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Der Handel jubelt: Endlich Winter!

  • Nicolas Kellner
  • Freitag | 27. Januar 2017  |  11:30 Uhr
Kälte und Schnee sind da, endlich! Das Lebenselixir des Sporthandels im Winter 2017 kommt rechtzeitig noch im Januar. In Deutschland, in Österreich und in der Schweiz. Wie ausgewechselt die Situation in den Geschäften. Das flaue Weihnachstgeschäft ist vergessen. Jetzt gibt es keine Ausreden mehr, das Geschäft brummt.

Text: Nicolas Kellner

In der Tat strahlt der Händler, wenn er dazu Zeit findet. Denn mit Beginn der zweiten Januarwoche dieses neue Jahres legt sich klirrende Kälte über das Land, sternenklar die Nacht non Norden bis Süden, sobald die Schneewolken vorbeigezogen sind. „Die Prognosen sind ja gut“, freut sich ein Münchner Sporthändler, es soll weiterschneien.

Schnee und Kälte aber auch im Norden und Osten. Berliner, Rostocker und Hamburger Händler erwarten die Wintersportkunden. Im Flachland, aber auch im Allgäu, stehen die Zeichen auf Langlauf. In München zieht es die Wintersportfans direkt in die Berge. Ab 1.800 Metern war das auch schon in den Monaten November und Dezember möglich. Doch die Stimmung fehlte, es gab noch keinen Impuls für den Kauf oder die Miete von Hartware oder von Bekleidung. Es muss weiß und kalt sein, damit der Saisonstart in ganzer Breite gelingt. Darin unterscheiden sich Salzburg, München oder St. Gallen nicht.

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Sehnsüchtig haben auch Bekleider und Accessoires-Anbieter auf den Schnee gewartet.
© NPK

Der Fachhandel hat darauf gewartet. Wer zu früh die rote Rabattkarte gezogen hat, der ärgert sich jetzt. Denn die Kunden suchen Schnäppchen, sind aber auch bereit, reguläre Preise für gute Ware und Ausrüstung zu bezahlen. Mancher Händler, meist der Filialist, überlegt, bereits geplante Rabattaktionen nunmehr zurückzuhalten. In der Schweiz wurde bereits mit 50 Prozent operiert, in München versprachen Sport Scheck, Karstadt und Co. ebenfalls Nachlässe von 30 Prozent und mehr teilweise sogar auf schon reduzierte Artikel. Das rächt sich jetzt für denjenigen, der nicht warten konnte. Wer die Nerven behielt – was zugegebenerweise schwer fiel nach drei schwachen Wintersaisonsverläufen – hat jetzt jedoch gut Lachen.

Sport Conrad aus Penzberg, Intersport-Urgestein, ist auf hochwertige Wintersport-Textilien spezialisiert und hat die entsprechende Kundschaft. Das käme gut an, sagt ein Verkäufer, das Geschäft ist voll. Darüber hinaus verteidigt Conrad seinen Ruf als Langlauf-Spezialist, als Komplettausrüster für Ski und Bekleidung. Das Eingeständnis zum verzögerten Saisonstart sind 20 Prozent. Conrad versucht außerdem den Tourenski-Sektor aufrecht zu erhalten, die Kunden seien da. Ansonsten wird aktuelle Saisonware etwa von Rossignol und Atomic massiv heruntergezeichnet und am liebsten als Set-Ware (Ski/Schuh/Bindung) verkauft. Der Endverbraucher suche eine komfortable Gesamtlösung. Jetzt, wo das Wetter passt, muss es auch schnell gehen. Zum Glück hatte sich der Handel bundesweit mit ausreichend Ware trotz Risiko ausgestattet.

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Endlich Schnee, auch in der Stadt: Sport Schuster (München) hat den Gehweg aber natürlich schnell freigemacht.
© NPK

Auch bei Sport Scheck wird das Tourensegment am Leben erhalten. „Tourenski Center“ heißt die kleine, aber feine Abteilung, in der wieder beraten und verkauft wird: Ski, Bindungen und Schuhe. Die Nachfrage ist auf einmal da. Und auch die Ski-Service- und Wartungsstation wird eifrig aufgesucht. Was sichzusätzlich richtig gut verkauft, sind die Bereiche Mützen, Schals und Handschuhe. Scheck hatte hierfür schon früh zum Jahresende weitere Fläche zum Beispiel auch im Erdgeschoß frei gemacht. Reusch, Ziener und Co. freut es. Aber auch das Segment Ski- und Snowboardhelme zieht merklich an, die Angebote werden prüfend untersucht, vor allem auch von zahlreichen jüngeren Kunden.

Otto Sengl ist Sportfachverkäufer aus vollem Herzen, seit Jahrzehnten bei Karstadt Sports. Das Thema Outdoor liegt ihm auch, vor allem Schuhe und Rucksäcke. Sengl gehört dankbarweise zu einer Sorte von Verkäufern, die von der Pike auf gelernt haben, sicher im Produkt sind, die Entwicklungen kennen sowie vor allemdie unterschiedlichen Kundentypen. Das kommt ihm immer wieder zugute. „Skischuhe sind jedoch mein Hauptmetier“, freut sich Sengl jetzt, das liege im am meisten. Der Run auf die Wintersportabteilung wird glänzend gemeistert. Die Sporthäuser von Karstadt sind voll. Selbst im Berliner Haus am Bahnhof Zoo sind die Verkäufer gefordert, aber auch gut geschult. „Wir haben ausreichend Ware“, sagt einer. Die SpreeMetropole ist schneebedeckt. Darauf haben die Kunden gewartet, die Kaufstimmung steigt. Auch für Hamburg und in Niedersachsen bringt der Januar Kälte und Schnee, was die Verkäufe bei den Hamburger Ski-Spezialisten Freerider am Dammtor anziehen lässt. Hier kennt man seine Community und Stammkunden genau und diese werden das Jahr bestens gepflegt.

Ebenso bei der Sportbörse in Münster. Skiverkauf im Flachland – dass das bestens funktioniert beweisen eben aucht Udo Rosenbaum und Armin Korthaus seit 32 Jahren. Die Sportbörse ist Anlaufstelle sowohl stationär als auch im Internet. Ob Verkauf, Verleih oder Service, in diesem Winter brummt das Business ganz besonders. Verblüffend ist vor allem: Der westdeutsche Händler betreibt sein Geschäft nur saisonal während acht Monaten zwischen September und April. Das Konzept lautet. „Ski von Skifahrern für Skifahrer.“ Es gäbe kaum eine größere Glaubwürdigkeit. Alle in seinem Team seien begeisterte Skifahrer, sagt Rosenbaum. In der Saison werden so schon mal bis zu 400 Paar Ski und 700 Skischuhe verkauft. „Bei letzteren sind wir absoluter Spezialanbieter.“

Für einen unverbindlichen Flirt mit dem Skisport steht ein Ski-Verleihpark zur Verfügung. Das Sortiment braucht den Vergleich mit Skistationen am Winterurlaubsort nicht zu scheuen. Genau das Richtige, um erst einmal zu testen, sagt der Händler, ob einem diese Art der Fortbewegung wirklich liegt. Obwohl das Münsterland nicht gerade als Skigebiet bekannt sei, ist die Sportbörse bei Wintersportlern Kult. Der Kundenfuhrpark auf dem hauseigenen Parkplatz zeugt von der überregionalen Bedeutung des münsterschen Skishops: aus dem Ruhrgebiet, aus Ostwestfalen, aus der niederländischen Grenzregion, aus Niedersachsen und sogar aus dem Sauerland nehmen Stammkunden viele Kilometer Anreise in Kauf, um sich hier kompetent beraten zu lassen. Vor allem das Bootfitting-Center der Sportbörse genießt dank der erfahrenen „Fußanalysten“ und Skischuhexperten einen guten Ruf.

Ganz neu in diesem Winter kommen außerdem erstmals Stöckli-Ski aus der Schweiz nach Münster. „Auch wenn sie durchaus anspruchsvoll zu fahren sind, glauben wir, einigen Spezialisten unter unseren Kunden mit diesen Ski eine echte Freude machen zu können.“ Neu ist auch die Textilfirma Pyua aus Kiel. Die hat es sich zur Aufgabe gemacht, das Wort „Nachhaltigkeit“ im Wintersport zu leben. Style und Funktion stünden dabei nicht zur Disposition, wenn der mehrfach ausgezeichnete Hersteller aus recycelten Kunstfasern eine echt tolle Skikollektion fertige, freut sich der Händler.

Autor: Nicolas Kellner

Dieser Artikel ist aus der Ausgabe: sport-FACHHANDEL Nr. 01 / 2017