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Adidas: Stricken im Shop

  • Nicolas Kellner
  • Freitag | 27. Januar 2017  |  13:00 Uhr
Unter dem Namen „Knit for You“ eröffnete der Adidas jüngst ein Pilotgeschäft für individuelle und personalisierte Sportmode in Berlin. Auch der Sporthandel soll davon profitieren.

Text: Nicolas Kellner

Knit for You befindet sich im ersten Stock der Concept Shopping Mall „Bikini Berlin“ am Bahnhof Zoo und hat noch bis zum 28. Februar diesen Jahres geöffnet. Der Pop-Up-Store wurde für eine dreimonatige Testphase eingerichtet. Auf 300 Quadratmetern lädt Adidas Konsumenten ein, ihren ganz persönlichen „Knit-for-You-Pullover“ im Laden selbst zu gestalten und innerhalb von maximal drei Stunden noch vor Ort stricken zu lassen. Drei hochkomplizierte, teure Strickmaschinen (zwei sind gemietet, eine wurde gekauft) sind das Herzstück des Ladens – neben einer Dunkelkammer für Köperscans.

Der Pop-Up-Store bietet Spitzentechnologien zur Personalisierung von Produkten, von Stationen zur individuellen Vermessung durch Bodyscans bis zur Anpassung des Produktdesigns. Diese ermöglichen dem Konsumenten, in jedem Schritt des Fertigungsprozesses involviert zu sein. Auf diese Weise erhält er ein Produkt, dessen Design und Passform auf seine individuellen Bedürfnisse zugeschnitten seien.

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Das "Knit for You" in Berlin.
© NPK

Adidas springt außerdem auf den Merino-Trend auf und fertigt die Teile aus diesem sporttauglichen Naturmaterial, zunächst nur für Damen und vorerst nur einen Pullover. Doch die Palette könnte ausgeweitet werden und inzwischen kämen auch immer häufiger männliche Kunden auf den Geschmack und wollen einen individuellen Pullover gestrickt haben, erzählen Mitarbeiterinnen. Endfertigung und Qualitätskontrolle finden ebenfalls vor Ort und immer noch von Hand und durch Augenschein statt.

Aber nicht nur die Kundenzahl schießt seit der Eröffnung rapide nach oben. „Wir haben immer öfter auch Besuch von Textil- oder Designstudenten, die sich unsere Maschinen anschauen wollen“, berichtet Carmen Hoyer, die das Projekt vor Ort leitet, diese besonderen Strickmaschinen gäbe es schließlich nicht so häufig live zu begutachten. „Wir fertigen nachhaltig und daher auch ohne Überschuß“, betont Hoyer. Produziert wird auf den Punkt genau, was sich Kunde sich wünscht beziehungsweise sich selber kreiert hat. Individualisierte Sportmode, die Spaß machen soll. In Zukunft könnten weitere Adidas-Läden das Projekt weiterführen oder auch Sporthändler mit ins Boot geholt werden. Der neuartige Laden sei der erste Meilenstein im Forschungsprojekt Storefactory, erklärt Adidas.

Das vom Bundesministerium für Wirtschaft und Energie unterstützte Forschungsprojekt startete im September 2015 und ist bis Mai 2017 angesetzt. Für dieses Projekt hat sich Adidas außerdem mit der Friedrich-Alexander-Universität in Erlangen-Nürnberg, der Rheinisch-Westfälischen Technischen Hochschule Aachen, den Uedelhoven Studios Ingolstadt und der F.G. Meier GmbH zusammengeschlossen. Dabei untersuchen Experten aus Wirtschaft und Wissenschaft, wie die Flexibilität in der Produktion genutzt werden kann, um dem Konsumenten Personalisierungsmöglichkeiten und neue digitale Erlebnisse in Stores anbieten zu können.

Autor: Nicolas Kellner

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Dieser Artikel ist aus der Ausgabe: sport-FACHHANDEL Nr. 01 / 2017