimprägnierung. Imprägniermittel gibt es als Wash-in-Produkte oder als Sprays. Wash-in-Produkte sind wasserbasiert, Sprays können auch lösemittelbasiert (Alkohol, Benzin) sein. Auch die meisten Nachimprägnierer entfalten ihre Funktionen erst durch Erwärmen. Für manche reicht allerdings schon Zimmertemperatur.

Wash-in-Produkte

Wash-in-Produkte gibt man in das saubere Fach des Weichspülers. Sauber deshalb, weil Reste des Weichspülers die Atmungsaktivität einschränken. Wash-in-Imprägnierer können auch ohne Waschgang verwendet werden. Generell haben sie den Vorteil, dass sie sich gleichmäßig auf den Textilien verteilen. Ihr Nachteil ist, dass sie auch die Innenseite der Textilie imprägnieren, wodurch die Atmungsaktivität beeinträchtigt werden kann. Aus dem Hause Gore ist zwar zu hören, dass selbst ihre mikroporöse Membran nicht darunter leidet. Doch bei Schweiß treibenden Aktivitäten bleiben Zweifel: Gerade Innenfutter, die explizit danach ausgesucht wurden, dass sie eine optimale Balance von hydrophilen und hydrophoben Eigenschaften bieten, sollten besser mit einem Imprägnier-Spray nachimprägniert werden.

Imprägnier-Sprays

Imprägnierer aufsprühen ist zwar zeitaufwendiger, hat aber den Vorteil, dass man punktgenau und besonders belastete Stellen intensiver imprägnieren kann. Den Imprägnierer sprüht man am besten auf die noch feuchte Kleidung auf, damit das Mittel tief in die Faser eindringen kann. Bei den Sprays unterscheidet man zwischen Sprays mit und ohne Treibgas und Pumpsprays: Treibgashaltige Spraydosen standen lange im Verruf, dass die Verwirbelungen der Inhaltsstoffe Lungenschäden hervorrufen können. Viele neuere Produkte arbeiten deshalb mit einem niedrigeren Verteilungsdruck. Trotzdem sollte man im Freien imprägnieren und den Sprühnebel nicht einatmen. Spraydosen mit einer zweiten Druckkammer sind die Klima schonendere Variante. Hier wird das schädliche Treibgas durch Luft, die in der einen Kammer komprimiert wird, ersetzt. Noch umweltfreundlicher sind Pumpsprays. Reibt man das Imprägniermittel mit einem fusselfreien, nicht saugenden Tuch ein, dringt es tiefer in die Faser ein. Ist das Kleidungsstück trocken, sollte es ebenfalls mit Wärme behandelt werden, damit sich die wasserabweisende Funktion vollends entfalten kann.

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Imprägniermittel befindet sich in dem geschlossenen Beutel in der Dose. Darum befindet sich komprimierte Luft, die den Beutel unter Druck hält.

Imprägnierer, Mensch und Natur

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Die Struktur der PU-Dendrimer-Imprägnierer ähnelt der Verästelung eines Baumes, wobei die Verzweigung aus einem Kern heraus entsteht.

Imprägnierer sind PFC-haltig oder PFC-frei, lösungsmittel- oder wasserbasiert. Die umweltfreundlichsten sind wasserbasiert und PFC-frei. PFC-Imprägnierer enthalten in der Regel C8- bzw. C6-Flourkarbonketten. Diese gelten als wasser-, schmutz- und fettabweisend. Befürworter der PFC-haltigen Imprägnierer argumentieren, dass die C6-Variante ungefährlicher als die C8-Variante sei und damit vertretbar. Kritiker beanstanden, dass C6-Ketten bisher kaum erforscht sind und es damit Unzulässig sei, sie für ungefährlich und umweltverträglich zu deklarieren. Die Alternativen zu PFC-Imprägnierern beruhen auf einer Silikon-, PU-Dendrimer- oder Paraffin-Basis. Sie sind biologisch abbaubar und bieten einen guten Schutz gegen Wasser. Defizite müssen bei der schmutz-, fett- und ölabweisenden Wirkung hingenommen werden, wobei PU-Dendrimer-Imprägnierer auch schmutz- und ölabweisend wirken.

Auch Imprägnierer auf Silikonbasis sind biologisch abbaubar, allerdings dauert der Abbauprozess sehr lange. Von ihnen hört man oft, sie würden sich nicht für Bekleidung mit mikroporöser Membran eignen, weil das Silikon die Poren verstopfen könnte. Verwirrend ist zudem, dass manche silikonbasierten Imprägnierer durch Wärmezufuhr ihre Funktion entwickeln, andere nicht. Bedenkenswert ist auch die Silikon-Eigenschaft, dass es Öle und Fette eher anzieht, als abweist. Um zu erfahren, warum trotzdem Silikon verwendet wird, muss man ins Detail gehen: Es kommt auf die Art des Silikons und auf die weitere chemische Zusammensetzung des Imprägnierers an. Deshalb gelten – nicht nur bei silikonbasierten Imprägnierern – immer zwei Regeln: Die Pflegehinweise in der Bekleidung und die Anwendungshinweise auf dem Imprägnierer entscheiden, was zusammen passt und was nicht.

Imprägnierer auf Paraffinbasis sind relativ selten. Sie sind nicht nur wasserabweisend, auch wässriger Schmutz perlt an ihnen ab. Generell stellt sich die Frage, ob Ihr Kunde eine High-Performance-PFC-haltige-DWR braucht. Da die Umstellung des Denkens gleichzeitig eine Abkehr von herkömmlichen Marketing-Strategien bedeutet, bieten derzeit noch alle Hersteller – außer Nikwax (nur PFC-frei) – PFC-haltige und PFC-freie Imprägnierer an.

Imprägnierer mit Substanzen in Nano-Größe galten vor zehn Jahren noch als das Nonplusultra.

Inzwischen hat der Hype um Nanomaterialien, die 1000 Mal dünner als ein menschliches Haar sind, nachgelassen. Ihr Verbleib und Einfluss auf die Umwelt gelten als ebenso unklar wie ihre Lebensdauer. Kritische Stimmen haben dazu geführt, dass derzeit mehrere Forschungseinrichtungen Nano-Materialien unter die Lupe nehmen.

Was passt zu was?

Eine Befragung der Hersteller, welcher Imprägnierer auf welche Erstimprägnierung und – falls vorhanden – auf welche Membran passt, führte zu unterschiedlichen und widersprüchlichen Ergebnissen. Viele meinten, dies sei egal, andere waren skeptischer. Überzeugend erscheint das Argument, dass ein Urteil darüber schwierig ist, weil kein Hersteller weiß, welche Substanzen der Mitbewerber verwendet.

Ausblick – es bewegt sich was

Auf der Ispo 2016 stellte der „Bundesverband der Deutschen Sportartikel-Industrie“ (BSI) gleich zwei Umweltprojekte im Zusammenhang mit Imprägnierung vor: An dem einen Vorhaben arbeiten das Bundesumweltamt und die Universität Bremen: „Ziel dieses Projektes ist es, … Alternativchemikalien (PFC-frei und PFC-haltig) zu ermitteln, die sowohl optimale wasser- und schmutzabweisende Eigenschaften als auch nachhaltiges Umweltverhalten in sich vereinen“, heißt es dazu auf der universitären Internetseite. Bei dem zweiten sogenannten REACH-Projekt geht es darum, die REACH-Listen der Europäischen Chemikalienverordnung für Hersteller transparent und verständlich zu machen. Um dies zu erreichen, arbeiten an der Universität Darmstadt Chemiker, Rechtswissenschaftler und Sozialwissenschaftler zusammen. In einem zweiten Schritt sollen dann umwelt- und gesundheitsschädliche Substanzen als Ersatzstoffe ermittelt werden. Ergebnisse werden für das Jahr 2018 erwartet.

Autor: Dorothea Weniger

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… mit den in diesem Artikel genannten Firmen und Personen liegen derzeit nicht vor.

Dieser Artikel ist aus der Ausgabe: sport-FACHHANDEL Nr. 05 / 2016