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BSI-Chefin Espey: Den Gipfel im Sturm, die Sacharbeit in Ruhe

  • Andreas Mayer
  • Dienstag | 07. Oktober 2014  |  11:37 Uhr
Der BSI machte zuletzt in zweierlei Hinsicht von sich reden: durch den Geschäftsführer-Wechsel von Adalbert von der Osten zu Nicole Espey und durch die Organisation der zweiten Ausgabe des European Outdoor Summit (EOS) im Oktober. Im Gespräch mit uns blickt die neue Chefin des Verbands über den Tellerrand des großen Events hinaus.
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Kein Marktteilnehmer kann über Wasser wandeln (soweit wir das wissen). Für die große Linie in die Zukunft sind Interessenverbände wie der BSI da, damit die gemeinsamen Ziele der Branche nicht baden gehen.

sportFACHHANDEL: Frau Espey, Sie bereiten gerade mit Ihrem Team den European Outdoor Summit in Tegernsee vor. Was überwiegt derzeit: der Stress oder die Vorfreude auf das Event?

Nicole Espey: Oh, ich freue mich auf den European Outdoor Summit. Das wird eine tolle Veranstaltung. Insbesondere freue ich mich darüber, dass eine ganze Reihe von hochkarätigen Rednern zugesagt hat, die nicht direkt oder gar nicht aus der Outdoor-Branche kommen.

Es ist immer gut, wenn sich die Vertreter einer Branche zum Gedankenaustausch treffen, aber ich denke, dass es eine wertvolle Ergänzung ist, neue Gedanken von außerhalb auf sich wirken zu lassen. Da wollen wir einiges dazu beitragen. Um Ihre Frage vollständig zu beantworten: Ja, es gibt noch einiges zu tun, und wir schaffen das.

Den BSI und seine Aufgaben wollen wir hier nicht auf die Organisation des EOS reduzieren: Was liegt denn sonst so an Arbeiten an, nachdem Sie in diesem Sommer die Geschäftsführung übernommen haben?

Hier ist zunächst vorwegzunehmen: Wir sind kein typischer Lobby-Verband, der in Berlin sitzt und die klassische Interessenvertretung wahrnimmt, wie es beispielsweise ein Arbeitgeberverband tut. Wir sind keine solche Vereinigung und wollen das auch nicht sein …

… gibt es denn in Berlin gar nichts für Sie zu tun?

Doch, das gibt es. In der Hauptstadt vertreten wir unter anderem die Interessen unserer Mitglieder und der gesamten Sportartikel-Branche, wenn es um Themen wie die Förderung des Breitensports geht. Eine Belebung des Sports insgesamt nützt auch den Firmen, die an der Wertschöpfungskette für Sportartikel beteiligt sind. Hinzu kommen noch Themen wie Umwelt und Sport als Wirtschaftsfaktor, soweit sie nicht bei der Europäischen Union aufgehängt sind.

Aha, der Sitz des BSI ist Bonn, was ja deutlich näher an Brüssel liegt als an Berlin, oder?!

Machen wir uns nichts vor: Viele der Themen, die für unsere Mitglieder und die Branche wichtig sind, werden in Brüssel im Zusammenhang mit dem Gemeinsamen Markt diskutiert und auf den Weg gebracht. Hier arbeiten wir auch eng mit der Fesi (dem europäischen Verband der Sportartikel-Industrie, Anm. d. Red.) zusammen. In Brüssel werden die entscheidenden Normen und Direktiven verabschiedet, was Produktsicherheit, gesundheitliche und/oder ökologische Unbedenklichkeit und dergleichen mehr betrifft.

Und da sind Sie mitten drin und dabei?

Ja, da sind wir voll involviert. Bevor ich zur Geschäftsführerin berufen wurde, war ich ja bereits im Haus Referentin mit den Schwerpunkten Europapolitik und Corporate Social Responsibility (CSR).

CSR ist ein weites Feld. Uns erreichen täglich neue Pressetexte über erneut verstärkte Anstrengungen in Sachen ökologische oder soziale Fortschritte von Seiten der Lieferanten. Was können Sie konkret tun, um eine Linie hineinzubringen? Und: Können Sie eigentlich die Branche hier insgesamt vertreten?

Zunächst ist es unsere Aufgabe, die verschiedenen Auffassungen zu sammeln und gemeinsame Interessen nach außen zu formulieren. Das ist nicht immer einfach, aber möglich. Ganz allgemein gesagt: Wir können keinen vollständigen Interessenausgleich unter unseren Mitgliedern hinsichtlich aller gewünschten sozialen oder ökologischen Verantwortung erzielen. Das liegt im freien unternehmerischen Ermessen. Wir können aber generelle Probleme und Fragestellungen der Industrie aufzeigen, die politischen Entscheidungsträgern in Deutschland oder der EU nicht hinreichend bekannt sind. Wenn uns das gelingt, ist schon viel erreicht.

Außerdem können wir in Sozial- und Umweltfragen mit Firmen gemeinsame Projekte aufsetzen. Trotz aller Konkurrenz ist es für viele, gerade kleinere Firmen wichtig, ihre knappen Ressourcen zu bündeln und zusammenzuarbeiten. Es ist für einen Verband sehr wichtig, hierfür eine Plattform zu bilden.

Was CSR anbelangt, werden wir in diesem Herbst noch zusammenkommen, um das weitere Vorgehen eingehend zu besprechen. Unsere Aufgabe besteht auch darin, große Leitlinien hinsichtlich Umweltschutz, sozialer Verantwortung und Tierschutz zu entwickeln, mit denen sich alle unsere Mitglieder anfreunden können. Verstehen Sie bitte, dass wir noch ein paar Wochen brauchen, um hier näher ins Detail gehen zu können.

Welche Vorgaben bzw. Vorschläge können Sie Ihren Mitgliedern hinsichtlich ihrer Verantwortung eigentlich machen? Als Handhabe gelten gerne die bekannten Gütesiegel für soziale und ökologische Verträglichkeit wie Fair Wear, Bluesign, Öko-Tex usw.

Bezüglich der Siegel können wir keine Vorgaben machen – nicht zuletzt aus wettbewerbsrechtlichen Gründen – und wir wollen das auch gar nicht. Die Welt der Standards ist frei; da greifen wir nicht ein. Die Organisationen, die Sie ansprechen, machen nach unserer Einschätzung eine seriöse Arbeit. Die einen mögen ihre Stärken oder Schwächen hier haben, die anderen dort.

Vielfach wird im vermeintlichen „Label-Dschungel“ nicht gesehen, dass sich die einzelnen Standards doch sinnvoll ergänzen und jeweils ihre eigene Berechtigung haben. Und das ist zu begrüßen.

Was wir effektiv bereitstellen können, ist eine objektive und transparente Übersicht über das, was diese Firmen oder Vereine leisten.

Am Ende hängt die Aufgabe, diesen Überblick dem Verbraucher zu vermitteln, am Handel, ja?!

Für die Außenkommunikation der Verpflichtung bzw. Selbstverpflichtung der Lieferanten zu bestimmten sozialen oder ökologischen Standards nimmt der Einzelhandel eine zentrale Rolle ein. Anders gesagt: Wie im Hinblick auf die Qualität, den Preis oder die Funktionalität von Produkten sind die Geschäfte auch meinungsbildend.

Was sagen Sie nun Händlern, die sich angesichts der Fülle von Gütesiegeln oder Standards und den damit verbundenen Hang-Tags an der Ware überfordert fühlen?

Information ist alles. Aber das ist eine Hol- und Bringschuld. Wir sehen durchaus die Verantwortung der Lieferanten, ihre Kunden im Handel hinreichend zu informieren. Gleichzeitig liegt es auch am Händler, sich mit dem nötigen Wissen auszustatten.

Dafür gibt es aber auch den BSI. Selbst wenn wir in erster Linie eine Interessen-Vertretung der Industrie sind, laden wir den Einzelhandel sehr gerne dazu ein, sich bei uns über diese Fragestellungen zu erkundigen. Wir sehen es auch als unsere zukünftige Aufgabe an, hier an einer noch besseren Information und Transparenz zu arbeiten. Das hilft den Händlern, den Marken, die bei uns organisiert sind, und damit der ganzen Branche. Markus Huber

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Am 15. und 16. Oktober 2014 spielt sich in diesem Haus am Tegernsee der große Branchentreff der europäischen Outdoor-Branche ab – gefüttert mit Gedankenanstößen von außerhalb der Industrie.

ZUR PERSON

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Nicole Espey

Nicole Espey amtiert seit Juli dieses Jahres als Geschäftsführerin des Bundesverbandes der Deutschen Sportartikel-Industrie (BSI). Seit 2011 arbeitete sie im selben Haus als Referentin über den Schwerpunkten Europa und Corporate Social Responsibility. Die 41-Jährige war zuvor beim Deutschen Olympischen Sportbund (DOSB) und dem Brüsseler Lobby-Büro für internationale Sportverbände (IOC, Fifa, DOSB) beschäftigt

Der BSI, gegründet 1910 in Dresden, ist die Branchenvertretung der Lieferanten hierzulande. Erst im letzten Jahr zog das Büro des BSI von Bad Honnef nach Bonn um. Präsidentin des eingetragenen Vereins ist Désirée Derin-Holzapfel von der Firma Friedola. Im Vorstand sitzen Vertreter der Outdoor-, Sport- und Reitsport-Industrie, darunter Repräsentanten der Marken Adidas, Fashy, Fischer, Marmot Mountain, Puma und Tatonka. Vom 15. bis 16. Oktober richtet der BSI den zweiten European Outdoor Summit als internationalen Branchen-Kongress in Tegernsee aus.

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Autor: Andreas Mayer

Chefredakteur