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Das Ende einer langen Ehe

  • Markus Huber, Uli Wittmann
  • Freitag | 16. Dezember 2011  |  10:05 Uhr
Asics und die Lex Laufexperten joggen ab 2012 nicht mehr gemeinsam als Premium-Partner.

Zu groß sind die Differenzen und beide Seiten beschlossen deshalb ein einvernehmliches Ende der Zusammenarbeit – obwohl der Running-Bereich in Deutschland nach wie vor ein Selbstläufer ist, wenn es um den Umsatz geht. Doch könnte ein Fachgeschäft vollkommen auf Asics verzichten? sportFACHHANDEL fragte bei Händlern nach – auch bei solchen, die nicht zur Lex-Gruppe gehören.

Erst die Fakten, dann die Meinungen: Im Gespräch mit sportFACHHANDEL berichtet Rainer Ziplinsky, Händler aus Kiel (Zippels Läuferwelt) und Geschäftsführer der Lex Laufexperten GmbH & Co. KG., über den gegenwärtigen Stand der Laufsport-Gruppe: Fakt 1: Im Mai dieses Jahres hat sich diese neu aufgestellt und ihre Aktivitäten in zwei operative Einheiten getrennt. Die oben genannte GmbH kümmert sich um die Erschließung neuer Geschäftsfelder, und das Angreifen neuer Projekte durch die Vernetzung aller Themen rund um den Laufsport. Daneben gibt es seitdem einen rechtlich eingetragenen Verein (e.V.), der die Arbeit von Erfa-Gruppen koordiniert und das Kundenmagazin der Gruppe erstellt. Der Verein wird von Händler Manfred Xhonneux aus Aachen (Die Kunst des Laufens) geleitet.

Fakt 2: Nach der Mitglieder-Struktur sind die GmbH und der e.V. nicht dasselbe: Der Verein verfügt über 45 Mitglieder, die GmbH allerdings über nur 24. Alle zusammen genommen sprechen wir über 67 Geschäfte in ganz Deutschland. Kennzeichnend für alle Teilhaber der GmbH ist, dass sie durchweg Mitglieder der Sport 2000 sind, was für die Vereinsmitglieder nicht zwingend der Fall ist. Entsprechend den Zentralregulierungs-Bestimmungen der Sport 2000 ändert sich beim Einkauf von Asics-Produkten durch die GmbH-Gesellschafter eigentlich nichts – trotz Auflösung der Premium-Partnerschaft zwischen Lex und Asics.

Fakt 3: Die Lexer (GmbH) dürfen laut Ziplinsky von einem guten Geschäftsverlauf für 2011 ausgehen. Vorbehaltlich des Weihnachtsgeschäfts und unter Berücksichtigung eines lammfrommen Winterbeginns rechnet der Geschäftsführer mit einem Umsatzplus von 4 bis 5%, womit der Außenumsatz der GmbH-Teilhaber auf über 14 Mio. EUR kommen dürfte. Fakt 4: Nicht alle Teilhaber sind auch Mitglieder des von Asics lancierten „Running Expert Clubs", einem für Marken nicht ungewöhnlichen Programm für bevorzugte Händler. Allerdings sind nur 14 der 24 Lex GmbH-Händler Teil des Programms.

Soweit die Fakten, aber Meinungen zählen auch. Die Meinung von Asics ist in unten stehenden Kasten abgebildet. Für Ziplinsky ist die beiderseitige Motivation, friedlich getrennte Wege zu gehen, dreigliedrig: Erstens ging es auch um Geld, das heißt Werbekosten-Zuschüsse, die nach Lex-Darstellung nicht mehr so üppig wie gewohnt ausfielen. Zweitens glaubt der Händler, dass Asics seinen eigenen Experten-Club auf Kosten der Gesamtheit der Lex-Händler forciert. Schließlich drittens geht es um die Neuorientierung der Vertriebspolitik von Asics, was hochpreisige Produkte anbelangt, auf die auch andere Händler zugreifen, aber mangels entsprechender Beratung nicht die entsprechenden Verkaufspreise erzielen können. mh/uw

Carsten Unbehaun, Asics, im Wortlaut: Asics hat nicht nur traditionell, sondern auch in der Zukunft ein hohes Interesse daran, eng mit Laufexperten zusammen zu arbeiten. Die strukturelle Veränderung der Laufexperten-Gruppe Lex hat allerdings die Vertragssituation so nachhaltig verändert, dass wir uns entschlossen haben den auslaufenden Premium-Partnervertrag nicht zu verlängern. Damit wird sich Asics in 2012 nicht mehr an zentral organisierten Lex-Initiativen beteiligen. Um die Laufspezialisten im Fachhandel weiterhin zu stärken, wird Asics zukünftig andere Wege gehen und die Zusammenarbeit mit den einzelnen Partnern intensivieren. Unter anderem wird dies durch eine Weiterentwicklung und Aufwertung des ‚Asics Running Expert Club’ geschehen.“

Marco Schmidt, Der Sport-Ausrüster, Wörth/Donau: Ohne Asics hätte ich nur wenige Modelle im Sortiment. Diese Marke ist seit Jahren der Marktführer und die Kunden fragen gezielt nach Laufschuhen von Asics oder speziellen Modellen. Andere Laufschuh-Hersteller haben auch sehr gute Modelle, aber Asics ist bei den Sportlern sehr bekannt. Bei manchen Joggern ist es wie bei den Autofahrern: Wer einmal mit einer Marke zufrieden war, wechselt diese selten. Asics ist zum einen über die Werbung präsent, aber auch über Weltklasse-Läufer. Neben der Präsenz in den Medien verfügt Asics über ein Image bei den Kunden, das es zur Laufmarke Nummer eins macht. Als Händler finde ich es wichtig, ein breites Angebot vom Marktführer zu haben, schließlich ist Laufen nach wie vor ein großes Thema bei den Kunden.

Arno Semler, Inhaber Arno Semler Laufsport, Blaustein: Seit es meinen Laden gibt, führe ich weder Asics, Adidas noch Nike. Grundsätzlich ist es vollkommen egal, welche Marke auf einem Laufschuh draufsteht. Wichtig ist, dass der Sportler und der Schuh zusammenpassen. Die Marke ist zweitrangig. Als Lauf-Fachhändler ist es meine Aufgabe, die Kunden mit den passenden Schuhen zusammenzuführen. Wer kompetent, authentisch und ehrlich berät, kann jedes Modell verkaufen. Nur damit und mit Qualitätsprodukten lassen sich die Verbraucher überzeugen. Bei manchen bekannten Laufschuh-Marken habe ich den Eindruck, dass diese blind gekauft werden.

Rolf-Bernd Schürmann, Wat Läuft, Bochum/Wattenscheid: Asics spielt bei Wat Läuft wegen mehrerer Gründe keinerlei Rolle. Meine Kundschaft und natürlich auch ich bekunden einfach kein Interesse an den Asics-Produkten. Die Wettbewerber, denen unsere Aufmerksamkeit gilt, entwickeln nicht nur aus meiner Sicht und Erfahrung funktionelleres und auch haltbareres Material auf diesem Sektor. Wir stehen eindeutig zu den Marken, die sich im Kerngeschäft mit Herz und Kompetenz dem Thema Trail/Ultra-Running widmen und den Fachhandel mit entsprechenden Aktivitäten unterstützen. Hinzu kommt, dass der anhaltende extreme Online-Preiskampf um die Produkte der Marke Asics dem Fachhändler nicht förderlich ist.

Heiko Drews, Bereichsleiter Einkauf, Sport Scheck: Entsprechend der Position als Marktführer in Deutschland ist Asics für den Laufschuh-Bereich bei Sport Scheck sehr wichtig. Analog der Position im Markt ist Asics auch bei den Sport Scheck-Kunden gefragt und überzeugt in Produkt sowie Service.

Rainer Ziplinsky Carsten Unbehaun

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Autor: Markus Huber

Autor: Uli Wittmann

Dieser Artikel ist aus der Ausgabe: sport-FACHHANDEL Nr. 27 / 2011