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Die Stunde der Spezialisten

  • Markus Huber
  • Donnerstag | 11. Februar 2016  |  11:04 Uhr
Wo marschiert der chinesische Outdoor-Markt hin? Wir sprachen in Nanjing anlässlich der Fachmesse Asia OutDoor mit deren Projektleiter Richard Li. Seine Arbeitsthese: Ohne die Spezialisten im Handel wird das Thema Outdoor als wirklicher Sport und nicht nur als Mode-Thema nicht wirklich weiterkommen.
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Wir stehen für „100 Prozent Outdoor“. Das wurde von der Branche bislang sehr honoriert, und wir haben keine Anzeichen, dass sich die Handelslandschaft in absehbarer Zeit ändern wird.“ Richard Li, Projektleiter, Asia OutDoor
© Jan Frommel

Interview: Markus Huber

sportFACHHANDEL: Herr Li, welche Eindrücke haben Sie von der Asia OutDoor im zehnten Jahr ihres Bestehens mitnehmen können?

Richard Li: Wir waren fast überrascht, wie die Messe verlaufen ist. Wir konnten einmal mehr einen Zuwachs bei den Besuchern feststellen, obwohl uns klar ist, dass sich das Wachstum im chinesischen Outdoor-Markt verlangsamt hat. Die Beruhigung im Outdoor-Geschäft mag uns zunächst natürlich nicht gefallen, aber es ist eben so, wie es ist. Wir als Messe-Organisatoren schaffen ja keine Märkte, sondern wir bilden sie im Dienste unserer Kunden ab. Das ist unsere Aufgabe.

Waren die Erwartungen an Outdoor in Ihrem Land einfach überzogen?

Jeder Marktteilnehmer hier wusste, dass sich das Tempo der letzten Jahre nicht auf ewig würde durchhalten lassen. Wie hätte das auch funktionieren sollen? Das geht in keinem Land, auch nicht in China. Realismus ist gefragt, und den haben unsere Kunden. Insgesamt war ihr Feedback bezüglich der Messe positiv. Wie Sie wissen, war Nanjing 2014 Gastgeber der Olympischen Jugendspiele. Dafür wurde auch unser Gelände benötigt. Das hat uns bei der letztjährigen Messe ein wenig beengt, um den Markt optimal darzustellen. In diesem Juli war organisatorisch wieder alles normal, und wir konnten uns einmal mehr in vier, statt nur drei Hallen entfalten.

Welche sind derzeit die treibenden Kräfte am chinesischen Outdoor-Markt?

Auf der Ausstellerseite hatten wir einen kleinen Zuwachs von 613 auf 617 Marken. Das klingt nicht nach sehr viel, aber auch hier sind wir realistisch: Wir decken im Prinzip den kompletten Markt ab. Besonders stolz sind wir darauf, dass wir fast alle einheimischen Marken im Boot haben. Wir freuen uns sehr über die Loyalität der europäischen Unternehmen, die bei uns ihre geeignete Präsentationsfläche vorfinden. Zugegeben: Wir hätten gerne diese Loyalität auch bei den amerikanischen Firmen.

Inwieweit nervt der neue Wettbewerb von Seiten der Ispo in Shanghai, die deutlich früher stattgefunden hat als die Asia OutDoor?

Wir begegnen der Arbeit unserer Kollegen in München bzw. Shanghai mit großem Respekt. Wenn Sie „Wettbewerb“ ansprechen, kann ich dazu nur sagen: Es geht hier nicht um die Konkurrenz zweier Messegesellschaften, sondern um eine viel wichtigere Frage. Wenn wir eine Messe veranstalten, wollen wir den Markt bestmöglich abbilden – im Dienste unserer Kunden, die unmittelbar die Hersteller sind, aber natürlich auch der Handel. Der Ansatz der Kollegen in Shanghai sieht offenbar so aus, dass sie das Thema Multisport betonen, zu dem Outdoor genauso gehört wie andere Kategorien. Dagegen ist nichts einzuwenden. Es stellt sich nur die Frage, ob es in China den typischen Vollsortiments-Händler gibt, wie man ihn aus Europa kennt. Von dieser Sorte Kunden würden wir auch sehr gerne mehr auf der Asia OutDoor begrüßen wollen. Leider gibt es von diesem Typus in diesem Land nicht allzu viele. Wenn wir mal von den großen internationalen Händlern absehen, sehen wir in erster Linie die Marken, die selbst Einzelhandel betreiben sowie die wirklichen Spezialisten im Outdoor-Sektor. Und genau auf diese haben wir unser Konzept abgestellt. Wir sehen dazu momentan keine Alternative. Wir stehen für „100 Prozent Outdoor“. Das wurde von der Branche bislang sehr honoriert, und wir haben keine Anzeichen, dass sich die Handelslandschaft in absehbarer Zeit ändern wird.

Wir wollten Sie eigentlich nach dem geeigneten Termin für eine Outdoor-Messe fragen…

Es ist richtig, dass wir die Asia OutDoor im nächsten Jahr um fast einen Monat früher veranstalten (30. Juni bis 3. Juli, Anm. der Red.). Unaufrichtig wäre es sicherlich, zu sagen, dass diese strategische Entscheidung überhaupt nichts mit der Messe in Shanghai zu tun hätte.

Wichtiger aber ist, dass unsere Kunden insgesamt einen früheren Termin wünschen. Gegen Ende Juli ist die Orderrunde eigentlich vorbei. Es war für uns von entscheidender Bedeutung, dass wir den Messetermin besser mit den Einkaufs-Veranstaltungen der großen Marken abstimmen. Hier geht es um Effizienz, und wir sind sehr froh darüber, dass einige der wichtigen Sales Meetings ohnehin in Nanjing stattfinden. Wir sind überzeugt davon, dass wir mit dem neuen Termin einen wichtigen Schritt getan haben, um die Abläufe im Markt zu optimieren.

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Autor: Markus Huber

Dieser Artikel ist aus der Ausgabe: sport-FACHHANDEL Nr. 11 / 2015